• Petent ist im Dialog mit dem Petitionsempfänger

    at 04 Mar 2020 19:16

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    Liebe Unterzeichner*innen,
    nun wird's eng für die Rettung des Theaters und den Erhalt der Märchenhütten. Kulturschaffende, Fans und Prominente schreiben weiter Briefe an Politik und Medien. Lest und teilt in Sozialen Medien.

    In die Märchenhütten des Monbijoutheaters im Monbijoupark kamen Jahr für Jahr runde 70.000 Besucher, weitere 30.000 Gäste besuchten das sommerliche Amphitheater, mit Ausnahme des Jahres 2019 kam man alljährlich auf ca. 100.000 Besucher. So könnte es in der Sommer- und Wintersaison 2020 auch wieder sein, jedoch bereitet die BVV Berlin-Mitte einen Beschluss für die kommende Sitzung im März vor, der die Märchenhütten vom Dach des Monbijou-Bunkers auf immer vertreibt und der auch den alljährlichen Aufbau des Amphitheaters unmöglich macht. Man fragt niemanden, der von Theater und Bühnenaufbauten eine Ahnung hätte, sondern formuliert aus dem Handgelenk heraus enge Zeitfenster und nicht bezahlbare Fristen. 

Ich glaube, dass man das Theater im Monbijou-Park mehr denn je braucht. Es ist populär, aber nicht populistisch. Man macht „Volkstheater“, witzig und geistreich, aber nicht „volkstümlich“ und schon gar nicht „völkisch“. Das Repertoire, welches ich den Programmheften und Erzählungen entnehme, schaute nach Paris, London, Rom und Wien, man machte europäisches Volkstheater in der Tradition von Moliere, Shakespeare, Goldoni, Nestroy, Goethe, Brecht und Horvath und so könnte es weiterhin sein. Es werden alte Geschichten neu erzählt, darunter Märchen, die jeder kennt und doch so nie gehört hat. In den Märchen-Vorstellungen, die ich vor Weihnachten mit meinen Kindern besuchte, saßen weit auseinanderliegende Generationen dicht nebeneinander, es trafen sich Menschen mit unterschiedlichem Bildungshintergrund und aus komplett unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichtungen. So etwas gibt es selten und fast nirgends. Darauf können die Betreiber und die Künstler wahrlich stolz sein. 

Das Theater kostet den Bezirk und das Land Berlin gar nichts, man zahlt Steuern ans Finanzamt und Miete an die Humboldt-Universität, man finanziert sich aus den Einnahmen und der beigeordneten Gastronomie (eine „Strandbar“) und ist selbsttragend.

Der derzeitige SPD-Bezirksstadtrat Herr Gothe sagte in einer Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung am 26.2.20 er habe „keine Lust“ mehr, sich um Fragen dieses Theaters zu kümmern, grundsätzlich sehe er den Park als Grünfläche, wo man besser Yogamatten und Go-Carts ausleihen solle. Solches sei auch Kultur. Der SPD Fraktionsvorsitzende Herr Schug ging so weit zu sagen, er fände die Theater-Akteure im Monbijou-Park „schrecklich“ und ihm sei ein Ende mit Schrecken lieber als ein Schrecken ohne Ende.

Als ganz junger Teenager machte ich Wahlkampf für Willy Brandt, in dessen Teams es zahlreiche Künstler gab, leicht oder handzahm war keiner von ihnen, bei Willy Brandt und seiner Partei hatten sie aber ein klares Zuhause und rissen sich zusammen. Man muss sie halt zu nehmen wissen, warum gelingt das den Politikern in Berlin-Mitte nicht. Sie haben in Ihrer Partei den BVV- Vorstehenden Frank Berterman, der es schafft 50 verschiedene Tagesordnungspunkte in einer Sitzung durchzuziehen und den ich mag, auch weil er meinem Lieblings-Schauspieler Gerard Depardieu aufs Haar ähnelt. Es ist mir bisher leider nicht gelungen, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Ich würde mir wünschen, Sie oder er würden deutliche Worte mit dem dortigen Bezirksstadtrat Herrn Gothe wechseln und die Berlin Mitte-Politiker daran erinnern, dass Politik für die Bürger da ist, und dass ein Stadtrat dafür bezahlt wird, Dinge auch dann zu tun, wenn sie ihm gerade keinen Spaß bereiten.

    Ich habe 22 Jahre lang für das Goethe-Institut im Ausland unter zum Teil widrigen Umständen gearbeitet, in Indonesien, Schweden, Boston und Vilnius. Ich habe ein recht gutes, international entwickeltes kulturelles Urteilsvermögen, ohne jegliche Form von Dünkel. Was in Berlin-Mitte mit dem Monbijoutheater herangewachsen ist, ist einmalig und besitzt ein Riesenpotential. Es erinnert mich an die Teenagerzeit meiner nunmehr grösser gewordenen ersten 4 Kinder. Ja, man hat manchmal keine Lust mehr. Aber man lässt sich nichts anmerken und steuert die Kinder unmerklich dahin, wo sie stark sind, sich durchsetzen und eine Familie haben können und wo sie ehrliche und nützliche Staatsbürger werden.
Das Theater im Monbioupark ist am Erwachsenwerden. Letztes Jahr änderte es seine Struktur von vorher privatwirtschaftlich auf nunmehr gemeinnützig. Das war ein Riesenschritt. In der nächsten Phase zum Erwachsenwerden wird es seinen Führungsmodus ändern, von der „gelenkten Demokratie“ zum gleichberechtigt mitbestimmten Ensembletheater. Man sollte diesen Theaterleuten, die derart viel erreichten, Zeit und Gelegenheit geben sich weiterzuentwickeln und die eine oder andere künstlerische oder geschäftsführerische Frechheit großmütig verzeihen. Theater wie dieses wachsen nicht in beliebiger Menge an den Bäumen, sie sind ganz selten.

    Detlef Gericke


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