2026/02/02 5:24
Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,
Sie haben die Petition: „Stoppt das Krankenhaussterben im ländlichen Raum“ durch Ihre Unterschrift zusammen mit weiteren knapp 65 000 Menschen unterstützt. Am 23.01.2020 wurde die Petition beim Petitionsausschuss des Bundestages eingereicht. Nach mehr als 5 ½ Jahren (!) hat sich der Bundestag nun mit unserer Petition befasst.
In dieser Zeit sind unsere Befürchtungen über eine Verschlechterung der Krankenhausversorgung im ländlichen Raum leider nicht nur bestätigt, sondern sogar verstärkt worden.
Wegen unzureichender finanzieller Unterstützung sind zwischenzeitlich bis zu 80% der Krankenhäuser defizitär. Dies trifft besonders die kleineren Kliniken, die auch die nicht-lukrativen Erkrankungen zu behandeln haben. Durch das unter Karl Lauterbach verabschiedete „Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG)“ wurden „Leistungsgruppen“ eingeführt. Die Voraussetzungen hierfür sind in den kleineren Krankenhäusern nach Personal und Ausstattung oft nicht ausreichend gegeben, so dass sie in ihrer Existenz noch weiter bedroht werden. Somit droht das befürchtete Krankenhaussterben im ländlichen Raum nun Fahrt aufzunehmen.
Gleichzeitig ist die ambulante haus- und fachärztliche Versorgung oft unzureichend. Ein Hinweis darauf sind auch die oft überfüllten Notaufnahmen in den Krankenhäusern, die es bei funktionierender ambulanter Versorgung 24/7 nicht geben müsste. Ärzte, die altershalber ihre Praxistätigkeit beenden müssen, finden sehr oft keine Nachfolger. In den größeren Städten ist nicht nur die Zahl der Krankenhäuser, sondern auch die Arztdichte im ambulanten Bereich wesentlich höher.
Im ländlichen Raum wohnen etwa 50 % der Bevölkerung. Die Folgen für diese Menschen sind gravierend. Die Entfernungen nicht nur bei Notfällen, sondern auch bei ambulanten Behandlungen im Krankenhaus und bei Fachärzten sind sehr weit, teuer und bei schlechtem ÖPNV sehr zeitaufwändig. Manche finden in zumutbarer Entfernung sogar nicht mal einen Hausarzt, weil diese oft überlastet sind. Das Notarzt-System ist mancherorts jetzt schon überfordert, zu wenig Notärzte, zu lange Fahrten zum nächsten (aufnahmebereiten) Krankenhaus. In dieser Zeit stehen sie für weitere Notfälle nicht zur Verfügung. Die Notarztversorgung wird sich verschärfen.
Krankenhäuser bilden Ärzte aus, die sich nach ihrer Ausbildung oft in der Nähe niederlassen. Dieser Nachschub fällt dort weg, wo kein Krankenhaus mehr steht. Industrie und Handwerk benötigen aber Fachkräfte, die nur dann anzuwerben sind, wenn die Infrastruktur mit Kindergarten, Schule, Freizeiteinrichtungen und ärztlicher Versorgung stimmt. Somit wirkt sich der Gesundheitssektor direkt über die Gewerbesteuer auf den finanziellen Spielraum der Kommunen aus.
Die Krisenvorsorge rückt zurzeit immer mehr in den Vordergrund. Bei Pandemien oder kriegerischen Auseinandersetzungen sind Krankenhäuser dringend notwendig. Gerade jetzt aber sollen Krankenhäuser geschlossen und Betten auch an größeren Kliniken abgebaut werden. Das widerspricht dem Auftrag der öffentlichen Daseinsvorsorge.
Der Einsatz für eine ausreichende Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum ist nach unserer Einschätzung heute noch wichtiger als 2020.
Freundliche Grüße
Dr. Rainer Hoffmann, Walter Hartl, Hans-Peter Nitt