Petition addressed to:
Oberbürgermeisterin Eva Weber
Wir fordern die Stadt Augsburg auf, den Defizitausgleich der freien und kirchlichen Kindertageseinrichtungen erheblich zu erhöhen. Augsburg schließt dadurch die Finanzierungslücke nachhaltig und übernimmt Verantwortung für eine zukunftssichere Stadtgesellschaft.
Fehlende Finanzierung von Kinderbetreuung führt zu Ausfällen, Produktivitätsverlusten und wirtschaftlichen Folgekosten – verlässliche Betreuung sichert hingegen Familien und Arbeitgebern Planungssicherheit.
Der bisherige städtische Anteil zur Schließung der Finanzierungslücke reicht bei Weitem nicht aus. Daher fordern wir eine erhebliche Erhöhung des städtischen Anteils. Zwar handelt es sich bei der Zuzahlung um freiwillige kommunale Leistungen, doch freie und kirchliche Träger stellen bereits etwa zwei Drittel der Betreuungsplätze in Augsburg und sind damit Garanten für die Sicherstellung des rechtlichen Anspruchs auf Kinderbetreuung. Gleichzeitig dürfen städtische Kitas nicht vernachlässigt werden – auch sie brauchen ausreichende Mittel, um gute Qualität und verlässliche Öffnungszeiten sicherzustellen.
Reason
Eine bezahlbare, verlässliche und zukunftssichere Kinderbetreuung ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Augsburg auch künftig eine attraktive Stadt für Familien und Unternehmen bleibt. Sie sichert gesellschaftlichen Zusammenhalt, ermöglicht einen attraktiven Wirtschaftsstandort und dadurch langfristigen Wohlstand für alle Augsburgerinnen und Augsburger.
Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Eltern stehen finanziell unter massivem Druck. Familien zahlen in Augsburg heute teils mehrere hundert Euro monatlich für Kita- und Krippenplätze. Beispiel: Für zwei Kinder (Krippe und Kindergarten) entstehen schnell rund 800 € monatliche Betreuungskosten bei einer Betreuungszeit von 6Std./ Tag. Bei Teilzeit- oder mittleren Einkommen wird damit ein erheblicher Teil des Einkommens aufgezehrt.
Das heißt: “Vollzeit-Beitrag” bei Teilzeitbetreuungszeit!
Die Folge: Arbeitszeitreduktion oder Ausstieg aus dem Beruf – nicht aus Wunsch, sondern aus finanzieller Notwendigkeit.
Augsburg – ein nachhaltiger Wirtschaftsstandort
Verlässliche Kinderbetreuung schafft Planungssicherheit für Familien und Unternehmen. Durch fehlende Finanzierung entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Betreuungskosten und Einkommen, viele bleiben länger zu Hause und stehen dadurch dem Arbeitsmarkt nicht unmittelbar zur Verfügung.
Außerdem haben verkürzte Betreuungszeiten und unsichere Betreuungsverhältnisse gravierende Folgen für Arbeitgeber, Produktivität und wirken sich negativ auf den Wirtschaftsstandort Augsburg aus. Dies führt zu sinkender Standortattraktivität und volkswirtschaftlichen Folgekosten, die in der Haushaltsplanung der Stadt bislang nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Soziale Gerechtigkeit und frühzeitige Förderung aller Kinder
Steigende Kita-Beiträge verschärfen soziale Ungleichheit und treffen insbesondere Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen. Eine gute und zugängliche Kinderbetreuung ermöglicht frühkindliche Bildung unabhängig vom sozialen Hintergrund. Ohne sie droht Bildungsungleichheit bereits im frühen Kindesalter.
Gute Arbeitsbedingungen für pädagogisches Personal
Durch die unzureichende Finanzierung der Einrichtungen werden auch Fachkräfteschlüssel zu eng bemessen. Das führt dazu, dass Ausfälle durch Krankheit oder Personalengpässe sofort zu Gruppenschließungen, Notbetreuung oder eingeschränkten Öffnungszeiten führen. Eine angemessene Finanzierung ist deshalb entscheidend, auch um den Betreuungsschlüssel dem pädagogischen Konzept anzupassen, stabile Teams zu sichern und eine verlässliche Betreuung ohne Systemausfälle zu gewährleisten. Nur so kann die Qualität der Betreuung erhalten und die Arbeitsbelastung des Personals tragbar bleiben.
Gleichberechtigung
Bezahlbare Betreuung ermöglicht eine faire Aufteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit. Hohe Betreuungskosten führen dagegen dazu, dass vor allem Frauen beruflich zurückstecken müssen.
Die Folge: Elternschaft geht für viele mit dauerhaften finanziellen Nachteilen und eingeschränkter gesellschaftlicher Teilhabe einher.
Trägervielfalt – Schließung verhindern
Die Trägervielfalt durch freie und kirchliche Träger, neben städtischen Einrichtungen, sorgt für unterschiedliche pädagogische Konzepte und Angebote und ist ausdrücklich wünschenswert. Diese Vielfalt kann jedoch nur durch eine deutlich stärkere finanzielle Unterstützung der Stadt erhalten bleiben, da sonst zunehmend Schließungen drohen.
Wir fordern entschieden, dass der zukünftige Stadtrat zeitnah und mit Nachdruck die finanzielle Situation der bestehenden freien und kirchlichen Kindergärten und Krippen in Augsburg in den Blick nimmt und die Finanzierungslücke schließt – für die Kinder, für die Familien, für das pädagogische Personal, für den Wirtschaftsstandort Augsburg, für unsere lebenswerte Stadt –
kurz: für uns alle.
Kinderbetreuung ist kein Luxus, sondern das Fundament!
Es ist nicht in Ordnung, dass Kirchen/freie Träger, die die staatliche/städtische Aufgabe der Kinderbetreuung zu einem großen Teil stemmen, bzw. die Eltern deren (tolles) Angebot der Kinderbetreuung in Anspruch nehmen/nehmen müssen, finanziell benachteiligt bzw. unzureichend berücksichtigt werden.