Wir, die Fachschaft der Fremdsprachen vom Fachbereich 10, haben im Laufe der letzten Semester einen starken Einbruch in der Qualität der Lehre an unserem Fachbereich beobachten müssen. Dies kann unserer Meinung nach auf die stetig wachsenden Studierendenzahlen, teilweise bedingt durch den Verzicht auf die NCs im Lehramt, und auf die parallel weitergeführten Stellensperrungen zurückgeführt werden. Im Kontrast dazu stehen diverse Pressemitteilungen der Unileitung, den Studierendenansturm betreffend. Mit diesem Schreiben fordern wir Sie auf, keine weiteren verherrlichenden Darstellungen der Lage mehr zu veröffentlichen. Vielmehr fordern wir eine Richtigstellung der finanziellen Situation der Philipps-Universität. Darüber hinaus erwarten wir eine Solidarisierung mit der Studierendenschaft, um Protestmaßnahmen gegenüber der hessischen Bildungspolitik zu ergreifen. Um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen, skizzieren wir im Folgenden die tatsächliche Situation am Fachbereich 10.

Da unser Fachbereich als defizitär eingestuft wurde, und uns damit einhergehend die Finanzhoheit genommen wurde, sehen wir uns zurzeit mit einer katastrophalen Stellensituation, vor allem in der Sprachpraxis der Anglistik/Amerikanistik, konfrontiert. Dem Ganzen liegt eine Kalkulation zugrunde, die eine Übung erst ab einer Teilnehmerzahl von 60 Studierenden als „ausgelastet“ einstuft. Diese Rechnung beachtet aber nicht, dass einige Übungen an unserem Fachbereich, die Sprachpraxiskurse, auf die aktive Anwendung der zu lernenden Sprache abzielen und dies eine möglichst individuelle Betreuung der Studierenden erfordert. Um zielführend zu sein, muss ein Lehrender in einer solchen Veranstaltung in der Lage sein, jedem einzelnen Studierenden eine differenzierte Rückmeldung zu seinen Sprachkenntnissen und Verbesserungsmöglichkeiten geben zu können. Dies ist nicht möglich, wenn auf einen Lehrenden 60 Studierende gerechnet werden. Wesentlich sinnvoller wäre es hier von Größenordnungen von maximal dreißig Teilnehmern pro Kurs auszugehen, wie es in den Naturwissenschaften aufgrund der begrenzten Laborplätze auch der Fall ist.

Statt die fatale finanzielle Lage nun dadurch zu entschärfen, dass der Schlüssel den realen Verhältnissen angepasst wird, wurden beinah die doppelten Studierendenzahlen für das Fach Englisch zugelassen, um eine angeblich bessere Auslastung zu erreichen (WiSe 2012/2013: 136 Neueinschreibungen im Lehramt Englisch; im Vergleich: WiSe 2013/2014: 252 Neueinschreibungen). Darüber hinaus wurde trotz dessen an der Praxis der Stellensperrungen festgehalten, sodass das Institut im vergangenen Semester um jede Neubesetzung vakanter Stellen, vor allem in der Sprachpraxis, kämpfen musste. So haben wir zwar im Vergleich zu den vergangenen Semestern eine ähnliche Anzahl an Kursen, doch reichen diese im Angesicht der gestiegenen Studierendenzahlen nicht mehr aus. Die Masse von Studierenden, die im kommenden Semester sprachpraktische Kurse belegen will, steht nun vor der Situation entweder in die Kurse nicht aufgenommen zu werden, oder in einem Kurs zu sitzen der sein eigentliches Ziel, die aktive Anwendung der Sprache, aufgrund zu hoher Teilnehmerzahlen verfehlen muss. Daraus folgt, dass den Studierenden keine angemessene, qualitativ hochwertige Lehre zuteil wird, oder aber diese Studierendengeneration zum großen Teil ihr Studium nicht in Regelstudienzeit abschließen wird. Dies würde wiederum zu finanziellen Einbußen führen, da auch Studierende außerhalb der Regelstudienzeit betreut werden müssen, auch wenn sie bei der Gelderzuweisung nicht berücksichtigt werden. So befinden sich allein in der Anglistik zurzeit 294 Studierende außerhalb der Regelstudienzeit, die, obwohl sie keinen finanziellen Mehrwert mehr darstellen, Seminarplätze in Anspruch nehmen. Bedenkt man die Dopplung der Zulassungen des Wintersemesters 2013/2014, ist die Prognose, dass diese Zahlen noch weiter steigen werden, nicht von der Hand zu weisen.

In der Sprachpraxis ist demzufolge die Lage drastisch, doch auch in anderen Bereichen der Lehre herrschen Missstände. So gibt es beispielsweise im Hauptstudium überfüllte Haupt- und Proseminare, die mit 70 Menschen in einem Raum für 35 untergebracht sind. Nicht nur sind die Räumlichkeiten für solche Zahlen nicht ausgelegt, auch kann wiederum durch eine zu hohe Teilnehmerzahl keine angemessene Lehr- und Lernatmosphäre entstehen. Besonders betroffen ist hierbei die Amerikanistik, doch auch in den anderen Bereichen des Instituts zeichnet sich Ähnliches ab. Prinzipiell sollte unserer Meinung nach Lernen an der Universität mit einem aktiven Austausch verbunden und durch lebendige Diskussionen ermöglicht werden. Dies wird bei Seminargrößen von über 30 Menschen beinah unmöglich. Ursache hierfür sind unter anderem die Stellensperrungen der Mitarbeiterstellen, die die Notwendigkeit nach sich ziehen, dass Professoren nicht nur Haupt-, sondern auch Proseminare geben.

Begründung

War die Seminardichte durch einen fehlenden Lehrstuhl vorher schon niedrig, schrumpft das Angebot durch die begrenzte Arbeitskraft der Professoren nun weiter und die Studierendenzahlen in den einzelnen Seminaren steigen. Dieser jetzt schon bestehende Trend kann in den kommenden Jahren daher nur zu einer Eskalation der Lage führen. Darüber hinaus fehlt den Professoren wichtige Unterstützung bei Forschung und Lehre, was zu Qualitätseinbußen in beiden Bereichen führt. Demzufolge müssen sowohl sämtliche bestehende Stellensperrungen aufgehoben, als auch von zukünftigen Sperrung abgesehen werden. Um diesem Trend weiter entgegen zu wirken, ist es notwendig eine weitere Hochdeputatsstelle einzurichten, die zum einen weitere Seminare anbieten, zum anderen aber auch die Studienberatung entlasten kann. Darüber hinaus muss eine weitere fachgebundene Professur eingerichtet werden, die zumindest in dem Zeitrahmen bis die doppelten Abiturjahrgänge ihre universitäre Karriere durchlaufen haben, die Lehre im Hauptstudium unterstützt. Da sowohl in der Linguistik, als auch in der Literaturwissenschaft, vornehmlich in der Amerikanistik, eine prekäre Situation vorherrscht, sollte eine solche Entscheidung mit den Professoren des Instituts abgesprochen werden. Im Zuge einer Verbesserung der Lehre ist es neben der Aufhebung der Stellensperrungen und der zusätzlichen Mittel für die Lehre außerdem notwendig die Fachdidaktik im IAA näher zu betrachten. In der Anglistik/ Amerikanistik studiert ein Großteil der Eingeschriebenen Englisch auf Lehramt. Dieser Schwerpunkt wird jedoch bei der Stellenbesetzung in der Fachdidaktik nicht deutlich. Zum einen ist es natürlich wichtig eine Schnittstelle zwischen Schule und universitärem Leben durch von Schulen abgeordnete Mitarbeiter zu bieten. Diese schon bestehenden Stellen gilt es aus unserer Sicht zu erhalten. Darüber hinaus muss jedoch zum andern eine Weiterentwicklung des Lehrangebots durch eine Fachdidaktikprofessur gewährleistet werden. Ein solcher Schritt würde neben einer inhaltlichen Aufwertung und dem zusätzlichen Veranstaltungsangebot auch eine verbesserte Außenwirkung mit sich bringen und die Universität Marburg dadurch zu einem attraktiveren Standort für zukünftige Studierende machen. Ähnlich ist die Lage in der Romanistik. Gerade in der Fachdidaktik wurden auslaufende Verträge nicht verlängert, die für das maßgeblich aufs Lehramt ausgerichtete Studienangebot unerlässlich sind. Die Konsequenz dieser Nicht-Verlängerung war eine dramatische Verschlechterung des Lehrangebots. Des Weiteren hat auch hier die Universität Marburg an Attraktivität gegenüber anderen Universitäten (z.B. Gießen) eindeutig verloren. Diesbezüglich haben wir im vergangenen Jahr bereits eine Petition verfasst, jedoch sehr zu unserer Enttäuschung keine Reaktion erhalten. Zur Erinnerung finden Sie diese noch einmal im Anhang. Mit Verweis auf die Argumentation der damaligen Petition des letzten Jahres ist festzustellen, dass auch in der Romanistik demzufolge mindestens eine Fachdidaktikprofessur äußerst notwendig ist, um die angespannte personelle Lage zu entschärfen und die Lehramtsausbildung wieder qualitativ hochwertiger und damit attraktiver zu gestalten. Auf Basis dieser dargelegten Umstände, sehen wir die Notwendigkeit Maßnahmen zu ergreifen. Um auf lange Sicht eine stabile qualitativ hochwertige Lehre am Fachbereich 10 zu etablieren, fordern wir daher:

Für die Anglistik und Amerikanistik: - Anpassung des Schlüssels für Übungen - Aufhebung der Stellensperrungen - weitere 2 Mitarbeiterstellen in der Sprachpraxis - eine zusätzliche Hochdeputatsstelle - eine Fachdidaktikprofessur - eine zusätzliche fachgebundene Professur

Für die Romanistik: - Aufhebung der Stellensperrungen - eine Fachdidaktikprofessur

Eine Umsetzung all dessen ist zum neuen Semester natürlich nicht möglich, dennoch müssen neben den langfristigen Maßnahmen auch für das kommende Semester Übergangslösungen gefunden werden, die den neuen Studierenden der Philipps-Universität das Studium ermöglichen, das ihnen mit der Zusicherung des Studienplatzes versprochen worden ist. Uns ist selbstverständlich bewusst, dass auch von Seiten der Universitätsleitung nur so viel Geld in die Fachbereiche gegeben werden kann, wie vom Land zur Verfügung gestellt wird. Daher fordern wir Sie hiermit auf, sich in Anbetracht der angespannten Situation mit den Studierenden zu solidarisieren. In diesem Sinne erachten wir verherrlichende Pressemitteilungen, wie sie durch die Medien gingen, dass die hessischen Unis die Lage im Griff hätten, als Hohn den eigenen Studierenden und auch den Lehrenden gegenüber. Wir erwarten eine realitätsgetreue Darstellung der Lage auf der Universitätshomepage und der Regierung, sowie der Presse gegenüber. Darüber hinaus erwarten wir Unterstützung bei, sowie Organisation von massiven Protestmaßnahmen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung

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Pro

Besonders im Hinblick auf die Lehrerausbildung, hat eine schlechtere Ausbildung, besondre in der Sprachpraxis, extrem langfristige Konsequenzen, nämlich, dass schlechter sprachlich ausgebildete Lehrer mehr als 30 Jahre lang dies wieder schlechter an Schüler weitergeben können. Es ist also ein größeres gesellschaftliches Problem. Abgesehen davon, dass so viele Lehrer vermutlich ohnehin nicht als Lehrer in den Schulen gebraucht werden. Die Engpässe kurbeln also Wettkampf untereinander nach den besten Notenpunkten an, was nicht immer dem nachhaltigen Lernen förderlich ist.

Contra

Obwohl in der Sache richtig, ist diese Petition an die falsche Adressatin gerichtet. Das Universitätspräsidium war gezwungen, wie an allen anderen Universitäten Kapazitäten für doppelte Abiturjahrgänge zu schaffen. Die monetäre Situation ist seit langem desaströs, die gleichen Bedingungen wurden am Fb03 schon 2007 ähnlich umrissen und beklagt. Frau Prof. Krause hat leider wenig Spielraum, dies zu ändern. Zielführender wäre es, mit derselben Argumentation die Landesregierung von CDU und Grünen unter Druck zu setzen, um den Kahlschlag einer Dekade konservativer Bildungspolitik zu beenden.