Erklärung und Vision
Vom Sandplatz mit zwei improvisierten Toren bis zur Arena der Champions League, Fußball gehört zu unserem Leben. Es ist großartig, wie ein Ball und eine Hand voll Regeln zu so einem abwechslungsreichen und spannenden Event werden kann. Dabei finden selbst der Professorensohn aus Kairo und der Reisbauer aus Osaka mühelos durch die Sprache unseres Sports zusammen – sei es durch das gemeinsame Kicken, oder beim Anfeuern ihrer Mannschaften im internationalen Vergleich.
Doch der Fußball entwickelt sich in letzter Zeit in eine Art Zweiklassengesellschaft. Die faszinierende Tatsache, daß Fußball überall gleich ist – wir tun uns schwer, dies noch nachzuvollziehen. Auf dem Platz stehen Menschen, deren Wechsel mehr kostete, als das Nachbarhaus. Der Wochenverdienst einiger Sportler übersteigt meine Lebensrücklagen auf meinem KNAX-Konto um einiges und da ist dann noch der Videobeweis.
Bei einem Liga-/Pokalspiel tut jeder sein bestes. Niemand steht auf und denkt sich: „Wow, heute sense ich mal so richtig über den Ball“. Aber der Sport lebt davon, daß jedem mal ein Fehler unterlaufen kann. Beim Stürmer landet der Ball halt dann im Seitenaus. Beim Torwart im eigenen Tor – was den Verlust des Spiels bedeuten kann.
Aber ja, es kommt vor. Ebenso kommt es vor, daß ein Schiedsrichter einen Fehler macht. Nicht weil er die rote Mannschaft nicht siegen sehen möchte oder dem SV den Aufstieg nicht gönnt – nein, wir müssen anerkennen, daß ein Schiedsrichter nicht unfehlbar ist.
Aber ist es notwendig, daß ein ganzes Stadion, eine ganze Nation zuhause sitzt und 60 oder 120 Sekunden auf den VAR warten muß, um den Sekt aufzumachen oder die Flasche durch die Glastür zu pfeffern? Was ist aus „Manni Flanke, ich Kopf, Tor!“ geworden? Was sage ich meiner Tochter, warum ich denn nicht in ihrem Derby dem Schiedsrichter meinen Videomitschnitt vorgelegt habe?
Doch nur meckern ist nicht mehr zeitgemäß: Es gibt einen Weg aus der Misere, eine Alternative, die den Fußball wieder aus der Unnahbarkeit in unsere Herzen bringt.
Das Ersetzen des VAR durch eSRA.
Hier die Erklärung:
Das Spiel folgt den Regeln des DFB, so wie sie in der Version 2017/2018 festgelegt sind.
Die meisten Spiele kommen mit der ursprünglichen Besetzung der Schiedsrichter gut aus. Spiele mit besonderer Brisanz bedürfen unter Umständen, daß die Last der Spielführung auf mehrere Schultern verteilt wird. Hierzu gehören eventuell Auf- und Abstiegs-Spiele Derbys Spiele, deren Ausgang maßgeblich die Situation einer Mannschaft beeinflußt
Die extra SchiedsRichterAssistenz (eSRA) ist eine Option, die von Vereinen im Vorfeld gezogen werden kann. Hierbei können die Vereine zwei zusätzliche Schiedsrichterassistenten anfordern. Im Amateurbereich wären das vielleicht die „einzigen“ Linienrichter, im Profibereich wären das zwei zusätzliche Linienrichter, also je einer links und rechts pro Spielfeldhälfte. Das Amt des Torrichters entfällt dafür.
Die eSRAs können von den jeweiligen Vereinen angefordert werden, die sich am besagten Tag gegenüberstehen. Die Bezahlung der eSRAs erfolgt durch den anfordernden Verein. Wird von beiden Vereinen die Assistenz beantragt, werden die Kosten geteilt. Die Anforderung muß hierbei zeitlich in einem vorgesteckten Rahmen erfolgen. Ein Verein kann, muß jedoch keine Auskunft darüber geben, ob oder warum eine eSRA beauftragt wurde. Der eSRA-Assistent erhält keine Informationen darüber, welche Mannschaft den Antrag einbrachte – somit wird gewährleistet, daß es zu keinen Interessenskonflikten kommt.
Auch hier können natürlich Fehler und Mißverständnisse im Stadion vorkommen. Aber durch die zusätzlichen Augen kommt die Sicherheit vom abstrakten Büro am Rhein zurück auf den Platz.
Ebenso wird der weiteren Entwicklung Rechnung getragen, daß nicht nur in der obersten Spielklasse manchmal eine strittige Entscheidung Lebenswege von Grund auf verändern können.
Und wedelt mal der eine Linienrichter zum Abseits und der andere läuft mit stoischem Blick weiter die Linie entlang: Dann heißt es eben wieder „im Zweifel für den Stürmer“. Ob das Nasenhaar von Rudi wirklich die 2 cm im Abseits war – bei 120m ist das doch eigentlich wurscht.
Natürlich ist uns bewußt, daß durch den VAR die psychologische Last von den Schultern der Unparteiischen genommen werden kann. Auch dem muß weiterhin Rechnung getragen werden. In Zeiten der Millionen-Boni kochen die Gemüter hoch – aber auch auf dem Ascheplatz wird es laut. Daß es anders geht, sieht man im Eishockey, American Football oder Rugby. Zielführend wären etwa eine Einschränkung der Spieler, die mit dem Schiedsrichter kommunizieren dürfen (z.B. nur die "Spielführer“), eine sofortige Verwarnung für Spieler, die den Schiri angehen und Erklärungen der Schiedsrichter. Das hagelt eine Saison gelbe und rote Karten, ja – aber dann wird Deutschland neben seiner Erfolge auf dem Platz ebenso zum Vorzeigeprojekt in Sachen konsequenter und effektiver Spielführung.