Petition richtet sich an:
Der Intendant des Deutschlandfunks, Stefan Raue
Sehr geehrter Herr Raue,
kürzlich haben Sie bekanntgegeben, dass das Programmschema des Deutschlandfunks zum 30.11.2026 grundlegend reformiert werden soll. Die bisher bekannt gewordenen Eckpunkte der Reform lauten:
- Verschiebung der „Informationen am Morgen“ um eine Stunde nach hinten. Damit wohl Wegfall von „Europa heute“ und der Religionssendung „Tag für Tag“.
- Auflösung der Fachsendungen wie etwa „Kultur heute“, „Wirtschaft am Mittag“ oder „Campus und Karriere“. Verlagerung der Inhalte auf zwei Sammel-Sendungen namens „Wissen nach 2“ und „Kultur nach 3“.
- Die Fachredaktionen treten mit ihren Beiträgen für diese Sendungen zukünftig in einen Wettbewerb um die Relevanz ihrer Inhalte (sie müssen sie vorher intern pitchen).
- Verlängerung der Anrufsendungen auf 2 Stunden.
- Ab 17 Uhr 90-minütiges Programm „Drive Time“, das die Informationsbedürfnisse der Menschen bedienen soll, die um die Zeit nach Hause fahren.
Damit soll eine über eine lange Zeit gewachsene Sendestruktur zerstört werden, die bisher in Deutschland ein unglaubliches Kunststück vollbracht hat: jeden Tag einen 360°-Blick auf das Leben zu werfen – von Politik und Wirtschaft bis zu Kultur und Lebenskunst.
Damit leistet der Deutschlandfunk dem Land und der Demokratie einen unglaublichen Dienst: In einer Zeit fragmentierter Öffentlichkeit, Bubble-Bildung, alternativer Fakten und Algorithmisierung der Meinungsbildung ist der Deutschlandfunk mit seinem linearen Programm einer der letzten Ankerpunkte, auf den eine Vielzahl der Menschen in Deutschland zurückgreifen, wenn sie gut informierte, höchst interessant aufbereitete, unaufgeregte und verlässliche Informationen bekommen wollten – und das ohne Bezahlschranke und auf den unterschiedlichsten Ausspielwegen zugänglich. Dass die Bevölkerung die bisherige Struktur auch so wertschätzt, wird durch die unfassbar gute Quote mit ca. 2,52 Mio. Hörern am Tag deutlich.
Für die Programmreform wurde bisher keine überzeugende Begründung gegeben. Das bisherige Programm auf den Sound und Inhalt der übrigen öffentlich-rechtlichen Sender hin zu mainstreamen, ist aber kein Selbstzweck.
Daher fordern wir:
- Verzicht auf die grundstürzende Programmreform.
- Behutsame Weiterentwicklung des Programms nach dem Grundsatz: Evolution statt Revolution
- Lineares, nach Sparten sortiertes Hauptprogramm als Anker und Referenzpunkt für Podcasts und Social-Media-Strategie
- Beibehaltung der Fachsendungen nach dem Motto: „Alles von Relevanz“ statt „Ein Kessel Buntes“
- Inhaltliche Qualität durch Beibehalt der Fachredaktionen und der ihnen zuarbeitenden Freien Mitarbeiter
Etwas beizubehalten, was sich jeden Tag aufs Neue bewährt, ist mutiger, als Innovation um der Innovation willen!
#dlfbleibt
Begründung
Der Deutschlandfunk ist einer der letzten Informationssender mit hoher inhaltlicher Tiefe und bundesweiter Verbreitung, den viele Menschen hören. Er ist damit extrem wichtig für unsere Demokratie: Er liefert verlässliche Fakten und eine Referenz, auf die wir uns alle beziehen können.
In den geplanten Sammel-Sendungen werden Themen aus allen Sparten wie Literatur, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Religion an Breite und Tiefe verlieren. Im linearen Radio wird die Orientierung erschwert. Es droht ein Mainstream-Sender mit den Themen, die ohnehin schon überall präsent sind.
Lineares Radio ist außerdem wichtig für die Horizonterweiterung: Man hört auch mal etwas, was man sich als Podcast nicht selbst ausgesucht hätte.
Als Hörer kann ich die Gründe und/oder Motive einer Programmreform nicht nachvollziehen, weil genau darüber nicht kommuniziert wird. Etwas beizubehalten kann uns womöglich weiterbringen als wir annehmen