Ziele

  1. Beibehaltung der eigenständigen Fächer “Biologie“ und “Naturphänomene“ in Klasse 5 und 6 der allgemeinbildenden Gymnasien, d.h. Verzicht auf die Einführung des Fächerverbunds „Biologie, Naturphänomene und Technik“ (kurz: BNT).

  2. Entwicklung eines Bildungsplans Biologie von Klasse 5-10 und der Kursstufe unter Beteiligung unabhängiger Experten, der maßgeblichen Fachverbände (z.B. VBIO), der Lehrerverbände und der Elternvertretungen.

Hintergrund

Die im Rahmen der aktuellen Bildungsplanreform zum September 2016 geplante Einführung des Fächerverbunds BNT wurde in internen Gremien der Meinungsbildung, ohne jede Beteiligung der maßgeblichen Experten, Fachverbände und Elternvertretungen, 2012 beschlossen.

Diese Entscheidung erfolgte ohne vorangehende Evaluation der eigenständigen Fächer Biologie und Naturphänomene in Klasse 5 und 6 und ohne ergebnisoffenen, transparenten Diskussionsprozess. Bei der anschließenden Erprobung des Bildungsplanentwurfs zum geplanten Fächerverbund gab es ernsthafte Probleme, die vom Kultusministerium nicht öffentlich kommuniziert wurden. Die sachgerechte Information der interessierten Öffentlichkeit ist aber eine notwendige Voraussetzung für jede erfolgreiche Bürgerbeteiligung. Dieser völlig intransparente Entscheidungsfindungsprozess steht in krassem Widerspruch zum Leitsatz der Bildungsplanreform “Beteiligung groß geschrieben“.

Die nach Bekanntwerden auf breiter Basis geäußerten, kritischen Rückmeldungen zu BNT wurden bis heute ignoriert. Es fand weder eine sachliche Auseinandersetzung mit den vorgebrachten Argumenten statt noch wurden sie berücksichtigt. Diese Politik der vollendeten Tatsachen - unter Ausschluss der interessierten Öffentlichkeit - wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern als höchst befremdlich und überheblich empfunden und entlarvt die seit der Auftaktveranstaltung zur Bildunsplanreform immer wieder versprochene Beteiligung der interessierten Öffentlichkeit als reine Floskel.

Gegen den Fächerverbund BNT in Gymnasien haben sich folgende Elternvertretungen, Lehrerverbände, bildungspolitische Sprecher, Fachdidaktiker, Fachverbände sowie Fachwissenschaftler/innen an Universitäten und Forschungseinrichtungen ausgesprochen (darunter so namhafte Wissenschaftler/innen, wie Frau Prof. Dr. Nüsslein-Volhard):

  • die Arbeitsgemeinschaften gymnasialer Eltern in den Regierungsbezirken Baden-Württembergs: ARGE Freiburg, ARGE Karlsruhe, ARGE Stuttgart und die ARGE Tübingen [Quellen: 1, ARGE Tübingen: 1, 2 und 4]

  • der Landeselternbeirat Baden-Württemberg [3]

  • die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg [4]

  • der Philologenverband Baden-Württemberg [4, 5]

  • die Mitglieder der Bildungsplankommission Biologie (Landtag, Drs. 15/6307) [6]

  • zahlreiche namhafte Wissenschaftler/innen, insbesondere Biologieprofessorinnen und -professoren, in einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten, [7]

  • der Bundesverband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (kurz VBIO), der Landesverband Baden-Württemberg, die Fachsektion Didaktik der Biologie im VBIO und der Arbeitskreis Schulbiologie im VBIO, [4, 8, 9, 10, 11]

  • die Gesellschaft für Didaktik der Biowissenschaften [9]

  • der Schulgeographenverband Baden-Württemberg [4]

  • der bildungspolitische Sprecher der FDP, Herr Dr. Kern (18.09.2015) [12]

  • der bildungspolitische Sprecher der CDU, Herr Wacker (2.12.2015) [13]

  • der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) [14]

Die Tatsache, dass die Einführung des Faches BNT auf so breiter Basis auf Ablehnung stößt, ist per se ein sehr starkes Indiz dafür, dass hier eine eklatante Fehlentscheidung getroffen wurde.

Petitionstext mit Quellenangaben [1 - 14] unter: www.geb-tuebingen.de/dokumente/openpetition_bnt_2016-04-28.pdf

Begründung

Seitens der Befürworter aus dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg wurden weder inhaltliche Sachargumente noch fachliche oder pädagogische Vorteile der Bildung eines Fächerverbundes BNT in Klasse 5 und 6 gegenüber den bisher selbständigen Fächern Biologie und Naturphänomene genannt.

Die vom Kultusministerium vorgebrachte Begründung, hiermit eine verbesserte Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Schularten zu erreichen, lässt sich alleine schon mit den zeitlichen und inhaltlichen Unterschieden der Bildungspläne widerlegen: Der Technikanteil in den verschiedenen Schularten beträgt: in Werkrealschulen und Realschulen 2 Jahreswochenstunden, in Gemeinschaftsschulen 1 Jahreswochenstunde, und in Gymnasien 0 Jahreswochenstunden. Darüber hinaus zeigt die Praxiserfahrung, dass Probleme bei einem Schulwechsel nicht durch das Fach Biologie verursacht werden.

Den Nachteilen und Risiken bei der Einführung von BNT in Gymnasien steht kein erkennbarer Nutzen für die Schülerinnen und Schüler gegenüber.

Bisher gibt es in Baden‐Württemberg am Gymnasium in den Klassen 5 und 6 das Fach Biologie (4 Jahreswochenstunden) und das Fach Naturphänomene (2 Jahreswochenstunden). Das Fach Biologie zählt seit langem zu einem der beliebtesten Fächer in der 5. und 6. Klasse der Gymnasien und leistet als solches einen wesentlichen Beitrag zur Motivation der Schüler/innen, sich mit Naturwissenschaften auseinanderzusetzen. Diesen Mehrwert eines eigenständigen Faches Biologie auf's Spiel zu setzen, ohne dass dem ein nachvollziehbarer Gewinn gegenübersteht, erscheint irrational.

Der Lehrkräftemangel in den naturwissenschaftlichen Disziplinen lässt ein erhöhtes Maß an fachfremdem Unterricht im Fächerverbund BNT erwarten, was für keine der drei naturwissenschaftlichen Fächer wünschenswert ist und insbesondere für die Biologie Verluste in der Fachlichkeit bedeuten würde. Für das Fach Biologie ist ein naturwissenschaftlicher Fächerverbund in der Orientierungsstufe, der eine “Brückenfunktion“ zwischen dem Sachunterricht der Grundschule und den später einsetzenden naturwissenschaftlichen Einzelfächern im Gymnasium übernehmen soll, weder notwendig noch vorteilhaft, da Biologie seit vielen Jahren erfolgreich als eigenständiges Fach ab Klasse 5 unterrichtet wird.

Das thematisch überschaubare Fach Naturphänomene, in seiner derzeitigen Konzeption – zwei Jahreswochenstunden in Arbeitsgruppen von maximal 20 Schüler/innen – wird den Anforderungen eines an die Naturwissenschaften heranführenden Faches sehr gut gerecht. Dementsprechend besteht eine bewährte Hinführung zu den eigenständigen, naturwissenschaftlichen Fächern Physik und Chemie, die ab Klasse 7 bzw. 8 im Gymnasium unterrichtet werden.

Das Konzept der integrativen Module im Fächerverbund BNT, d.h. fächerübergreifende Unterrichtsteile, führen zu einer inhaltlichen Verzettelung. Unter der fehlenden Kontinuität bei der Vermittlung biologischer Kompetenzen würde insbesondere das wichtige, vertiefte fachliche Lernen biologischer Basiskonzepte leiden (z.B. Funktion und Struktur, stammesgeschichtliche Verwandtschaft, usw.). Wissenschaftliche Erkenntnisse sprechen gegen die Einführung eines naturwissenschaftlichen Fächerverbundes BNT (siehe hierzu z.B. die Pressemitteilung vom VBIO vom 14.11.2014 [10]).

Einen naturwissenschaftlichen Fächerverbund zu unterrichten, ist wesentlich komplexer als “nur“ Biologie, Chemie oder Physik zu unterrichten und erfordert umfangreiches fachdidaktisches Wissen (Einblick in die Didaktiken aller beteiligten Fächer). Der Fächerverbund BNT passt strukturell nicht zur Lehrerausbildung in Baden-Württemberg, da es keine BNT-Lehrkräfte gibt.

Bedingt durch den rasanten Kenntniszuwachs in den Bereichen Genetik, Biotechnologie und Biomedizin gilt die Biologie – zu Recht – als Leitwissenschaft des 21. Jahrhunderts. Mit einem Fächerverbund BNT in Klasse 5 und 6 , zwei Jahreswochenstunden Biologie in Klasse 7 und nur drei Wochenstunden Biologie in der Mittelstufe, d.h. formal nur je eine Jahreswochenstunde in Klasse 8, 9 und 10, kann der Biologieunterricht seinen vielfältigen Aufgaben in der Sekundarstufe 1 des Gymnasiums nicht mehr gerecht werden, z.B.: - die Hinführung zu komplexen Themenfeldern der Kursstufe (Genetik, Molekularbiologie, biomedizinische Verfahren, Evolution und Ökologie), - grundlegende Kenntnisse über Tiere und Pflanzen, deren Lebensräume sowie ökologische Zusammenhänge, und - wichtige Querschnittsaufgaben, bei denen das Fach Biologie eine zentrale Rolle spielt (Suchtprophylaxe, Sexualerziehung, Gesundheitserziehung, Arten- und Umweltschutz).

Wir appellieren an die Abgeordneten des Landtags von Baden-Württemberg und die Landesregierung, auf die Einführung des Fächerverbundes BNT in den allgemeinbildenden Gymnasien zu verzichten und beim getrennten Unterricht in den Fächern Biologie und Naturphänomene zu bleiben.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Martin Lindeboom, ARGE Tübingen (Gymnasien) aus Ammerbuch
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  • Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer
    der Petition für die Beibehaltung eines eigenständigen Biologieunterrichts in Klasse 5 und 6.

    Kurz zum Stand der Dinge:
    Der Fächerverbund "Biologie, Naturphänomene und Technik" (BNT) wird jetzt - wie zu erwarten - ohne jede sachliche Diskussion der vorgetragenen Argumente für die Beibehaltung eines eigenständigen Fachs Biologie in Klasse 5 und 6 eingeführt.

    Die angeblich vorhandenen Beteiligungsmöglichkeiten waren nur politisch motivierte Schaufensterveranstaltungen, so z.B. auch der "Beirat zur Bildungsplanreform".
    Die uns vorliegenden Antworten der Ministerialbürokratie auf Kritik am neuen Fächerverbund BNT bestehen aus Allgemeinplätzen, unbegründeten Aussagen oder widerlegten Behauptungen. Trotz deutlicher Kritik von Fachverbänden, Lehrer/innen und Eltern war das Kultusministerium zu keinem Zeitpunkt zu einer zielführenden, sachlichen Diskussion bereit.
    Wir werden jetzt nochmal die Kultusministerin, die Abgeordneten und die Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung kontaktieren und unsere Sichtweise - insbesondere auch unsere Kritik am Beteiligungsprozess - übermitteln.

    Wie geht es anschließend weiter?

    1. Wir werden Eltern, Schüler/innen, Lehrer/innen und Abgeordnete sachlich über die Auswirkungen der Bildungsplanreform informieren und konkrete Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen.

    2. Wir werden versuchen die Zahl der Unterstützer/innen (für einen eigenständigen Biologieunterricht) zu vervielfachen.

    3. Wir werden eine Webseite zur Dokumentation aller Aktivitäten starten.

    Fazit
    Kurzfristig wird das Fach Biologie geschwächt. Mittel- und langfristig besteht die Gefahr, dass - ähnlich wie beim Fach NWT - auch in BNT die naturwissenschaftlichen Fachkenntnisse zugunsten des Technikanteils reduziert werden. Die entsprechende Formel der Arbeitgeber lautet "Naturwissenschaft für Technik".
    Hier ein Zitat des Arbeitgeberverbandes BaWü zu BNT (Stellungnahme der LV Baden-Württembergischen Arbeitgeberverbände vom 27.10.2015): "Der Anspruch "Naturwissenschaft für Technik" wird in Ansätzen in der Anhörungsfassung Biologie, Naturphänomene und Technik sichtbar auch wenn die Biologie als Fremdkörper wirkt:"
    Die Arbeitgeber wünschen sich - bereits ab Klasse 5 - einen technikorientierten, naturwissenschaftlichen Unterricht und werden dies mit einiger Sicherheit genauso zielsicher anstreben wie sie die aktuellen Änderungen im Fach NWT bewirkt haben (Ergebnis in NWT = weniger Naturwiss., mehr Technik).

    Nochmals herlichen Dank - auch für zahlreiche Kommentare. Viele Grüße aus Tübingen

    Martin Lindeboom
    für die ARGE Tübingen

Pro

Im Widerspruch zum Leitspruch der Bildungsreform „Beteiligung groß geschrieben“ soll BNT trotz zahlreichen, ablehnender Stellungnahmen eingeführt werden. Die frühzeitige Festlegung auf die Einführung des neuen Faches BNT - ohne vorgelagerten und begleitenden Diskurs – deutet darauf hin, dass eine ernsthafte Einbindung der Eltern, Lehrer/innen, Wissenschaftler/innen und Fachverbände von vornherein nicht geplant war. Alle Vorstände der Arbeitsgemeinschaften gymnasialer Elternvertreter in Baden-Württemberg kritisieren aufs Schärfste die Einführung des Schulfaches BNT.

Contra

Noch kein CONTRA Argument.