In den Medien wird derzeit viel über die Bildungspolitik in Baden-Württemberg berichtet. Hieraus geht hervor, dass die Werkrealschulen mit den Realschulen zu Gemeinschaftsschulen fusionieren sollen und zu einem späteren Zeitpunkt die Grundschulen zu Ganztagesbetrieben ausgebaut werden. Was aber bei den ganzen Diskussionen nicht berücksichtigt wird, ist die Aufklärung der Eltern! Hier fehlt das Gespräch zwischen Politik, Schule, Elternhaus und vor allem Schülern. Ebenso sind uns bisher keine Erhebungen der verschiedenen Meinungsbilder bekannt. Möchten wirklich alle Eltern das Zweisäulenmodell mit verpflichtendem Ganztagesbetrieb? Die Gemeinschaftsschule wird immer nur als Fusion zweier Schularten erklärt. Dass daraus aber ein verpflichtender Ganztagesbetrieb resultiert, bleibt völlig unbenannt. Viele Eltern sind hier nicht ausreichend informiert. Die Institution Familie wird dazu gezwungen mitzugehen. Laut Grundgesetz Artikel 6 Abs. 2 aber sind die Pflege und Erziehung der Kinder das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Des Weiteren besagt Abs. 3, dass gegen den Willen der Erziehungsberechtigten Kinder nur aufgrund eines Gesetztes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen. Es gibt zwar viele Alleinerziehende oder andere Bedürftige, die auf einen Ganztagesplatz angewiesen sind, auch einige, bei denen beide Elternteile arbeiten wollen. Aber wo bleibt die Wahlfreiheit derjenigen, die ihre Kinder daheim wissen wollen? Deren Kinder nach dem Vormittagsunterricht einfach nur nach Hause wollen, weil Lärm- und Lernpegel gesättigt sind? Diejenigen, die sich bewusst für ein Familienleben am Nachmittag entschieden haben, werden bei diesem Modell nicht berücksichtigt und müssen zugunsten derer, welche einen Ganztagesbetrieb begrüßen, ihre Rechte als Eltern zurückstellen. Man bekommt den Eindruck, dass das soziale Gefüge „Familie“ bei ihnen ausgelöscht werden soll.

Begründung

Welche Folgen hat der verpflichtende Ganztagesbetrieb für die Gesellschaft? Fangen wir bei dem wichtigsten Teil der Gesellschaft an, der Familie. Durch den verpflichtenden Ganztagesbetrieb gehen die Begegnungen und Gespräche, das Aussprechen von Problemen und der Frustabbau am Mittagstisch verloren. Des Weiteren hat das einzelne Kind keine Möglichkeit sich in seinen geschützten, vertrauten Raum zurückzuziehen und zu entspannen. Der Ruheraum in der Schule ist hier kein Ersatz dafür. Auch die konzentrierten Hausaufgaben sind in einem separierten Raum eher zu leisten als in einem Schulbetrieb. Es gibt wirklich noch die Familien, die dieses für sich so entschieden haben und es auch leben! Außerhalb der Familie sieht man als nächstes die Freundschaften. Außerschulische Beziehungen können unter der Woche nicht mehr gelebt werden. Ebenso kann die individuelle Freizeitgestaltung nicht mehr wie bisher ausgeübt werden. Diese wird durch AGs vorgegeben. Individuelle Hobbys sterben aus. Die Vereine bangen um ihre Angebote, bekommen sie zeitlich nicht mehr organisiert. Damit wird massiv in bestehende Strukturen und auch in eine gewachsene Kultur eingegriffen. Das Identitätsstiftende jedes Vereins geht verloren. Den Vereinen werden somit die Kinder entzogen. Es gibt immer noch Familien, die ihre Freizeitgestaltung selber in die Hand nehmen wollen. Darf das Kind nicht mehr Kind sein und diese Kindheit innerhalb der Familie genießen, wenn es die Möglichkeit hat? Was für ein gewaltiger Tagesablauf wird hier von einem Kind verlangt? Viele Kinder können einen solchen Tag nicht verkraften. Wo sind die Regenerationsphasen? Unbeschwert draußen spielen? Auf dem eigenen Bett ein Buch lesen? Ist es nicht schön, bei größter Hitze schnellstmöglich ins Schwimmbad gehen zu können? Mittags im Winter sich auf den Schlitten setzen und sich mit Klassenkammeraden treffen, weil es schnell dunkel wird? Müssen alle Elternhäuser und Kinderseelen in einen Topf geworfen werden? Ist das das Verständnis einer modernen Demokratie in der man angeblich mündige Bürger wissen möchte? Auf der einen Seite spricht man über die Erhaltung des ländlichen Raumes, auf der anderen Seite zieht man genau diese nachwachsende Generation aus diesem Bereich heraus. Das ursprüngliche Lernen war und sollte doch immer das Wichtigste sein und bleiben! Hat denn nicht jeder Pädagoge gelernt, dass das Lernen mit allen Sinnen am nachhaltigsten und effektivsten ist? Warum dann nicht zu freigewählter Zeit an Ort und Stelle im vertrauten Umfeld? Einen besseren Lernstandort gibt es nicht. Die Eltern, die dies für ihre Kinder bewahren möchten, werden versuchen sie in eine Privatschule gehen zu lassen. Wird dadurch nicht die Zweiklassengesellschaft gefördert? Haben wir uns bewusst für Kinder und Familie entschieden, um 4 Tage die Woche sie täglich 75% der Zeit in Schulhände zu geben? Für Kinder im Grundschulalter und für das Familienleben sind hier nur noch zwei bis drei Stunden täglich miteinander übrig! Vor diesem Hintergrund fordern wir Sie auf, Ihr neues bildungspolitisches Konzept zu überdenken, ausreichend Aufklärungsarbeit zu leisten und den Eltern eine schulische Wahlfreiheit gegenüber der verbindlichen Ganztagesschule einzuräumen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung

Übersetzen Sie jetzt diese Petition

Neue Sprachversion

Neuigkeiten

  • An alle Unterstützer,

    kurz vor Ostern haben wir aus dem Ministerium für Kultur, Jugend und Sport nachstehenden Brief erhalten:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Herr Marwein MdL hat ihre Unterschriftensammlung an das Kultusministerium weitergeleitet. Das Stasstministerium hat ihr Schreiben an Herrn Ministerpräsident Kretschmann ebenso zuständigkeitshalber an das Kultusministerium gesandt.

    Herr Minister Stoch bedankt sich für ihr Schreiben vom 17. Februar 2014 und bittet um Verständnis, dass er nicht alle Schreiben persönlich beantworten kann. Aus diesem Grund hat Herr Minister die zuständige Abteilung des Ministeriums für Kultur, Jugend und Sport gebeten, Ihnen zu antworten.

    In ihren Ausführungen kritisieren sie die Verbindlichkeit des Ganztagsbetriebes der Gemeinschaftsschulen. Ich möchte ihnen die Bedeutung des Ganztagsbetriebs gerne erläutern. Dabei muss jedoch zunächst zwischen der Grundschule, die im Verbund mit einer Gemeinschaftsschule geführt wird, und der Sukundarstufe I der Gemeinschaftschule unterschieden werden.

    Eine Gemeinschaftsschule ist in den Klassenstufen 5-10 verpflichtende Ganztagsschule. Das bedeutet, dass an drei oder vier Tagen der Woche ein Ganztagesbetrieb mit rhythmisiertem pädagogischen Angebot stattfindet. Schule und Schulträger entscheiden frei darüber, welche Variante sie wählen. Ganztagschulen tragen dazu bei, die Chancengerechtigkeit im Bildungssystem zu verbessern. Sie eröffnen vielfältige Möglichkeiten, auf die Interessen und Begabungen der Kinder und Jugendlichen individuell einzugehen. Die Studie zur Entwicklung der Ganztagesschulen (www.projekt-steg.de) zeigt zum Beispiel, dass sich die Teilnahme an Ganztagsangeboten positiv auf die Familie und das Sozialverhalten der Schüler auswirkt. Nicht zuletzt fördern Ganztagsschulen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aus diesen Gründen sind verpflichtende Ganztagsangebote wichtig für das pädagogische Konzept der Gemeinschaftschulen.

    Grundschulen, die mit Gemeinschaftsschulen verbunden sind, müssen nicht Ganztagsschulen werden, haben aber die Möglichkeit dazu. Sie können bislang zwischen verpflichtendem und freiwilligen Ganztagsbetrieb sowie zwischen drei oder vier Tagen wählen.
    Auch das neue Ganztagschulkonzept, das zum neuen Schuljahr für alle Grundschulen eingeführt werdenn soll, sieht eine Wahlmöglichkeit vor.

    Das Elternrecht ist ein hohen und zu schützendes Gut. Deshalb sollen Eltern, die ihr Kind nicht an einer verbindlichen Ganztagsschule beschulen lassen wollen, auf Antrag die Möglichkeit haben, den Schulbezirk zu verlassen und an eine andere Grundschule zu wechseln. Ebenso sollen Eltern, in deren Schulbezirk keine Ganztagsgrundschule vorhanden ist, bie Bedarf auf Antrag die Möglichkeit haben, an eine Grundschule mit Ganztagsbetrieb zu wechseln.

    Die Gesellschaft wandelt sich und die familiären Struktuen sind vielfältiger geworden. Das Land muss auf diesen Wandel bei den Schulen reagieren. Die Koalitionsvereinbarung sieht deshalb den Ausbau und die Weiterentwicklung der Ganztagschulen in allen Schularten vor. Die Landesregierung legt dabei den Schwerpunkt auf den Ausbau von Ganztagsgrundschulen. Gleichwohl sollen auch dei weiterführenden Schularten berücksichtigt werden.

    Ich hoffe, ich konnte ihnen verdeutlichen, weshalb das Ganztagsschulkonzept ein bedeutsamer Baustein der Gemeinschaftsschulen ist und gleichzeitig einen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit in Baden-Württemberg leistet.

    Eltern sind wertvolle Partner für uns und werden sowohl bei den Gemeinschaftsschulen wie den Ganztagsschulen eng in die Konzeption eingebunden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Johannes Bergner
    Ministerialdirigent
    Leiter Abteilung "Allgemein bildende Schulen, Elementarbildung"

    Wie sie dem Schreiben entnehmen können, wurde wenig konkret auf unsere Anliegen eingegangen. Es ist eher eine allgemeine Information zu Ganztagesschulen. Unter der Politik des "gehört werden" verstehen wir eigentlich etwas mehr.

    Dennoch wollen wir ihnen Mut machen sich auch weiter, gerade auch vor Ort auf kommunaler Ebene, für unser Anliegen einzusetzen.

    Wir danken Ihnen noch einmal ausdrücklich für ihre Unterstützung !

    Mit freundlichen Grüßen
    Christine Vollmer

  • An alle Unterstützer.

    zunächst einmal möchten wir uns auf diesem Wege bei allen Unterzeichner dieser Petition bedanken. Ohne ihre Unterstützung wäre keine so große Anzahl an Unterschriften zusammen gekommen.

    Vergangenen Montag (17.02.2014) haben wir insgesamt 3642 Unterschriften (2668 online, der Rest handschriftlich gesammelte Unterschriften) an den Offenburger Landtagsabgeordneten Herrn Thomas Marwein (Grüne) überreicht. Dieser übergab am Mittwoch (19.02.2014) die Petition samt Unterschriften an Herrn Kultusminister Andreas Stoch. Anbei zwei Links von zwei lokalen Zeitungsausschnitten:

    www.badische-zeitung.de/kaestner-gesamtlehrerkonferenz-sagt-nein

    www.staz-online.de/nachrichten/single-news/archive/2014/february/article/eltern-und-lehrer-gegen-die-offenburger-schulplaene/

    Außerdem waren wir auf Wunsch vieler Unterzeichner am Dienstag bei Offenburgs Oberbürgermeisterin Frau Schreiner um sie über diese Unterschriftenaktion zu informieren.

    Ihre zahlreich eingegangenen Kommantare (selbstverständlich anonymisiert) übergaben wir sowohl Herrn Marwein als auch Frau Schreiner, damit ihre Beweggründe vor Ort Gehör finden.

    Dass diese Aktion auf kommunaler Ebene in Offenburg schon erste Erfolge zeigt, kann man der Presse entnehmen - so wurde von den Verantwortlichen signalisiert, dass mindestens eine Realschule erhalten bleibt. Inzwischen melden sich auch Lehrer, der Gesamtelternbeirat und andere zu Wort, damit die Schulentwicklung in Offenburg noch einmal überdacht wird.
    Kommenden Montag tagt der Schulausschuss um 18:00 Uhr öffentlich im Technischen Rathaus und wir dürfen sehr gespannt sein, wie die Dinge stehen.

    Ihnen allen noch einmal ein herzliches Dankeschön - wir melden uns wieder wenn wir Rückmeldung von Herrn Stoch haben.

Pro

Für Kinder, die Leistungssport (insbes. Hochleistungssport) treiben, ist die verbindliche Ganztagsschule ein großes Hindernis. Selbst für eine freie AG oder IL-Stunde (Hausaufgaben) wird das Kind nicht für die Teilnahme am Sporttraining befreit. Die Schule ist meist bis 16 Uhr verpflichtend, egal ob dort nur gespielt wird. Zusammenfassend: Leistungssport und Ganztagsschule sind leider nicht miteinander kompatibel. Training für Leistungssport beginnt fast immer vor 16:30 Uhr. Also keine Chance!

Contra

Auf das Konzept der Ganztagsschule habe ich die ganze Zeit gewartet und mich gefreut. Jawohl jetzt ist Deutschland endlich soweit zu begreifen das unsere Kinder mehr Zeit in der Schule verbringen sollten. Begründung: Mehr Zeit zum Lernen, Sport - und AG Angebote, Zeit mit Freunden. Zusammen Lernen, Sozialkompetenz, Miteinander. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, andere Länder wie Österreich, Frankreich, Skandinavische Länder führen uns dies schon seit Jahren vor, dass dieses Konzept wunderbar funktioniert. Ein Schulwechsel mit der 5. Klasse ist dann endlich vom Tisch.