Appell: Kein Gedenken mit der AfD

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Öffentlichkeit

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  1. Gestartet 2017
  2. Sammlung beendet
  3. Eingereicht
  4. Dialog
  5. Beendet

Petition richtet sich an: Öffentlichkeit

2017 ist die Alternative für Deutschland (AfD) erstmals in den Deutschen Bundestag gezogen. Wir als in der Jugendarbeit des Volksbundes Aktive wollen den Volkstrauertag 2017 mit dem beruhigenden Wissen begehen, dass unsere Erinnerungskultur nicht geprägt ist von völkischen, nationalistischen, revisionistischen und antisemitischen Elementen, wie sie die AfD propagiert. Wir möchten ein Statement setzen, dass die erinnerungspolitischen Verirrungen der AfD im Volksbund und in der deutschen Erinnerungskultur keinen Nährboden finden. Am Volkstrauertag gedenken wir allen Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft, wir rufen uns unsere historische Verantwortung ins Bewusstsein und setzen uns für ein friedliches, freiheitliches, pluralistisches und demokratisches Miteinander ein.

Begründung

Während die AfD in ihrem Wahlprogramm vage fordert, „die aktuelle Verengung der deutschen Erinnerungskultur auf die Zeit des Nationalsozialismus […] aufzubrechen“, offenbart die Partei in Wort und Tat das Ausmaß des geforderten „Ausbruchs“:

  • Ausklammerung ziviler Opfer: So gedenkt zum Beispiel die AfD Mecklenburg-Vorpommern auf ihrem Parteitag in Gägelow am Volkstrauertag 2016 ausschließlich der toten Soldaten.

  • Ausklammerung nichtdeutscher Kriegstote: „Unsere Trauer am Volkstrauertag auf alle Opfer von Gewalt in dieser Welt „zu verteilen” [...] brauchen wir [...] nicht zu akzeptieren”, schreibt die AfD Münster 2016. In der Tat gedenkt zum Beispiel der AfD Kreisverband Plön am Volkstrauertag 2016 auf einer Gedenkveranstaltung unter dem Motto „Ein Licht für Deutschland” ausschließlich „der deutschen Opfer”.

Wir dagegen nehmen Anteil am Leid aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaften. Wir fordern ein offenes, inklusives Gedenken, das nicht Soldaten oder Angehörigen bestimmter Staaten vorbehalten ist. Wir lehnen eine nationalistische Erinnerungskultur ab und fordern ein europäisches Gedenken, das das Leid aller Völker in den Blick nimmt und keine Opfer gegeneinander ausspielt.

  • Heroisierendes Gedenken: Anlässlich des Volkstrauertags 2016 kritisiert die AfD Münster, dass den gestorbenen Soldaten nicht mehr „Treue durch ehrendes Gedenken” erwiesen wird. Sie kritisiert diese „Umfunktionierung des Volkstrauertags” und die damit einhergehende „Ausblendung ehrender Erinnerung an ganze Generationen”.

Seitdem der Volksbund den Pfad der unter dem Nationalsozialismus aus eigenem Antrieb gewählten Gleichschaltung verlassen hat, distanziert er sich von heroisierender Ehrung der Wehrmachtssoldaten. Wir sehen, dass allein die Funktion des Soldaten unweigerlich eine mindestens potentielle Täterschaft impliziert und sehr viele Wehrmachtssoldaten sich dieser während des zweiten Weltkriegs tatsächlich schuldig gemacht haben, nicht nur durch bloße Kriegshandlungen, sondern auch durch schwere Kriegsverbrechen, die von deutschen Soldaten ausgegangen sind. Wir lehnen es ab, dem Tod der Soldaten posthum Sinn zu verleihen, indem suggeriert wird, sie wären „für ihr Vaterland” gestorben. Der zweite Weltkrieg ist ein Ausdruck sinnloser und verheerender Gewalt, die weder damals, noch heute legitimiert werden kann.

  • Zurückweisung der Schuldfrage und Verharmlosung der deutschen Kriegsschuld: Leif-Erik Holm (heute Bundestagsabgeordneter der AfD) sagt vor dem Gedenken am Volkstrauertag 2016: „Das sind wir den Soldaten schuldig, die für ihr Land ins Feld ziehen mussten. Ob diese Kriege nun richtig waren oder nicht.” Alexander Gauland (heute ebenfalls Bundestagsabgeordneter der AfD) fordert am 2. September 2017 gar „das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.”

  • Zurückweisung einer prominenten Rolle der Shoah in der deutschen Erinnerungskultur und Antisemitismus: Die AfD ist eine Partei, die antisemitischen Einstellungen eine Plattform bietet. Weder als Missverständnis getarnte hetzerische Äußerungen (Björn Höcke, Thüringer Landtagsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende der AfD: das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin als „Denkmal der Schande”) noch offener Antisemitismus (Wilhelm von Gottberg, Bundestagsabgeordneter der AfD: die Shoah als „Mythos” und als „wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen und ihrer Geschichte”) werden mit einem Ausschluss aus der Partei geahndet.

  • Forderung nach einem „Schlussstrich”: Jens Maier, AfD-Bundestagsabgeordneter und Richter am Landgericht Dresden, erklärt im Januar 2017 „diesen Schuldkult für beendet“ und bezeichnet die NPD im Übrigen als „die einzige Partei, die immer geschlossen zu Deutschland gestanden hat“. Alexander Gauland pflichtet ihm im September 2017 bei: „Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr”.

Das Erinnern an Soldaten, die im zweiten Weltkrieg auf deutscher Seite gekämpft haben, ist niemals loszulösen von der Erkenntnis, dass der zweite Weltkrieg ein Angriffskrieg war und damit jede deutsche Kriegshandlung Unrecht. Dass viele Menschen im Bewusstsein gekämpft haben, ihre Pflicht zu erfüllen, ändert nichts daran, wenngleich es pauschale Urteile über individuelle Schuld erschwert. Wir erinnern nicht an militärische „Leistungen”, sondern an die Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft. Besonders im Bewusstsein der historischen Verantwortung Deutschlands sehen wir es als unsere Aufgabe, allen Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. Dazu gehört auch jedes einzelne Schicksal der zahlreichen Juden, die während des deutschen Völkermords brutal ihren Tod fanden. Erst mit dem Begreifen dieser historischen Verantwortung kann eine Verantwortung für unsere Zukunft entstehen und unser Gedenken eine Mahnung für Frieden und Verständigung sein.

Angaben zur Petition

Petition gestartet: 31.10.2017
Sammlung endet: 27.11.2017
Region: Deutschland
Kategorie: Soziales

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