Region: Hesse
Education

Keine Abiturprüfungen unter Corona-Bedingungen

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Kultusministerium
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  1. Launched 10/04/2021
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Ich fordere, als selbst betroffene Schülerin, ein Aussetzten der Abiturprüfungen für 2021. In den Halbjahren Q1-Q4 konnte man insgesamt maximal 600 Punkte in den individuell ausgewählten, Abiturrelevanten Fächern erreichen. Und genau darauf soll dann dieser Schnitt auch angepasst werden. 

Am 21. April starten in Hessen die schriftlichen Abiturprüfungen. 

Doch wie soll das funktionieren? Mitten in der dritten Welle, diesmal mit der hochansteckenden B 1.1.7 Variante aus Großbritannien? Mit Masken und Lüften? Nach über einem Jahr unregelmäßigem Schulunterricht, teilweise nur seltenem Präsenzunterricht? 

Die meisten Schüler*innen sind in dem letzten Jahr über sich hinaus gewachsen, haben ein gewisses Zeitmanagement gelernt und sich in vielen Fächern einen Großteil des Unterrichtinhaltes selbst beigebracht. 

Und nun? Nun stehen die Prüfungen an und nicht nur ich habe das Gefühl, dass das hohe Engagement der Schüler*innen in der letzten Zeit mit Füßen getreten wird. 

Aus Angst, dass wir einen Stempel „Corona-Notabitur“ aufgedrückt bekommen würden, sollen wir laut Herrn Lorz, dem hessischen Kultusminister, die Prüfungen schreiben. (1)

Doch was bringen mir Prüfungen, in denen Inhalte abgefragt werden, die aufgrund der aktuellen Umstände nicht oder nur oberflächlich von den Lehrer*innen vermittelt werden konnten? 

Wenn ich mir ganze Themenblöcke selber beibringen muss, damit ich überhaupt eine Chance auf das Bestehen der Prüfung habe, ist das m. E. n. nicht mehr Sinn der Abitur-Prüfungen.

Was bringt mir ein Abitur mit Prüfungen, wenn dafür mein Schnitt weitaus weniger gut ist, als er hätte sein können und ich damit nicht den NC für mein Wunsch-Studiengang erreiche? 

Aber Hauptsache, ich habe kein Notabitur, oder was? 

Wohlbemerkt und ohne, dass ich Herrn Lorz hier irgendetwas unterstellen möchte, aber mit einem Alter von 55 Jahren wird sein Abitur vermutlich schon ca. 35 Jahre her sein. Und die meisten älteren Menschen wissen, dass Erinnerungen sich mit der Zeit stark verändern können. (Nur so kann ich mir, die teilweise sehr abstrusen Ideen von ihm und anderen Politiker*innen in dieser Altersgruppe in der aktuellen Schulpolitik erklären.)

Wenn ein Politiker*in im Bundestag (vor laufender Kamera, wohlbemerkt) eine Rede hält, zieht er/sie die Maske ab. 

Warum? 

Wollen sie uns ihre wunderschönen Zähne zeigen? Wollen sie, dass wir sehen können, wie mitunter die Spucketropfen fliegen? Oder ist es ihnen schlicht und einfach zu anstrengend, mehrere Minuten gegen einen Widerstand zu sprechen?

Warum dürfen die das, aber Schüler*innen müssen mit Masken, nicht nur reden, sondern bis zu fünf Stunden (!) sich voll konzentrieren und Prüfungen schreiben, die ggf. den vollständigen Verlauf des restlichen Lebens beeinflussen. 

Wo liegt der Unterschied zwischen einem Politiker, der eine Rede hält und einem Schüler, der sein mündliches Abitur vorträgt? Denn bei den Prüfungen geht es ja nicht nur um drei schriftliche Prüfungen, sondern auch um zwei mündliche Prüfungen Mitte Juni. Doch da muss ich fairer weise dazu sagen, dass man dafür jetzt noch keine Bedingungen festlegen kann. Außer der Bedingung, dass man heute nicht sagen kann, dass die mündlichen Prüfungen definitiv stattfinden werden, um uns Schüler*innen keinen Stempel aufzudrücken.

Hinzu kommen die Corona-bedingten Konzentrationsschwierigkeiten während der Prüfungen, der organisatorische Aufwand für die Schulen, um ständig wechselnde Regelungen zeitnah umsetzen zu können, und die Ansteckungsgefahr für alle Beteiligten.

Auch Sie erleben/ auch du erlebst aktuell tagtäglich die Anstrengungen, die die Masken mit sich bringen. 

Selbst bei den Einmal-Masken leidet auf Dauer die Konzentration, welche allerdings gerade während einer Prüfung so notwendig ist. 

Dazu kommen noch regelmäßige Lüftungsintervalle, die einen jedes Mal erneut aus dem Konzept holen und gleichzeitig eine gewisse Unruhe in den Raum bringen. Apropos Raum: Was glauben Sie/ was glaubst du, wie viele Schulen Räume haben, die groß genug sind, damit dort alle Schüler*innen eines Prüfungsfaches mit genug Abstand dort sitzen können? 

Unter diesen Umständen ist es eine Zumutung und kein Privileg, eine Abitur-Prüfung zu schreiben.

Das Titelbild ist von: Марьян Блан | @marjanblan on Unsplash zuletzt besucht am 09.04.2021 um 23:03 Uhr

(1) Nach Aussage der Tagesschau: Vorstoß der GEW: Abiprüfungen notfalls ausfallen lassen | tagesschau.de zuletzt besucht am 09.04.2021 um 23:15 Uhr

Reason

Bei den Abiturprüfungen 2021 herrscht eine immense Ungleichheit zwischen Schüler*innen unterschiedlicher Schulen und Landkreise. Aber auch der Bildungsstand der Familie und die finanzielle Situation, Dinge an denen die Schüler*innen in den seltensten Fällen selbst schuld sind, verringern die Leistungschancen enorm.

Unterschreiben Sie/ Unterschreibe, um allen eine möglichst faire Chance für ein Abitur geben zu können.

Das Abitur ist die Eintrittskarte in Studium, Ausbildung und Beruf. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Um hier eine Gerechtigkeit zu schaffen, wurde in den vergangenen Jahren das Zentralabitur eingeführt. Aber wo ist die Gerechtigkeit, wenn von Schule zu Schule Unterschiede herrschen, sowohl, was die Häufigkeit des Präsenzunterrichtes als auch die behandelten Themen betrifft? Wie kann man Schüler*innen vergleichbar bewerten, wenn sie aufgrund gesundheitlicher Risikofaktoren als einzige in der Klasse fast durchgehend im Distanzunterricht waren? So viel zu den einzelnen Schüler*innen untereinander. 

Aber auch jahrgangsübergreifend mit Hinblick auf diesen und die direkt nachfolgenden Jahrgänge herrscht keinerlei Gerechtigkeit zu bereits abgeschlossenen Prüfungen.

Denn im Gegensatz zum Abitur 2020, dass allgemein als „Corona-Abitur“ gesehen wird, finden bei uns nicht nur die Prüfungen unter Corona-Bedingungen statt, sondern auch die Q2, Q3 und Q4! 

Also die letzten drei Halbjahre (¾ der prüfungsrelevante Phase!) mussten zu Beginn erst sich und größtenteils ihren Lehrern TEAMS, Zoom und alle anderen Plattformen für Online-Unterricht beibringen. Und zwar über digitale Endgeräte, die vom eigenen Geld gekauft werden mussten, wenn man sich oder den Kindern nicht bis zu acht bis zehn Stunden digitale Arbeit am vergleichsweise extrem kleinen Smartphone-Bildschirm zumuten wollte. Hinzu kommen ggf. Druckerkosten und ein Zeitproblem bei Geschwisterkindern, wenn mehrere Konferenzen um acht Uhr anstanden. Nicht selten mussten dann die „Großen“ zurückstecken und doch auf das Handy ausweichen. 

Dann ein ständiges Hin und Her, Schulen auf, Schulen zu, Wechselunterricht, doch wieder nur online. Ganz nebenbei haben Büchereien geschlossen, Lerngruppen sind nicht möglich und das einfache Erarbeiten von Themen in der Gruppe ist zu einem zeit- und ressourcenaufwändigem Projekt geworden.

Also wieder die Frage: Wo herrscht da Gerechtigkeit im Bezug auf vorherige Jahrgänge?

Thank you for your support, Julia Hönig from Weiterstadt
Question to the initiator

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Not yet a PRO argument.

Masken stören bei der Konzentration? Hachje, was soll dein ein Herzchirurg sagen oder ein Kampfjetpilot? Zeigen Sie bitte Resilienz, machen Sie das Beste aus der Situation und nehmen Sie ein gutes Abitur mit.

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