Civil rights

Keine politische Strafe für Antje Hückstädt, weil sie drei Sätze aus einem Buch vorgelesen hat

Petition is directed to
Gemeindevertretung Born auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in Mecklenburg-Vorpommern
592 Supporters 80 in Born auf dem Darß
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  1. Launched November 2021
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  5. Decision

Weil sie drei Sätze aus einem Reportage-Buch vorgelesen hat, soll Antje Hückstädt von ihrer Funktion als Vorsitzende des Tourismusausschusses ihrer Gemeinde abgewählt werden.

Wir sind der Meinung, dass diese politische Bestrafung fürs Vorlesen nicht zeitgemäß ist, ein falsches Zeichen setzt und der freiheitlich-demokratischen Gesellschaft schadet.

Auch ehrenamtliche Gemeindevertreterinnen und Vorsitzende von Tourismusausschüssen müssen in Mecklenburg-Vorpommern das Recht haben, frei und ohne negative Folgen aus ihren Büchern vorzulesen.

Wir lehnen deshalb Sanktionen gegen das Lesen, Zensur, Einschüchterung, das Mundtotmachen von Bürgerinnen sowie Bürgern ab und fordern die Gemeindevertretung von Born auf, keine politischen Bestrafungen – wie von Bürgermeister Gerd Scharmberg angeregt – gegen Antje Hückstädt einzuleiten.

Reason

Zum Hintergrund:

Antje Hückstädt ist Gemeindevertreterin und Vorsitzende des Tourismusausschusses in Born auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Am 1. September 2021 hatte die Museumsleiterin und Expertin für immaterielles UNESCO-Kulturerbe als Privatperson an einer Lesung teilgenommen. Während der Veranstaltung hatte sie drei Sätze aus ihrem Exemplar des Buches „#Heimatsuche – in 80 Tagen durch Mecklenburg-Vorpommern“ vorgelesen. Auf der Gemeindevertretersitzung am 21.10.2021 kritisierte Bürgermeister Gerd Scharmberg Antje Hückstädt dafür scharf und regte Konsequenzen an. Für die nächste Sitzung des Tourismusausschusses ist nun beantragt, dass Antje Hückstädt als Vorsitzende durch die Ausschussmitglieder abgewählt wird.

Das Sachbuch „#Heimatsuche – in 80 Tagen durch Mecklenburg-Vorpommern“ des Journalisten Steffen Dobbert thematisiert in einem der 80 Kapitel ein Interview mit Gerd Scharmberg als Bürgermeister von Born. In dem Gespräch äußert sich Scharmberg zum Vorwurf der Vetternwirtschaft, da sein Sohn den der Gemeinde gehörenden Kurbetrieb leitet, zur AfD und zur Pressefreiheit. Scharmbergs Meinung nach würden in Deutschland bestimmte Themen von den Medien „wegzensiert“.

Monate nach Erscheinen des Buches im Rostocker Hinstorff-Verlag verklagte Scharmberg den Verlag vor der Pressekammer des Landgerichts Hamburg. Scharmberg behauptete nun, die von ihm selbst stammenden Informationen im Buch seien nicht wahr. Bevor es zu einer Verhandlung kam, einigte sich der Verlag mit Scharmberg auf einen Vergleich. In Büchern, die nach dem 24. April 2021 verkauft wurden oder werden, müssen demnach drei Sätze geschwärzt sein. Da Antje Hückstädt ihr Buch vor diesem Stichtag erworben hat, besitzt sie ein ungeschwärztes Exemplar, woraus sie auf der Veranstaltung vorgelesen hat.

Mehr Informationen:

Artikel der Ostseezeitung vom 17.11.21

Artikel der Schweriner Volkszeitung vom 23.02.21

Stellungnahme des Autors zur Buchschwärzung

Video und Song des Musikers Jan Tessin zum Buchstreit

Thank you for your support, Lamis Ammar from Berlin
Question to the initiator

News

  • Liebe Leserinnen und Leser der Petition, Unterstützer und Unterstützerinnen,

    592 Menschen haben diese Petition unterschrieben, das nötige Quorum wurde erreicht, und ich kann mich nicht erinnern, dass es solch eine Solidaritätsbekundung in unserer kleinen Gemeinde hier in Born auf dem Darß jemals zuvor gegeben hat: Vielen Dank dafür! Seit einigen Tagen ist die Unterschriftenliste nun geschlossen. Eine Frage möchte ich Euch/Ihnen zum Abschluss noch in vier Akten beantworten: Wie ist die Sache nun ausgegangen?

    Erster Akt – wie es begann:
    Nachdem ich am 1. September 2021 während einer öffentlichen Autoren-Lesung in Prerow drei Sätze, die in meinem Buchexemplar stehen und nicht verboten sind, aus dem Buch #Heimatsuche vorlas, wurde ich einige Wochen... further

  • Liebe Unterzeichnende,

    es gibt gute und weniger gute Neuigkeiten zur Petition. Zunächst das Ärgerliche: Am Donnerstag, 09.12.21, wurde Antje Hückstädt aus dem Betriebsausschuss abgewählt – durch eine Mehrheit, die bei Gemeindevertretersitzungen in Born oft so abstimmt, wie der Bürgermeister Gerd Scharmberg es möchte. Auch den Vorsitz des Tourismusausschusses verlor sie leider, da dieses Gremium außerplanmäßig neu gewählt wurde.

    Die öffentliche Versammlung war aus zwei Gründen bemerkenswert. Erstens nannten weder der Bürgermeister noch jene Gemeindevertreter, die für die Bestrafung wegen des Vorlesens stimmten, eine Begründung dafür, auch auf Nachfragen nicht. Zweitens durften weder die von der Abwahl betroffene Antje Hückstädt noch andere... further

  • Liebe Unterstützer*Innen der Petition,

    es gibt Neuigkeiten. Nachdem auf Bitten des Bürgermeisters Gerd Scharmberg vor zwei Wochen die Sitzung des Tourismus-Ausschusses in Born und somit auch die Abwahl von Antje Hückstädt wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde, soll der Ausschuss nun an diesem Donnerstag während einer Gemeindevertretersitzung neu gewählt werden. Und nicht nur das.

    Laut Tagesordnung des Bürgermeisters Scharmberg soll Antje Hückstädt nun nicht nur ihre Position als Vorsitzende des Tourismus-Ausschusses verlieren, sondern auch als Mitglied des Betriebsausschusses abgewählt werden. Sie soll also doppelt bestraft werden und als Gemeindevertreterin quasi mundtot gemacht werden – weil sie am 1. September 2021 drei Sätze aus einem... further

Die Überschrift des vorgetragenen Kapitels "Die königliche Hoheit von Born" wirkt wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Seit Jahren ist die Abberufung von unbotmäßigen Untertanen aus Ausschüssen Borner Praxis. Damit muss endlich Schluss sein. Ich unterstütze als Borner Gemeindevertreter die Petition in dem Wissen, dass Öffentlichkeit ein wirksames Mittel sein kann, kommunalpolitische Anständigkeit einzufordern.

No CONTRA argument yet.

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