Rückführung der Ladenöffnungszeiten auf ein vernünftiges Maß per Gesetz !

Ziel: Entlastung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, Beitrag zur Energie - Einsparung

Beschäftigte und ihre Familien sind durch die langen Öffnungszeiten vielerlei Belastungen ausgesetzt. Fraglich ist, ob sich auf Unternehmensseite nicht eine sinnlose Wettbewerbsspirale in Gang gesetzt hat, da längere Öffnungszeiten mit höheren Kosten verknüpft sind, die Kunden jedoch nur in einem bestimmten Maß konsumieren müssen und können. Fraglich ist auch, ob der postulierte Kundenwunsch nach langen Öffnungszeiten tatächlich existiert oder ob sich ganz einfach Gewohnheiten herausgebildet haben, die sich auch wieder umstellen lassen. Wohin die Reise geht, wenn wir nicht die Reißleine ziehen, zeigt das Bild aus Polen: Sonntag 8 - 20 Uhr !

Begründung

Die Ladenöffnungszeiten haben sich in den letzten Jahren sukzessive ausgedehnt. Vorbei ist die Zeit, als Läden regulär unter der Woche 18 Uhr und am Samstag 14 Uhr schlossen und man einen Donnerstag bis 20 Uhr „lang“ nannte.

Die aktuelle Situation in Leipzig sieht am Beispiel des Lebensmittelhandels so aus (von Montag bis Samstag, einzelne Filialen können abweichen) :

Aldi 8 – 20 Uhr Netto. 7 – 20 Uhr Lidl 8 – 20 Uhr, teilweise schon bis 21 Uhr Penny 7 – 22 Uhr Kaufland 7 – 22 Uhr, 2 Filialen bereits 6 – 22 Uhr, womit der gesetzliche Rahmen voll ausgeschöpft wird.

Weiterhin bietet der Handel, besonders Einkaufszentren, sogenannte Mitternachts – Shoppings und verkaufsoffene Sonntage an. Zwei der insgesamt vier zulässigen verkaufsoffenen Sonntage wurden 2013 auf Adventssonntage gelegt (Stichwort: Vorfreude). Sylvester wurde in einigen Bereichen bis 18 Uhr gearbeitet. Für Samstage wird in Werbeprospekten sogar mit zusätzlichen Angeboten geworben, also eine künstliche Nachfrage an diesem Tag erzeugt.

Service und Wettbewerb werden als Gründe für die verlängerten Öffnungszeiten angegeben.

Ich meine, dass der Service auch mit kürzeren Öffnungszeiten vielleicht sogar noch besser durch Konzentrierung des Personals zu erbringen ist. Wenn z.B. das Kassenpersonal nicht ständig zwischen Kasse und Regal hin und her hüpfen muß, weil statt in zwei Schichten am Samstag wieder in einer gearbeitet werden kann und der Kollege/die Kollegin damit zur Verfügung steht. Schon die dünne Personaldecke zeigt ja oft, daß durch die längeren Öffnungszeiten kaum mehr Gewinn generiert werden kann. Denn essen die Leute z.B. deshalb mehr ? Oder haben sie plötzlich mehr Geld ? Beleuchtungs – und Heizkosten können ebenfalls gespart werden, ein Beitrag zur Energiewende. - Wieso hat das noch niemand bemängelt ?

Der Wettbewerb würde durch kürzere Öffnungszeiten auch wieder gerechter, da kleinere Mitbewerber über eine dadurch günstigere Kostenstruktur überhaupt noch mithalten können.

Laut Statistischem Bundesamt (Zahlen von 2011) arbeiten im Einzelhandel insgesamt 3,5 Mio. Menschen, davon 1,2 Mio. Männer und 2,3 Mio. Frauen. Eine beachtliche Zahl.

Daß Eltern, insbesondere die Mütter, bei diesen Arbeitszeiten Schwierigkeiten bekommen, ändern auch viele neue Kindergartenplätze oder Teilzeit - Arbeitsverhältnisse nicht. Ohne verläßliche Unterstützung wie Großeltern oder in Notlagen einspringende Nachbarn ist da nichts zu machen. Bei aller Fürsorge vermissen die Kinder doch besonders die Mutter am Abend und liegen oft wach, bis diese nach Hause kommt. Gemeinsame Mahlzeiten der Familien entfallen fast ganz. Eltern in der Spätschicht mit schulpflichtigen Kindern stehen 6.00 Uhr auf um ihr Kind für die Schule vorzubereiten und sehen es abends 22.00 Uhr - hoffentlich schlafend - wieder. Soviel zur vielgepriesenen Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Öffentliche Verkehrsmittel nutzt man – so überhaupt was fährt – um diese Zeit auch nicht mehr gern, was zu einer Mehrnutzung des privaten PKWs führt. Kein Beitrag für eine saubere Umwelt.

Ein freier Samstag ist mitunter schon die Ausnahme: Vier bis fünf Samstage hintereinander zu arbeiten war auf meiner letzten Stelle in einem Einkaufscenter die Regel. In den anderen Geschäften sah`s kaum anders aus.

Auch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben schränkt sich ein. - Alles, was eine regelmäßige Teilnahme erfordert, kann man von vornherein abschreiben.

Kultur: Abonnements für Konzert oder Theater wurden von den Kolleginnen gekündigt.

Bildung: Die Teilnahme an einem Volkshochschulkurs (z.B. 10 x donnerstags 20 Uhr) ist von vornherein unmöglich.

Sport: Freizeitsportler im Verein können nur unregelmäßig am Training und an Wettkämpfen teilnehmen.

Natürlich gibt es Alternativen, nur sind die eher allein auszuführen.

Über gesundheitliche Auswirkungen des Ganzen kann ich nur spekulieren, schließe aber aufgrund meiner Beobachtungen z.B. eine erhöhte Infektanfälligkeit nicht aus. Darüber können sich die Krankenkassen Gedanken machen.

Als Vorschlag bringe ich ein:

Montag bis Freitag 8.00 – 18.30 Uhr Samstag 8.00 – 16.00 Uhr

Heiligabend/ Sylvester 8.00 – 14.00 Uhr

Keine verkaufsoffenen Sonntage, weg mit dem Mitternachtsshopping. Ausnahmen nur begrenzt, wie z.B. für Bäckereien.

Das ging früher und das geht auch wieder !

Eine gesetzliche Fixierung ist unerläßlich, da in diesem Fall das Angebot die Nachfrage erst erschaffen hat !

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Anja Wergau aus Leipzig
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    Ehrlich gesagt habe ich bei der hohen Zahl der im Einzelhandel Tätigen mit einer deutlich stärkeren Resonanz gerechnet. Wenn ich mein Anliegen Beschäftigten vor Ort vorgetragen habe, stieß ich sogar auf abwehrende Reaktionen, die damit begründetet wurden, dass man sich aus Angst um den Arbeitsplatz keinen Ärger zuziehen wolle. Grundsätzlich verständlich, wird das auf Dauer niemandem helfen.
    Vielleicht muss der Druck noch größer werden um sich ernsthaft mit den Folgen ausufernder Flexibilität auseinanderzusetzen. Ich bin gespannt !
    Einen schönen - noch freien - Sonntagabend wünscht Anja Wergau

Pro

Noch kein PRO Argument.

Contra

Soll einer tolerieren dass die nicht arbeiten wollen, ts, ts. Der Umsatz bleibt der gleiche, nur sind die Portionen größer, wenn man sich einen Tag Einkaufsfrei nimmt. Unter dem Strich fällt exakt jede Halbtagsstelle weg, die von 18-22 Uhr geht.