Petition richtet sich an:
Bildungsministerium, Institutionen der Lehrer:innenbildung, Ministerium öffentlicher Dienst, Länder
Das österreichische Bildungssystem steckt in einer Krise: Während motivierte Lehramtsstudierende in einem langen, praxisfernen Studium feststecken, wirbt die Bildungspolitik um Quereinsteiger:innen. Wir fordern nachhaltige Lösungen und Respekt für Lehrer:innen und Studierende!
Nicht nur kürzer, sondern besser! Wir begrüßen eine Verkürzung des Lehramtsstudiums und einen stärkeren Einbezug der Induktionsphase in den Master. Was es viel dringender braucht, ist eine Umgestaltung des Studiums an sich! Die aktuelle Ausbildung ist skandalös schlecht - neben zu vielen fachwissenschaftlichen Kursen sind die wenigen oder wenig brauchbaren didaktischen Teile des Studiums das eigentliche Problem. Konkret: Wissen über Linguistik und Mediävistik aber keine Schularbeit korrigieren können. Gute Ausbildung ist Burnout-Prävention!
Ein verlorenes Jahr? Nein Danke! "Studierende haben das Wissen und die Erfahrung aus den Lehrveranstaltungen für ihr Leben mitgenommen", sagt Minister Polaschek in einem STANDARD-Interview vom 25.01.2024. Eine Anrechnung des vierten Studienjahres (also 60 ECTS Mehraufwand!) als Dienstjahr wäre das Mindeste an Anerkennung! Das ist eine Sache des Respekts!
Quereinsteiger:innen ja, aber Respekt für Lehrer:innen! Personen mit wertvollen Erfahrungen außerhalb des Schulsystems sind eine Bereicherung. Wenn allerdings ein BWL-Studium zum Matheunterricht qualifiziert, ist dies eine Respektlosigkeit allen Studierenden gegenüber, welche sich durch ein schwieriges, praxisfernes Lehramtsstudium gequält haben - oder trotz der Motivation Schulmathematik zu vermitteln, an schwierigster Universitätsmathematik gescheitert sind.
6 Jahre Studium für fachfremden Unterricht? Die Länge des Studiums wurde mit "Professionalisierung" argumentiert, wenn dann aber reihenweise fachfremd unterrichtet wird, ist das Gegenteil der Fall! Außerdem leiden darunter primär die Mittelschulen - die Kluft zu den Gymnasien wächst! Statt eines Deutschlehrers ein Spanischlehrer? Statt einer Mathelehrerin eine HTL-Absolventin? Wofür dann das lange Studium?!
Gleitender Übergang vom Studium in die Praxis! Früher gab es das Probejahr - jetzt werden Bachelorstudierende neben dem Studium verheizt. Was es bräuchte, ist ein gleitender Übergang - auch ein "praxisnahes" Masterstudium bleibt eine erhebliche Doppelbelastung!
Weitere Forderungen zum Studium:
- Von Theoretikern für die Praxis lernen? Es sollte nicht sein, dass Didaktik von Personen vermittelt wird, welche selbst Schule nur aus der Schüler:innenperspektive kennen.
- Die Welt außerhalb des Hörsaals? Von Schulpreisschulen nicht nur theoretisch hören, sondern vor Ort erfahren! Exkursionen könnten eine Bereicherung darstellen - und wenn es wenigstes die örtliche Praxis-MS ist!
- Mehr Flexibilität bei Erweiterungsstudien! Fachfremder Unterricht ist der Alltag; Nachqualifizierung sollte auch hier im Rahmen von Lehrgängen möglich sein. Vorerfahrung muss entsprechend anerkannt werden.
- Voraussetzungsketten bremsen den Studienfortschritt. Keine Kurse im Master ohne Bachelor, obwohl es diesen zwingend braucht? Verzögerungen wegen fehlender Praktikumsplätze? Mehr Studierendenfreundlichkeit!
Begründung
Es ist fahrlässig, brandgefährlich, eine Zumutung für Studierende, zukünftige Schüler:innen, für Eltern, für Steuerzahler:innen und peinlich für den Staat Österreich. Den Lehrermangel mit Quereinsteiger:innen zu bremsen ist ein Weg, das Studium zu verkürzen ein anderer.
Beides ist kurzsichtig und wird nicht verhindern, dass unser Bildungssystem mit vollem Tempo gegen die Wand fährt, wenn nicht bereits die Ausbildung unserer zukünftigen Lehrpersonen komplett überdacht wird! Nach 6-jährigem Studium sind wir noch immer inkompetent, Schülertexte haben wir teils noch nie in der Hand gehalten, unterrichtet werden wir von Menschen, die zum Teil nie in einer Schule gestanden sind – kurz: Es ist höchste Zeit etwas zu ändern!