46 Unterschriften
Sammlung beendet
Petition richtet sich an: Stadtrat
Im Sinne der angestrebten Klimaneutralität der Stadt München bis 2035 und angesichts konkreter Herausforderungen im Alltag vieler Münchner Familien, insbesondere im geförderten Wohnraum, fordern wir dass:
1. Die „Münchner Wohnen“ systematisch Fahrradstellplätze nachrüstet – orientiert am tatsächlichen Bedarf der Mieter*innen.
2. Abschließbare Fahrradabstellräume in allen Wohnanlagen geschaffen oder aufgestockt werden.
3. Das Projekt ASCEND als Modellvorhaben für nachhaltige Mobilitätsinfrastruktur auch im Bereich Fahrradabstellung genutzt wird.
4. Die Fahrradabstellrichtlinien der Stadt überarbeitet und an sozial-ökologische Standards angepasst werden.
Begründung
1. Fahrradnutzung als Baustein der Energiewende und Klimaziele
Die Mobilitätswende ist ein tragender Bestandteil der städtischen Energiewende. Die Stadt München verfolgt mit Nachdruck das Ziel, die CO₂-Emissionen zu senken und den Radverkehrsanteil deutlich zu erhöhen. Laut dem Radentscheid München von 2019 und dem Klimaschutzkonzept der Stadt sollen sichere, komfortable und alltagstaugliche Bedingungen für den Radverkehr geschaffen werden. Dazu zählt untrennbar der Zugang zu geeigneter Abstellinfrastruktur – insbesondere in Wohnanlagen.
2. Fehlende Stellflächen verhindern die Nutzung des Fahrrads
Viele Bewohner*innen – darunter Familien mit kleinen Kindern, Alleinerziehende oder ältere Menschen – verfügen über keinen sicheren und zugänglichen Ort zur Aufbewahrung ihrer Fahrräder. Fahrräder werden in Hausfluren oder auf engem Raum in Wohnungen abgestellt – eine Situation, die sowohl gegen Brandschutzauflagen verstoßen als auch die Nutzung des Fahrrads im Alltag einschränken kann.
3. Platzbedarf realistisch berechnen – Bedarf statt Mindestmaß
Eine realitätsnahe Planung muss die Anzahl der Haushaltsmitglieder und deren tatsächliche Mobilitätsbedarfe einbeziehen. Eine vierköpfige Familie benötigt in der Regel mindestens vier Fahrradstellplätze – ggf. zusätzlich Platz für Lastenräder, Kinderanhänger oder Pedelecs. Die derzeitigen Mindeststandards reichen in vielen Anlagen nicht aus, um diese Anforderungen zu decken. Eine aktualisierte Berechnung der notwendigen Stellflächen pro Wohneinheit sollte angestrebt werden – idealerweise orientiert an den Empfehlungen des ADFC und den Zielen der Radverkehrsstrategie der Stadt.
4. Projekt ASCEND Harthof – nachhaltige Stadtentwicklung erlebbar machen
Gerade im Rahmen innovativer Pilotprojekte wie ASCEND im Stadtteil Harthof, das ausdrücklich klimaneutrale Stadtquartiersentwicklung zum Ziel hat, muss Infrastruktur wie die Fahrradabstellung integraler Bestandteil sein. Ohne funktionierende Alltagsmobilität wird das Projektziel – die Förderung von Lebensqualität und Nachhaltigkeit – untergraben. Die dort entwickelten Konzepte sollten auch auf andere „Münchner Wohnen“-Standorte übertragbar sein.
5. Anreiz zur Fahrradnutzung nur mit sicherer Abstellmöglichkeit wirksam
Viele Menschen würden gerne häufiger das Fahrrad nutzen – doch ohne sichere Abstellplätze werden hochwertige Fahrräder aus Angst vor Diebstahl und Vandalismus nicht angeschafft oder genutzt. Gerade in sozial durchmischten Quartieren kann die Förderung des Radverkehrs zu sozialer Teilhabe, Gesundheit und Mobilität beitragen – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
6. Versicherungstechnische Anforderungen: Warum geschlossene Fahrradstellräume notwendig sind
Laut den Bedingungen vieler Hausratversicherungen (z. B. ADAC, HUK, Allianz, Ammerländer, etc.) gelten folgende Voraussetzungen für den Diebstahlschutz:
• Fahrräder müssen in abgeschlossenen, verschließbaren Räumen (z. B. Fahrradkeller, Sammelgarage) abgestellt werden.
• Der Raum muss von außen nicht einsehbar und nur für Berechtigte zugänglich sein.
• In der Nachtzeit (22–6 Uhr) ist der Versicherungsschutz im Freien meist nur dann gegeben, wenn das Fahrrad in Gebrauch ist oder eine zusätzliche Nacht-Diebstahlklausel besteht.
• Für Pedelecs, Lastenräder oder hochwertige Räder (> 1.000 €) fordern viele Versicherungen sogar eigene Radversicherungen, deren Schutz bei Abstellung im Freien regelmäßig entfällt.
Fazit: Ohne verschließbare Abstellräume riskieren Mieter*innen den Verlust ihrer Räder – und erhalten im Schadensfall mitunter keine Leistung durch ihre Versicherung. Dies ist besonders problematisch für Menschen mit geringem Einkommen, die sich kein zweites Fahrrad leisten können.
7. Weitere Argumente:
• Gleichstellung: Menschen ohne eigenes Auto benötigen Alternativen. Fahrradstellplätze sind eine Maßnahme sozialer Gerechtigkeit und Mobilitätsgerechtigkeit.
• Verkehrsberuhigung: Wer Fahrrad fährt, entlastet Parkflächen und Straßenräume.
• Gesundheitsförderung: Fahrradnutzung stärkt die körperliche Gesundheit und das Wohlbefinden – insbesondere bei Kindern.
• Wirtschaftlichkeit für die Stadt: Fahrradabstellanlagen sind kostengünstiger als Kfz-Stellplätze (Baukosten: ca. 50–250 €/Stellplatz vs. mehrere Tausend € pro Kfz-Stellplatz).