Liebe Alte Liebe,

Du sagt, Du hast verstanden. Aber hast Du das wirklich?

Du hast unsere Beziehungskrise unterschätzt – das will ich Dir zugute halten. Auch, dass Du nun versuchst zu retten, was zu retten ist.

Wir alle sind aus unterschiedlichen Gründen von Dir enttäuscht. Aber glaubst Du wirklich, Du kannst unsere Beziehung dadurch retten, dass Du uns alle über einen Kamm scherst und sagst „wenn Du nicht willst, kommen andere, und dann nehme ich eben die“? So funktionieren Liebe und Leidenschaft leider nicht. Nicht im Bett und nicht auf dem Platz.

Du hattest einen Verein, eine Stadt, und eine Leidenschaft. Sie zeigten sich in bedingungsloser Unterstützung auf den Rängen in Hannover, in den Stadien der Liga und in Europa, in Fanfesten mit respektvollem Miteinander und gesellschafts-übergreifender Begeisterung, in Flaggen vor dem Rathaus und am Maschsee an Spieltagen. Du trugst ein Lächeln auf der Brust, mit dem Du alle um Dich herum verzaubert hast.

Was hast Du nun? Nicht nur das Lächeln ist vergangen – auch Respekt und das Verständnis füreinander sind verloren, die Beziehung ist zerbrochen und nun stehst Du mit leeren Händen da und mußt die Erfahrung machen, dass alles ohne Liebe und Emotion nichts wert ist. So stehst Du mit Liebeskummer beleidigt im Regen und wartest auf die nächste Beziehung. Denn uns gibt’s ja wie Sand am Meer.

Ich fürchte, Du wirst lange warten müssen. Sowas wie uns gibt es nämlich nicht an jeder Straßenecke. Jemanden, der Deine Macken, Ecken und Kanten kennt, der bereit ist, für Dich durch's Feuer zu gehen, mit Dir nach Bielefeld oder Großaspach, sogar nach Braunschweig zu fahren, der auch dann zu Dir steht, wenn es gerade mal nicht gut läuft.

Oder Du springst über Deinen Schatten, und gehst einen Schritt auf uns zu. Wir geben es nicht gerne zu, aber eigentlich warten wir nur darauf.

In den 70ern hieß es in DER Love Story „love means never having to say you're sorry“. Mag sein, dass Du das noch im Hinterkopf hast. Aber das ist nur ein Film und auch da war am Ende eine(r) tot. Im richtigen Leben wirkt ein „sorry“ Wunder. Probier's mal aus. Bevor die Liebe endgültig stirbt und nur noch Gleichgültigkeit herrscht.

Deine alte Liebe

Dorothea Rosilius

Begründung

Der offene Brief der Klubführung von Hannover 96 - der im Übrigen nicht einmal unterschrieben ist - ist so, wie man leider allzuviele Mitteilungen aus dem beruflichen Alltag kennt – schönrednerisches Marketinggeschwurbel mit gefühlt 1896 wohlgesetzten Worten und einer äußerst limitierten Nettobotschaft.

Einer Nettobotschaft, die von den Lesern sehr deutlich so verstanden wird, dass der Verein erwartet, die bisher aktiven Fans im Stadion durch neue Gruppierungen zu ersetzen. Ein Schlag ins Gesicht für alle, die dem Verein seit Jahren die Treue halten.

Der offene Brief der Klubführung vom 05.03.2015 ist rational. Fußball aber ist Emotion. Mein offener Brief als Antwort an die Klubführung ist emotional, ein enttäuschter Liebesbrief. Ich wünsche mir viele Unterzeichnungen von Fußballfans (nicht nur von Hannover 96), die wie ich denken. Vielleicht können wir damit unserer Alten Liebe das Herz zurückgeben.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung

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Neuigkeiten

  • Kaffee mit Kind

    Neulich hatte ich Euch mitgeteilt, dass Martin Kind auf meinen/unseren offenen Brief geantwortet und einen „persönlichen Gedankenaustausch“ angeboten hatte. Dieser Termin fand am Freitag. 8.5. statt. Mein Mann und einer unserer Fußballfreunde haben mich begleitet, von Seiten unserer Alten Liebe waren neben Martin Kind auch die beiden Fanbeauftragten und Stadionchef Thorsten Meier mit dabei – also eine ziemlich große Runde.

    Wir hatten vorher darüber spekuliert, wie lange so ein Gespräch wohl dauern würde – zumal ja zumindest in der Sache Brief schon so ziemlich alles gesagt schien und Fans und Club wieder aufeinander zugehen. Alles ab einer halben Stunde schien uns angemessen. Es sollte deutlich mehr werden.

    Auf das eigentliche Thema des Briefes sind wir dabei nur relativ kurz eingegangen. Der Kernsatz, über den wir beim Lesen alle gestolpert sind, war ja, dass MK den rein emotionalen Standpunkt bisher in dieser Form noch nicht wahrgenommen hatte. Ich habe deshalb als erstes gefragt, WAS er denn bisher wahrgenommen habe. Die Antwort war etwas weitschweifig und eigentlich keine Antwort auf meine Frage, und ich ärgere mich ein bißchen, dass ich nicht stärker nachgehakt habe – aber da waren wir noch in der Aufwärmphase, hatten die Visiere noch heruntergeklappt und gingen sehr vorsichtig miteinander um.

    Bedeutend für mich war allerdings die Aussage, dass die Fans auf der West- und Südkurve genauso wichtig genommen werden wie die aktiven Fans in der Nordkurve. Auch mit ihnen würde der Dialog gesucht und geführt – es sei allerdings aufgrund der Diversität schwierig, dort Ansprechpartner zu finden (schon klar – wenn ich mich nicht so über den offenen Brief geärgert hätte, wäre es ja auch zu diesem Termin nicht gekommen). MK hat sehr offen eingestanden, dass der offene Brief, was das angeht, unglücklich formuliert war und nicht das ausgedrückt hat, was er sagen sollte.

    Im weiteren Verlauf des Nachmittags haben wir ein, wie ich finde, sehr offenes, auch kontroverses, aber immer faires Gespräch geführt und so ziemlich alle Punkte angerissen, die in der letzten Zeit für Diskussionen gesorgt haben – den Dialog mit der aktiven Fanszene, die Menschen auf der West und auf der Süd, Marken und Emotionen, die Herausforderung, anders als der Trainer als Präsident ein Spiel emotionslos verfolgen zu müssen, aber auch die betriebswirtschaftlichen Veränderungen im Fußball. Dieses Thema haben wir ausführlicher besprochen und unsere Befürchtungen nach dem Verkauf der letzten Anteile durch den Verein anhand von Beispielen wie Anshi Machatschkala und den Hannover Scorpions verdeutlicht. Dazu kann es – so MK – nicht kommen; die Verträge seien so gestrickt, dass ein Investor keine Gewinne aus dem Verkauf von Anteilen ziehen könne, dazu gäbe es klar geregelte Vorkaufsrechte und auf dem Kapitalmarkt kämen die Anteile ohnehin nicht. Dazu soll demnächst auf der Website von 96 noch näher eingegangen werden.

    MK sieht ziemlich klar, dass für die Wahrnehmung der Bundesliga in Europa ein Verein wie Bayern München wichtig – und die Bundesliga erst ab Platz 2 spannend ist. Selbst Vereine wie Dortmund könnten nur als „Momentaufnahme“ mithalten. Diese Zweiklassengesellschaft haben wir lange diskutiert. Nach Meinung von MK sei in Sachen „Financial Fair Play“ die DFL mehr gefordert – dort würde alles rund um die Stadien und das Spiel reguliert, aber in diesem Punkt wünschte er sich von der DFL mehr Visionen und Gestaltung.

    Ein bißchen haben wir von Europa geträumt. Thorsten Meier überraschte uns mit der Information, dass Hannover und Hannover 96 bei der UEFA als leuchtendes Beispiel dafür dargestellt werden, wie es gehen kann, wenn ein Club die EuroLeague „annimmt“. Ich gebe zu, das ging runter wie Öl.
    Natürlich haben wir auch über die sportliche Seite gesprochen – denn meine These ist ja, dass Stimmung von „stimmen“ kommt – und was passiert, wenn nicht alles stimmt....das sehen wir ja gerade. Nachwuchsarbeit, Transfers, Trainings und Scouting gehörten zu den Themen, die angesprochen wurden. Auf unsere Fragen bzw. Theorien wurde überraschend klar und aufrichtig eingegangen. Etliches deckt sich dabei mit dem, was auch wir als Fans wahrnehmen.

    Unser Gespräch dauerte fast 1,5 Stunden – deutlich länger als wir erwartet hatten. Zum Abschied überreichten wir ein Exemplar unseres Erinnerungsbuchszur EuroLeague-Saison 2012/2013 und ich glaube, die Freude darüber war echt und keine gespielte Höflichkeit. Der Boss begleitete uns persönlich bis zur Tür, jeder wurde mit Handschlag und „bis morgen“ verabschiedet – auch wenn wir uns gar nicht sehen würden.

  • Kaffee mit Kind

    am 11.05.2015

    Am 8.5. fand das von Martin Kind angebotene Treffen zum „persönlichen Gedankenaustausch“ statt. Mein Mann Guntram und einer unserer Freunde haben mich begleitet, die beiden Fanbeauftragten und Stadionchef Meier saßen neben MK für H96 mit am Tisch.

    Über 1,5 Stunden haben wir ein, wie ich finde, sehr offenes, auch kontroverses, aber immer faires Gespräch geführt und so ziemlich alle Punkte angerissen, die in der letzten Zeit für Diskussionen gesorgt haben – den Dialog mit der aktiven Fanszene, die Menschen auf der West und auf der Süd, Marken und Emotionen, die Herausforderung, anders als der Trainer als Präsident ein Spiel emotionslos verfolgen zu müssen, aber auch die betriebswirtschaftlichen Veränderungen im Fußball.

    (gekürzt, vollständiger Text hier:
    forum.hannover96.de/viewtopic.php?f=4&p=4910669#p4910669)

  • Am 21. März 2015 haben wir die Petition im Anschluss an das Spiel Hannover 96 gegen den BVB dem Fanbeauftragten Johannes Seidel übergeben, der mir zugesagt hat, die Unterlagen bei nächster Gelegenheit Martin Kind weiterzugeben. Leider kamen die Osterfeiertage dazwischen, so dass es bis zum 8.4. dauerte, bis unsere Petition ihren Adressaten erreichte.

    Die Antwort darauf war bereits gestern in meinem Briefkasten.
    Ehrlich gesagt, ich bin positiv überrascht. Der Brief ist kurz und prägnant und verzichtet auf die üblichen Phrasen. Von einer besonderen Beziehung zu Hannover 96 ist da die Rede ("Beeindruckend"), und davon, dass er das in dieser Form noch nicht wahrgenommen hat.
    Der Brief schließt mit dem Angebot, nach Terminvereinbarung zu einem persönlichen Gedankenaustausch zur Verfügung zu stehen.
    Hut ab - diese Reaktion ist deutlich besser. als ich nach der Lektüre des ersten "offenen Briefs" der Klubführung erwartet habe.

    Das Angebot zum persönlichen Gespräch möchte ich wohl gerne wahrnehmen - mal sehen, ob und wie sich das realisieren läßt.

    Beste Grüße an alle Unterzeichner und Danke für die Unterstützer.

    Dorothea Rosilius

Pro

Diese Petition ist wichtig weil Hannover 96 als Verein verblaßt ist. Es gibt keinen Präsidenten der die Belange des Clubs verantwortungsvoll vertritt und schützt. Und es gibt keinen Präsidenten, der sich für Integration aller einsetzt. Stattdessen betreibt er Spaltung, Vernichtung und Ausgrenzung.

Contra

Das ist dem Chef und seinen Erfüllungsgehilfen doch völlig scheißegal. Es wird genug dankbare Kunden geben, die sich für Fans halten, die MKs Weg gegen diese "Fans" völlig OK finden. Vielleicht nicht hier, aber spätestens im Stadion solange der Club erstklassig spielt.