153 Unterschriften
Petition richtet sich an: Die Bildungs- und Kultusminister der 16 Bundesländer sowie das Präsidium der Kultusministerkonferenz (KMK)
Zahlreiche Hochschullehrende weisen seit Jahren darauf hin, dass Studienanfängerinnen und Studienanfängern zunehmend mathematische Grundlagen fehlen. Auch viele Lehrkräfte berichten regelmäßig von dieser Entwicklung. Wir möchten diese Diskussion aus der Schülerperspektive ergänzen, denn wir erleben den Unterricht täglich.
Deshalb fordern wir:
- eine stärkere Förderung mathematischer Grundlagen und Rechenfertigkeiten,
- mehr Beweise, Herleitungen und strukturelles Denken im gymnasialen Unterricht,
- eine klare Differenzierung zwischen grundlegenden und vertieften Leistungsniveaus,
- eine engere Zusammenarbeit zwischen Schulen, Hochschulen und Fachwissenschaftlern bei der Weiterentwicklung der Lehrpläne.
Begründung
„Jetzt sind die Wissenschaften maskiert. Würden die Masken jedoch entfernt, erschienen sie in ihrer ganzen Schönheit“- schrieb der berühmte Philosoph und Mathematiker R. Descartes im Jahr 1619 in Cogitationes privatae. Mehr als 400 Jahre später erleben wir, unserer Ansicht nach, ein ähnliches Problem an den deutschen Gymnasien.
Deshalb haben wir als Schüler die Initiative „95 Thesen zur Erneuerung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung an Gymnasien“ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Hochschullehrenden, Lehrkräften und weiteren Unterstützern möchten wir eine öffentliche Debatte darüber anstoßen, wie Mathematik und Naturwissenschaften an Gymnasien künftig wieder stärker auf Verständnis, Struktur und fachliche Tiefe ausgerichtet werden können.
Eine gute mathematische und naturwissenschaftliche Bildung vermittelt Fähigkeiten, die weit über einzelne Schulfächer hinausgehen: logisches Denken, strukturiertes Problemlösen und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erkennen. Diese Fähigkeiten erleichtern nicht nur den Übergang in Studium, Ausbildung und Beruf. Sie helfen auch dabei, neue Inhalte eigenständig zu erschließen, Probleme strukturiert zu lösen und kritisch zu denken.
Wir beobachten unter anderem:
- eine zunehmende Reduktion mathematischer Inhalte,
- immer weniger Beweise, Herleitungen und logische Argumentationen,
- einen starken Fokus auf standardisierte Kompetenzraster,
- den häufigen Ersatz eigener Rechenfertigkeiten durch digitale Hilfsmittel,
- eine zunehmende Versprachlichung mathematischer und naturwissenschaftlicher Aufgaben,
- sowie ein sinkendes fachliches Anspruchsniveau in zentralen Prüfungen.
Dabei geht es uns nicht um nostalgische Vorstellungen eines „Mathematikunterrichts wie früher“. Moderne Medien und digitale Hilfsmittel haben selbstverständlich ihren Platz. Sie sollten jedoch das Denken unterstützen - nicht ersetzen.
Gerade Mathematik und die Naturwissenschaften leben von Abstraktion, Präzision und dem Verständnis grundlegender Zusammenhänge. Wer Formeln lediglich anwendet, ohne ihre Herleitung oder Bedeutung zu verstehen, erwirbt kein nachhaltiges Wissen. Verständnis schafft die Grundlage dafür, Neues eigenständig zu lernen und sicher auf bereits Bekanntem aufzubauen.
Außerdem profitieren von unserer Initiative nicht nur einzelne Schülerinnen und Schüler. Deutschland lebt von Wissenschaft, Technik und Innovation. Unsere Hochschulen, Forschungsinstitute und Unternehmen sind auf junge Menschen angewiesen, die logisch denken, Zusammenhänge verstehen und anspruchsvolle Fragestellungen eigenständig bearbeiten können. Gute Bildung ist deshalb nicht nur eine persönliche Chance, sondern auch eine wichtige Grundlage für die Zukunft unseres Landes.
Unterstützen Sie diese Petition.
Setzen Sie gemeinsam mit uns ein Zeichen für einen Mathematik- und Naturwissenschaftsunterricht, der wieder stärker auf Verständnis, logisches Denken und wissenschaftliche Tiefe setzt.
Obwohl unsere Initiative von zahlreichen Hochschullehrenden, Lehrkräften und weiteren Unterstützern begleitet wird, verstehen wir diese Petition bewusst als eine Schülerpetition. Denn letztlich sind es die Schülerinnen und Schüler selbst, die den Unterricht täglich erleben und die Folgen bildungspolitischer Entscheidungen unmittelbar tragen. Deshalb wünschen wir uns vor allem ihre Unterstützung. Die Stimme der Wissenschaft verleiht unserem Anliegen fachliches Gewicht – die Stimme der Schülerinnen und Schüler verleiht ihm demokratische Legitimation.
Link zu den „95 Thesen zur Erneuerung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung an Gymnasien“
Quellen:
- Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB): Abituraufgabenpools.
- Frenken, L., Klinger, M., Greefrath, G. und Barzel, B. (2024): Kognitives Potenzial deutscher Abituraufgaben: Eine Analyse von Analysis-Aufgaben.
- Szücs, K. (2025): Der Stellenwert des Argumentierens in Mathematik-Abiturprüfungen in Thüringen und Bayern im Wandel.
- Kultusministerkonferenz (KMK, 2012): Bildungsstandards Mathematik für die Allgemeine Hochschulreife.
- Mathematik-Kommission Übergang Schule--Hochschule (2020): Brief an KMK und IQB zum Einsatz digitaler Werkzeuge.
- Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV), Gesellschaft für Didaktik der Mathematik (GDM) und Verband zur Förderung des MINT-Unterrichts (MNU, 2017): Zur Qualität des Mathematikunterrichts.
- Jahnke, T., Klein, H. P., Kühnel, W., Sonar, T. und Spindler, M. (2014): Die Hamburger Abituraufgaben im Fach Mathematik. Entwicklung von 2005 bis 2013.
- Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV), Gesellschaft für Didaktik der Mathematik (GDM) und Verband zur Förderung des MINT-Unterrichts (MNU, 2019): Mathematik – alternativlos: Empfehlungen für einen leichteren Übergang von Schule zu Hochschule.
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Angaben zur Petition
Petition gestartet:
25.10.2026
Sammlung endet:
24.04.2027
Region:
Deutschland
Kategorie:
Bildung
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Ich unterstütze diese Petition, da ich im Bildungswesen arbeite und den Niveauverlust Jahr für Jahr erlebe, nicht nur in den Naturwissenschaften, sondern vor allem auch im Bereich der Textverstehenskompetenz.