• Von: Andreas Jansen
  • An: Landessynode der Evangelischen Kirche im ...
  • Region: Gebiet der Evangelisch...
    Kategorie: Bildung mehr
  • Status: Die Petition ist bereit zur Übergabe
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Religionsunterricht ohne kirchliche Heimat? - Verkauf des Hauses der Begegnung stoppen!

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Kirchenleitung will Haus der Begegnung/Pädagogisch Theologisches Institut in Bad Godesberg verkaufen - Religionslehrerinnen und Religionslehrer fordern Landessynode auf, dieses Vorhaben zu stoppen

Die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland hat der Landessynode einen fatalen Vorschlag gemacht: Das Haus der Begegnung in Bad Godesberg, Heimat des Pädagogisch Theologischen Instituts, soll aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben werden. Alternativen werden nicht mehr weiter in Betracht gezogen. (Kapitel V des Gesamtvorschlags Aufgabenkritik zur Synode 2014; Drucksache 4 und Materialanhang S. 70ff. unter www.ekir.de/www/ueber-uns/ls2014-drucksachen-17301.php ) Das Pädagogisch Theologische Institut (PTI) ist der kirchliche Partner des Religionsunterrichts.

Zur Vorgeschichte: Im Rahmen einer generellen Aufgabenkritik sollten Vorschläge erarbeitet werden, wie bis zum Jahr 2018 insgesamt 20 Millionen Euro, d.h. 35% der landeskirchlichen Haushaltsmittel eingespart werden können. In Bezug auf die fünf kircheneigenen Tagungshäuser (Haus der Stille in Rengsdorf, FilmFunkFernsehZentrum in Düsseldorf, Hackhauser Hof in Solingen, Haus der Begegnung in Bonn, Tagungshaus am Theologischen Zentrum in Wuppertal) kam eine vorbereitende Arbeitsgruppe zu der Erkenntnis, dass nur beim Haus der Begegnung eine realistische Einsparmöglichkeit besteht. Diese Immobilie wird sich, so die Prognose, am besten verkaufen lassen. Für PTI und Evangelische Akademie sind noch zu entwickelnde Konzepte ohne eigenes Tagungshaus vorgesehen.
Da keine weitere Erörterung geplant ist, soll die nächste Landessynode genau dies endgültig beschließen.

Wir fordern die Synodalen auf, dieses Vorhaben abzulehnen und die Kirchenleitung zu beauftragen, das Haus der Begegnung als Tagungshaus des PTI zu erhalten.

Begründung:

Die Prioritätensetzung, die zum beabsichtigten Verkauf des Hauses der Begegnung führt, halten wir als Religionslehrerinnen und Religionslehrer eindeutig für falsch. Lehren und Lernen in Schule und Gemeinde zu fördern ist keine randständige Aufgabe, sondern gehört zu den Kernaufgaben einer Kirche, die zukunftsfähig sein und bleiben möchte. Die Landeskirche hat das Haus der Begegnung 1996 für genau diese Arbeit gezielt mit den entsprechenden baulichen Ausstattungen gestaltet (Bibliothek und Mediothek, flexibel nutzbare, technisch sehr gut ausgestattete Tagungsräume, eine ruhige und zugleich anregungsreiche Lern- und Arbeitsumgebung, gut organisierter Tagungs- und Übernachtungsbetrieb). Seither ist dort sehr erfolgreiche Arbeit geleistet worden, die insbesondere für Generationen von Religionslehrkräften der rheinischen Landeskirche als Partner des Religionsunterrichts Ort und Gesicht gegeben hat. Prägnant gesagt: Wer als Religionslehrkraft im PTI/Haus der Begegnung Gast sein durfte, hat verstanden: Die kirchliche Beauftragung für den Religionsunterricht ist nicht nur eine formale Pflicht. In der rheinischen Kirche hat der Religionsunterricht, hat jede Religionslehrerin und jeder Religionslehrer einen starken Partner, der sich wirklich kümmert. Von den einführenden und vertiefenden Tagungen während des Referendariats über die Vokationstagung bis hin zu thematischen Tagungen, die die praktische Arbeit der Fachkonferenzen begleiten und unterstützen - man erlebt sich nicht mehr allein mit seinem Fach, sondern von einer starken Gemeinschaft getragen. Dass die Qualität des evangelischen Religionsunterrichts ohne diese Unterstützung Schaden nehmen würde, liegt auf der Hand. Die Unterstützung benötigt allerdings für ihre Wirksamkeit unbedingt auch weiterhin ein Gesicht, einen identifizierbaren, festen Ort der Begegnung, der für diese Aufgabe verlässlich gestaltet ist. Ein PTI als weitgehend virtuelle Einrichtung ohne entsprechendes Tagungshaus wäre nur noch eine Hülse, eine Alibieinrichtung ohne jedes Identifikationspotential - es könnte seine Aufgabe nicht mehr glaubwürdig wahrnehmen.

Im Rahmen der Sparbeschlüsse möchte die Kirchenleitung zur Absicherung zukünftiger Versorgungs- und Beihilfeansprüche die Kapitalbildung vorantreiben. Diese rein finanztechnischen Zielsetzungen wurden in der Vergangenheit als alternativlos ausgewiesen, um gravierende Um- und Rückbauprozesse zu rechtfertigen. So verständlich dieses Bestreben unter der Perspektive der Vorsorge ist - die Versorgungsproblematik ist nicht die entscheidende Zukunftsfrage der EKiR. Es ist an der Zeit, dass die Prioritäten wieder stärker inhaltlich von den Aufgaben der Kirche her bestimmt werden.

Für viele Kinder und Jugendliche ist der Religionsunterricht der einzige Ort, an dem der christliche Glaube evangelischer Prägung als Orientierung und Hilfe wahrgenommen werden kann. Er ist für einen wesentlichen Teil der nächsten Generation das Gesicht der Evangelischen Kirche im Rheinland. Sie sollte ihr Gesicht nicht aus Spargründen unkenntlich machen.

Im Namen aller Unterzeichner/innen.

Ratingen, 16.02.2014 (aktiv bis 15.05.2014)


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