Schaffung einer Vollzeitstelle „Schulsozialarbeit“ für die Ganztagsgrundschule an der Karl-Lerbs-Straße sowie allgemein Sozialarbeit an allen Bremer Schulen als Qualitätsstandard

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir – der Elternbeirat der Ganztagsgrundschule an der Karl-Lerbs-Straße – fordern die Ausstattung unserer Schule mit mindestens einer Vollzeitstelle „Schulsozialarbeiter/in“.

Unsere Schule ist eine der größten gebundenen Ganztagsgrundschulen in Bremen und mit fast 360 Schüler/innen die größte Ganztagsgrundschule in der Bremer Neustadt. Unsere Kinder verbringen hier den überwiegenden Teil ihrer Zeit und finden sich in einer zunehmend heterogenen Gemeinschaft wieder, sowohl in Bezug auf Migrationshintergrund als auch hinsichtlich Bildungsstand und sozioökonomischer Herkunft.

„Wir wollen nicht, dass der Geldbeutel, die Herkunft oder der kulturelle Hintergrund der Eltern bestimmt, wie gut oder schlecht Kinder die Schule meistern. Unser Ziel ist, dass alle Kinder in Bremen bessere Bildungschancen bekommen. Deshalb setzen wir uns für ein längeres, gemeinsames Lernen und eine Schule für Alle ein, die nicht ausgrenzt, sondern verschiedene Wege zum Ziel möglich macht.“

Wir – Eltern von Schülern und Schülerinnen der gebundenen Ganztagsgrundschule Karl-Lerbs-Straße – fordern, dass die Aussagen der Regierungsfraktion bezüglich der Bildung und Sozialisation unserer Kinder ernst genommen und umgehend umgesetzt werden.

Bereits 1993 – vor beinahe 25 Jahren – ist im 10. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung folgendes festgestellt worden:

„Schulsozialarbeit (...) ist in der Lage, Kinder frühzeitig zu fördern, zu stützen, sozial zu stabilisieren, präventiv im Sinne von Vermeidung sozialer Ausgrenzung, Minderung individueller Lebenschancen und der Verhinderung von Schulflucht und -verweigerung zu wirken sowie notwendige Maßnahmen in die Wege zu leiten.“

Einem gut begründeten Antrag der Schulleitung im Juni 2017 gemeinsam mit dem Elternbeirat zur Erweiterung des Teams durch eine/n dringend erforderliche/n Schulsozialarbeiter/in wurde bislang nicht stattgegeben, obwohl die individuelle Situation an unserer Schule durch eine anonyme schulinterne Erhebung detailliert und nachvollziehbar beschrieben wurde.

Eltern, Lehrer/innen und Schüler/innen der Ganztagsgrundschule Karl-Lerbs-Straße werden vertröstet, indem eine Schulsozialarbeiterstelle in Aussicht gestellt wird, wenn die notwendigen finanziellen Mittel „freigegeben“ seien. Ein genauer Zeitpunkt für die Schaffung der Schulsozialarbeiterstelle wird leider nicht genannt.

Aus dem Antrag ist deutlich hervorgegangen, dass ein signifikanter Anteil der Schüler/innen und ihrer Familien ein größeres Maß an Hilfe benötigen, als diese im alltäglichen Schulbetrieb zu leisten ist. Dringend wird eine Fachkraft benötigt, die in Zusammenarbeit mit beispielsweise dem Jugendamt, Kipsy oder dem Kontaktpolizisten ganzheitliche und nachhaltige pädagogische Lösungsstrategien entwickelt und umsetzt. Nur so lässt sich sicherstellen, dass es allen Kindern – unabhängig von ihrem sozioökonomischen Hintergrund – möglich ist, erfolgreich die Grundschule zu durchlaufen.

Eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht in der Grundschule sowie eine positive Bindung an die Institution Schule ist für einen weiteren positiven Bildungsverlauf unerlässlich. Die Schaffung einer Schulsozialarbeiterstelle in der Grundschule kann sich für den einzelnen langfristig positiv auswirken. Mittelbar kann sie sich positiv auf gesellschaftliche Problematiken wie Schulabbrüche, Jugendarbeitslosigkeit und die „Vererbung von Langzeitarbeitslosigkeit“ auswirken. Gerade im Grundschulalter lassen sich mittels positiver Lernerfahrungen Interesse und Neugier wecken, welche Kinder ein Leben lang begleiten können.

Auch vor dem Hintergrund der mittlerweile veröffentlichten IQB-Vergleichsstudie zu Grundschulen in Deutschland erscheint soziale Arbeit an allen Bremer Grundschulen besonders wichtig, um überhaupt erst die Grundlage zu schaffen, dass das Lehr- und Erzieherpersonal seinen Bildungsauftrag erfüllen kann.

Nicht zuletzt verstößt die Nichtberücksichtigung unserer Schule bei der Verteilung von sozialer Arbeit gegen das Bremer Schulgesetz, welches in §3 (3) unter anderem besagt, dass „die Schule (…) der Ungleichheit von Bildungschancen entgegenwirken und soziale Benachteiligungen abbauen“ soll.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Veronika Schlierf

Neuigkeiten

  • Auszug aus dem Bericht des Petitionsausschusses (Stadt) Nr. 32 vom 26. Oktober 2018

    Der Ausschuss bittet, folgende Eingabe für erledigt zu erklären, weil die
    Stadtbürgerschaft keine Möglichkeit sieht, der Eingabe zu entsprechen:

    Eingabe Nr.: S 19/297

    Gegenstand:
    Schulsozialarbeiter in der Grundschule Karl-Lerbs-Straße

    Begründung:
    Die Petentin setzt sich dafür ein, mindestens eine Vollzeitstelle für eine
    Schulsozialarbeiterin oder einen Schulsozialarbeiter an der Ganztagsgrundschule an der
    Karl-Lerbs-Straße einzurichten. Es handele sich um eine der größten gebundenen
    Ganztagsgrundschulen in Bremen. Die Kinder bildeten zunehmend eine heterogene
    Gemeinschaft, sowohl in Bezug auf Migrationshintergrund als auch hinsichtlich
    Bildungsstand und sozioökonomische Herkunft. Ein signifikanter Anteil der Schülerinnen
    und Schüler der Grundschule benötigten ein größeres Maß an Hilfe, als diese im
    alltäglichen Schulbetrieb geleistet werden könne. Deshalb werde dringend eine
    Fachkraft für Schulsozialarbeit benötigt. Nur so lasse sich sicherstellen, dass alle Kinder
    die Grundschule erfolgreich durchlaufen.
    Bei der Verteilung der knappen Ressourcen solle nicht nur die Sozialstufe, sondern auch
    die Größe und Gebundenheit der jeweiligen Schule berücksichtigt werden. Auch müsse
    Sozialarbeit als Qualitätsstandard ein Ausstattungsmerkmal von Ganztagsgrundschulen
    darstellen. Die Grundschule in der Karl-Lerbs-Straße müsse baldmöglichst bei der
    Zuteilung von Schulsozialarbeiterstellen berücksichtigt werden. Die Petition wird von
    232 Mitzeichnerinnen und Mitzeichnern unterstützt.

    Der Petitionsausschuss hat zu dem Vorbringen der Petentin Stellungnahmen der
    Senatorin für Kinder und Bildung eingeholt. Außerdem hatte die Petentin die
    Gelegenheit, ihr Anliegen im Rahmen der öffentlichen Beratung der Petition mündlich zu
    erläutern. Unter Berücksichtigung dessen stellt sich das Ergebnis der parlamentarischen
    Prüfung zusammengefasst wie folgt dar:

    Der Petitionsausschuss kann das Anliegen der Petentin sehr gut nachvollziehen.
    Schulsozialarbeit kann nicht nur die Teilhabe einzelner, sondern auch die Homogenität
    ganzer Gruppen positiv beeinflussen. Deshalb ist er davon überzeugt, dass die
    Ausstattung mit Schulsozialarbeitern an jeder Schule grundsätzlich wünschenswert und
    förderlich ist.

    Als Haushaltsnotlageland verfügt Bremen jedoch nur über begrenzte Mittel, die es für
    Schulsozialarbeit einsetzen kann. Für den Ausschuss ist nachvollziehbar, dass bei der
    Ressourcenverteilung maßgeblich auf den jeweiligen Sozialindikator und nicht daneben
    auf die Größe der Schule abgestellt wurde. Der Sozialindikator sagt wesentlich mehr
    über die Notwendigkeit von Schulsozialarbeit aus, als die Größe einer Schule.

    Die erste Verteilung in den Jahren 2011/2012 basierte ausschließlich auf den
    Sozialindizes der Schulen. Sie werden zu Gruppen zusammengefasst und zu einer
    Skala von Sozialstufen zugeordnet. Die Stufe eins weist in der Tendenz positive und die
    Stufe fünf negative soziale Bedingungen aus.

    Im Jahr 2016 reagierte der Senat auf den Eintritt vieler geflüchteter Kinder und
    Jugendlicher in das Bildungssystem und stattete die Schulen mit den höchsten
    Integrationsaufgaben im Rahmen einer zweiten Verteilung mit zusätzlichen
    Schulsozialarbeiterstellen aus. Im Rahmen des Haushaltes 2018/2019 fand eine dritte
    Verteilung statt. Insgesamt reichten die zusätzlichen Mittel für Schulsozialarbeit für elf
    weitere Vollzeitstellen. Bei der Auswahl der Schulen wurde abgestellt auf
    Veränderungen im Sozialindikator und auf die besondere Belastung durch
    Zuwanderung.

    Mittlerweile sind die kompletten Stufen fünf, vier und drei mit Schulsozialarbeitern
    ausgestattet worden. Auch Schulen der Stufe zwei, in die auch die Grundschule Karl-
    Lerbs-Straße eingestuft ist, wurden schon berücksichtigt. Allerdings weisen die
    berücksichtigten Schulen dieser Sozialstufe nach Angaben der Senatorin für Kinder und
    Bildung einen größeren Bedarf an Schulsozialarbeit aus als die Grundschule Karl-Lerbs-
    Straße, weil dort beispielsweise mehr geflüchtete Kinder zur Schule gehen.
    Perspektivisch ist geplant, alle Schulen mit Schulsozialarbeiterinnen und -sozialarbeitern
    auszustatten. Hierfür bedarf es jedoch weiterer Haushaltsmittel, die frühestens mit dem
    nächsten Doppelhaushalt zur Verfügung gestellt werden können. Vor diesem
    Hintergrund wird angeregt, die Petition den Fraktionen als Material für ihre weitere Arbeit
    zuzuleiten.

    Begründung (PDF)

Pro

Noch kein PRO Argument.

Contra

Noch kein CONTRA Argument.