Debatte
Wenn für Genderlehrstühle Geld ausgegeben wird, dann sollte auch Geld für einen Vollzeitchor- und Orchesterleiter vorhanden sein?
Noch kein CONTRA Argument.
Petition richtet sich an: Leitung der Universität Rostock: Rektorin, Kanzler
Die aktuelle Situation ist prekär.
Seit 1821 gibt es nachweislich Musikensembles an der Universität Rostock: seit mehr als 200 Jahren. Die Stelle des künstlerischen Leiters bzw. Universitäsmusikdirektors war zuletzt (bis Mitte 2023) als Vollzeitstelle (A13) in der Theologischen Fakultät angesiedelt und verband die Leitung des Universitätsorchesters und -chores mit einem Lehrdeputat. Seit Oktober 2023 werden die Aufgaben in einer reinen Interimslösung über einen externen Dienstleistungsvertrag wahrgenommen – eine provisorische, unzureichende und nicht nachhaltige Lösung, die der Bedeutung und dem Potential universitärer Musikarbeit an einer Volluniversität in keiner Weise gerecht wird.
Konzerte erfordern aus organisatorischen und künstlerischen Gründen einen langen zeitlichen Vorlauf, der für Proben, Einladung von Gastsolisten usw. erforderlich ist. Nur auf einer auf längere Dauer angelegten Stelle kann der künstlerische Leiter sach- und bedarfsgerecht planen. Die gegenwärtige „Lösung“ ist keine und ist übrigens dem künstlerischen Leiter keinesfalls länger zuzumuten.
Warum braucht die Universität Rostock eine Universitätsmusikdirektion?
Akademisches Leben. Die Universitätsmusiken leisten unverzichtbare Beiträge zum kulturellen, sozialen und akademischen Leben an Hochschulen und Universitäten. Sie bieten Studierenden, Lehrenden, Mitarbeitenden und Externen die Möglichkeit, gemeinsam künstlerische, zwischenmenschliche und auch humanistische Erfahrungen jenseits des Fachstudiums zu sammeln. Dies fördert nicht nur Teamgeist, Kreativität und interdisziplinäres Denken und Arbeiten, sondern stärkt auch den sozialen Zusammenhalt auf dem Campus.
Kultur für alle Fakultäten. Die Pflege der Kultur ist von den Geisteswissenschaften bis zu den Natur- und Ingenieurwissenschaften in allen Fachdisziplinen ein Ausweis dafür, dass die Universität mehr ist als eine Berufsschule: Das Idealbild des Akademikers ist das eines allseits gebildeten Menschen, der Kultur achtet, schätzt und versteht. Das gelingt am besten dadurch, dass ihm die Gelegenheit zur eigenen Ausübung von Kultur – hier Musik – geboten wird: im Universitätschor oder -orchester. Selbstverständlich brauchen die Ensembles eine Leitung.
Cosi fan tutte: So machen es alle. Fast jede Universität in Deutschland hat Hochschulmusik! Die Zeitschrift „Forschung und Lehre“ brachte im Heft 3/2013 eine Übersicht; es waren 75 deutsche Universitäten aufgeführt, von denen einige mehr als ein Dutzend verschiedene Ensembles haben. 22 davon sind am 2024 gegründeten Netzwerk Universitätsmusik in Deutschland beteiligt, darunter auch die Universität Rostock. Das ist ganz im Sinn der Empfehlung der Hochschulrektorenkonferenz[1], dass es in den Hochschulen „darauf ankommt, die kulturelle Dimension als Querschnittsaufgabe in Lehre, Forschung, Internationalisierung, Transfer und Betrieb zu identifizieren, aktiv auszugestalten und sichtbar zu machen“.
Öffentlichkeitswirkung. Universitätsmusik ist ein bedeutender Faktor in der öffentlichen Wahrnehmung der Hochschulen: Sie wirkt in die Stadtgesellschaft hinein und trägt maßgeblich zur Sichtbarkeit der Universität bei – und das auf regionaler, nationaler und durch Konzertreisen sogar auf internationaler Ebene. Auf diese Weise trägt sie zum Renommee der Universität bei: nicht durch für das Publikum abstrakt wirkende Forschungsberichte, sondern konkret durch emotionale Erlebnisse in Konzerten. Dies ist wertvoll in Zeiten, in denen Universitäten sich immer wieder gegen Sparbeschlüsse wehren müssen und dabei auf Wohlwollen bei und Unterstützung durch die Gesellschaft angewiesen sind.
Als Beleg dafür, dass die Veranstaltungen in der Stadtgesellschaft bekannt sind und sehr geschätzt werden, sei exemplarisch nur das Weihnachtskonzert 2025 des Chores am 7.12.2025 genannt: Trotz minimalen Werbeaufwands waren in der Universitätskirche alle Bänke sowie ca. 80 Zusatzstühle komplett besetzt, und ein paar Dutzend Zuschauer verharrten während der gesamten Veranstaltung auf Stehplätzen an den Seiten. Etwa 300 Besucher waren zugegen und haben sehr kräftig applaudiert.
Daher der Appell:
Es muss eine Lösung für die prekäre Stellensituation des jetzigen künstlerischen Leiters gefunden werden, und zwar bald, denn die gegenwärtige Interimslösung läuft in absehbarer Zeit aus. Nur bei einer auf längere Zeit bestehende Absicherung kann er seine volle künstlerisch-emotionale wie planerisch-organisatorische Kraft entfalten. Wird nicht rechtzeitig Abhilfe gefunden, steht unsere alma mater, die Universität Rostock in musikalischer Hinsicht bald blank da.
[1] Die kulturelle Dimension der Hochschulen. Empfehlung der 37. Mitgliederversammlung der HRK (14. November 2023)
Petition gestartet:
13.01.2026
Sammlung endet:
12.07.2026
Region:
Rostock
Kategorie:
Kultur
Wenn für Genderlehrstühle Geld ausgegeben wird, dann sollte auch Geld für einen Vollzeitchor- und Orchesterleiter vorhanden sein?
Noch kein CONTRA Argument.
Es sollte es geben. Wenn alle eine haben, dann wir auch. Mal unabhängig davon, welche Art Musik gespielt, gemacht usw wird, wäre es kulturell gesehen relevant, dass man auch dorthin Angebote unterbreitet und diese dem Wert, dem diese Art von Angebot zugemessen wird, entsprechend gefördert wird. Es ist daher schon ziemlich interessant zu sehen, wie eine Universität, welche selber unzählige Kulturangebote anbietet, genau an solch einem Bereich versucht zu sparen. Dies sollte unterbunden werden.
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Kultur ist wichtig