Region: Heidelberg

Windkraft Heidelberg: Erst die wissenschaftlichen Fakten, dann die Entscheidung

Petition richtet sich an
Heidelberger Bürger

177 Unterschriften

18 %
1.000 für Sammelziel

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  1. Gestartet 26.06.2026
  2. Sammlung noch > 4 Monate
  3. Einreichung
  4. Dialog mit Empfänger
  5. Entscheidung
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Petition richtet sich an: Heidelberger Bürger

Liebe HeidelbergerInnen,

die Diskussion um das geplante Windkraftprojekt am Lammerskopf in Heidelberg wird seit Monaten mit großer Leidenschaft geführt. Das ist gut und wichtig – denn es geht um die Zukunft unserer Energieversorgung, unserer Wälder und unserer Region.

Doch in der öffentlichen Debatte sowie auf Plakaten für den Bürgerentscheid am 12.Juli 2026 kursieren zahlreiche Behauptungen, die wissenschaftlich nicht haltbar sind oder den rechtlichen Rahmen falsch darstellen. Wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieses offenen Briefes, möchten daher mit nachfolgender Klarstellung zu einer sachlichen, faktenbasierten und verantwortungsvollen Diskussion beitragen. Die nachfolgend aufgeführten wissenschaftlichen Fakten, sind durch die nachstehenden Quellenangaben nachvollziehbar.

1. Natur-, Arten- und Waldschutz: Fakten statt irreführende Behauptungen
Es wird behauptet, der Lammerskopf sei vollumfänglich ein wertvolles Schutzgebiet, dessen Natur unwiederbringlich zerstört würde. Hier ist eine differenziertere Betrachtung.

  • Strenges Genehmigungsverfahren: Das Projekt durchläuft ein extrem strenges Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG). Wenn unabhängige Artenschutzgutachten Risiken für geschützte Arten feststellen, wird keine Genehmigung erteilt [1].
  • Technischer Artenschutz: Moderne Windkraftanlagen verfügen über automatische Abschaltsysteme (z. B. kamerabasierte Systeme oder Antischall/Fledermaus-Algorithmen), die Fledermäuse und Greifvögel effektiv schützen [2].
  • Zustand des Waldes: Der betroffene Wald ist kein unberührter Naturwald, sondern ein intensiv bewirtschafteter Staatswald. Viele Teilflächen sind bereits durch Trockenheit, Stürme und den Borkenkäfer geschädigt. Nur auf diesen Flächen wird Bau der Windkraftanlagen geprüft [3].
  • Gesetzlicher Ausgleich: Jeder Eingriff wird gesetzlich vollständig ausgeglichen (Bundesnaturschutzgesetz). Die Ausgleichsmaßnahmen führen zu einer ökologischen Aufwertung: Aus anfälligen Monokulturen entstehen klimaresistente Laub-Mischwälder [4].
  • Klimaschutz ist Artenschutz: Der Odenwald leidet heute schon massiv unter dem Klimawandel. Ohne erneuerbare Energien verlieren wir genau den Lebensraum, den wir schützen wollen. Ein halber Hektar Wald bindet jährlich weniger als 10 Tonnen CO₂. Eine moderne Windkraftanlage Land (Onshore) mit einer Leistung von etwa 5 Megawatt spart im gleichen Zeitraum mehr als 5000 Tonnen CO₂ ein – sie schützt den Wald also global vor der Erderwärmung [5].

2. Waldflächen: Kein großflächiger Kahlschlag
Oft wird behauptet, es würden riesige Waldflächen dauerhaft gerodet und einbetoniert. Tatsächlich gilt:

  • Dauerhaft unbewaldet bleiben pro Anlage nur 0,3 bis 0,5 Hektar, – ein Bruchteil der Gesamtfläche [6].
  • Das eigentliche Betonfundament umfasst nur rund 500 bis 700 m², was ca. dem Zehntel eines Fussballfeldes entspricht [6].
  • Die meisten Flächen werden nur temporär während der Bauphase genutzt (z. B. als Kranstellflächen) und anschließend wieder vollständig aufgeforstet.
  • Bestehende Forstwege werden gezielt genutzt , statt neue Schneisen in den Wald zu schlagen [7].

Die Vorstellung einer „flächendeckenden Betonwüste“ entspricht nicht der Realität.

3. Standort und Wirtschaftlichkeit: Der Lammerskopf ist ein Spitzenstandort
Der Lammerskopf wurde keineswegs „als ungeeignet eingestuft“, wie einige Plakate suggerieren. Die Streichung aus dem Regionalplan bedeutet lediglich, dass die betroffenen Kommunen ihre eigene Planungshoheit behalten (kommunale Konversionsplanung) [8]. Der Standort ist energetisch hoch attraktiv:

  • Windreichtum: Der Lammerskopf zählt laut dem offiziellen Windatlas Baden-Württemberg zu den windreichsten Höhenzügen der Region mit Windgeschwindigkeiten, die einen hochwirtschaftlichen Betrieb erlauben [9].
  • Ertrag: Die geplanten sieben Anlagen könnten jährlich rund 120 Millionen kWh sauberen Strom erzeugen – genug für über 20.000 Haushalte [10].
  • Damit könnte Heidelberg rund 50 % seines privaten Strombedarfs aus lokalem Windstrom decken [10].
  • Der Vergleich mit der Rheinebene ist irreführend: Dort ist die Windgeschwindigkeit deutlich geringer, die Flächen sind knapp, und gesetzliche Abstände zur dichten Bebauung sind kaum einzuhalten.

4. Bedeutung für Energieversorgung und Sicherheit
Manche behaupten, die Anlagen seien „wirtschaftlich unbedeutend“. Das Gegenteil ist der Fall:

  • Sie leisten einen massiven Beitrag zur regionalen Selbstversorgung und erhöhen den Anteil erneuerbarer Energien im Stromnetz direkt vor Ort [11].
  • Sie reduzieren die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus instabilen oder autokratischen Staaten.
  • Sie machen unsere Energieversorgung krisenfester, unabhängig von globalen Konflikten oder Lieferketten.

Regionale Windkraft ist unkündbar, preisstabil und schützt Bürgerinnen und Bürger vor geopolitischen Risiken [11].

Begründung


5. Lebensqualität und Gesundheit: Wissenschaft statt Mythen

Viele der kursierenden Fotomontagen sind bewusst verzerrt und zeigen die Anlagen in falschen Größenverhältnissen. Reale Sichtbarkeitsanalysen (z. B. mittels GIS-gestützter 3D-Visualisierungen im Genehmigungsverfahren) zeigen ein deutlich harmonischeres Bild. Windkraftanlagen sind für viele Menschen heute Symbole einer verantwortungsvollen Zukunft.

Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für die Behauptung gesundheitlicher Schäden [13].
Wissenschaftliche Langzeitstudien zeigen klar:

  • Der Infraschall von Windkraftanlagen liegt bei Einhaltung der Abstände weit unter der menschlichen Wahrnehmungsschwelle [12].
  • Ab etwa 300 Metern Entfernung ist er nicht mehr vom natürlichen Hintergrund-Infraschall (Wind, Rauschen der Bäume) unterscheidbar. Die Abstände zur Wohnbebauung am Lammerskopf sind deutlich größer. [12].

6. Regionale Wertschöpfung statt externer Profite
Das Projekt ist kein Großkonzernprojekt, sondern ein echter Bürgerwindpark:

  • Beteiligt sind u. a. die Heidelberger Energiegenossenschaft (HEG), regionale Genossenschaften und die Stadtwerke Heidelberg [14].
  • Bürgerinnen und Bürger können sich finanziell direkt beteiligen und über Bürgerenergie-Anleihen oder Dividenden profitieren.
  • Pachteinnahmen fließen an das Land (ForstBW), Gewerbesteuern direkt an die umliegenden Kommunen [15]. Die Wertschöpfung bleibt in der Region.

Unser Appell
Wir stehen für eine ehrliche, wissenschaftlich fundierte und konstruktive Debatte. Wir stehen für eine Energiewende, die die Natur schützt, die regionale Wertschöpfung stärkt und unsere Energieversorgung unabhängiger macht. Und wir stehen dafür, dass Entscheidungen auf Basis von Fakten getroffen werden – nicht auf Basis von Angst oder Desinformation.
Der Lammerskopf ist eine große Chance für unsere Region. Lassen wir sie uns nicht durch Falschinformationen nehmen.
Für eine verantwortungsvolle, zukunftsorientierte und faktenbasierte Energiepolitik.

Quellen zu Abschnitt 1:
[1] § 4 und § 6 Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) i.V.m. § 44 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) (Strenge Prüfung von Artenschutz und Umweltverträglichkeit).
[2] Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE): Fachabhandlungen zu kamerabasierten Antikollisionssystemen und fledermausfreundlichen Betriebsalgorithmen.
[3] Waldzustandsbericht Baden-Württemberg (Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz): Dokumentation der massiven Waldschäden durch Trockenheit und Borkenkäfer im Odenwald/Rhein-Neckar-Kreis.
[4] § 15 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG): Verpflichtung zur Vermeidung, Kompensation und zum Ökokonto-Ausgleich bei Waldumwandlung.
[5] Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC): Sachstandsberichte zu den drastischen Auswirkungen des Klimawandels auf mitteleuropäische Waldökosysteme.

Quellen zu Abschnitt 2:
[6] Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind): „Windenergie im Wald“, Leitfaden und statistische Erhebungen zum tatsächlichen Flächenverbrauch moderner Windkraftanlagen.
[7] Landesbetrieb ForstBW / Ministerium für Umwelt Baden-Württemberg: „Handbuch Windenergie im Wald“ (Vorgaben zur vorrangigen Nutzung vorhandener Infrastruktur).

Quellen zu Abschnitt 3:
[8] Verband Region Rhein-Neckar (VRRN): Beschlüsse zur Teilfortschreibung Windenergie und Erläuterungen zur kommunalen Planungshoheit.
[9] TÜV Süd / Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW): Windatlas Baden-Württemberg (Datenbasis für Windgeschwindigkeiten auf den Höhenzügen des Odenwalds).
[10] Projektdaten der Stadtwerke Heidelberg & Heidelberger Energiegenossenschaft (HEG): Technische Berechnungen und Ertragsprognosen für den Bürgerwindpark Lammerskopf.

Quellen zu Abschnitt 4:
[11] Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK): „Mensch, Umwelt und Natur im Fokus der Energiewende“ sowie Analysen zur Resilienz und regionalen Energiesicherheit durch dezentrale Erzeugung.

Quellen zu Abschnitt 5:
[12] Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW): „Tieffrequente Geräusche und Infraschall von Windkraftanlagen und anderen Quellen“ (Langzeitmessprojekt 2013–2015 sowie Folgestudien, die die Fehlerhaftigkeit älterer BGR-Berechnungen korrigierten).
[13] Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestages / Robert Koch-Institut (RKI): Auswertungen zum Thema „Gesundheitliche Auswirkungen von Infraschall durch Windkraftanlagen“ (Keine Evidenz für gesundheitliche Beeinträchtigungen unterhalb der Wahrnehmungsschwelle).

Quellen zu Abschnitt 6:
[14] Kooperationsvereinbarung zur Entwicklung des Windparks Lammerskopf: Stadtwerke Heidelberg, HEG und Partner (Veröffentlichungen der Stadtwerke Heidelberg).
[15] Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) – § 6: Gesetzliche Regelung zur finanziellen Beteiligung der Kommunen an der Windenergieausbeute (0,2 Cent pro eingespeiste Kilowattstunde für die Standortgemeinden).

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Christian Lipponer, Heidelberg
Frage an den Initiator

Angaben zur Petition

Petition gestartet: 26.06.2026
Sammlung endet: 25.12.2026
Region: Heidelberg
Kategorie: Energie

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Die Darstellungen der Contra-Initiativen (Plakate/Flyer) wirken stark interessengeleitet ("not in my backyard") und selektiv. Die Klimakrise erfordert aber globales Denken. Danke besonders für die Klarstellung, dass der Lammerskopf hervorragende Windverhältnisse verspricht. Weitere Standortuntersuchungen folgen sowieso. Ich finde nicht, dass Windräder die Landschaft "verschandeln". Schon immer hat der Mensch Landschaft genutzt und verändert (Straßen, Gebäude, Stichwort: "Kulturlandschaft").

Noch kein CONTRA Argument.

Warum Menschen unterschreiben

Windkraft zu teuer. Zerstörung von Landwirtschaften und Verarsche des Bürgers. Wo soll da, bitte schön, der Naturschutz sein, wenn die WEA in den Wald gebaut werden? Das ist doch wiedersinnig! Wollen sie uns noch die letzten unbebauten Landschaften wegnehmen? Muss den alles zugebaut werden?

Selbstverständlich ist Tier- und Landwirtschaftsschutz wichtig!
Vorrangig sollten wir uns aber um unsere Energiegewinnung abseits von Kohle, Gas und Öl kümmern. Das sind irreversible Ressourcen.
Wenn wir von Vernichtung der Lebensräumen unserer weltweiten Flora&Fauna reden, sollten wir über den Tellerrand schauen: im Amazonas werden TÄGLICH 3300 ha Regenwald gerodet, das sind ~ 3000-4500 Fußballplätze…..
Diese Flächen werden überwiegend für Rinderzucht, Soja, Tropenholz und auch Palmöl (ist in rund 50% unserer Supermarkt Produkte enthalten (fragt doch einfach mal die KI; ihr werdet entsetzt sein). ….

Bäume töten. Wichtiger Waldboten verdichten. Tiere und Pflanzen töten. Menschen krankmachen. Traumkulisse verschandeln.

Infos sind wichtig. Die Umweltprüfungen kommen dann ja noch.

Es ist sehr wichtig der teilweise populistischen Verbreitung von Falschbehauptungen entgegen zu wirken.

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