Liebe Frau Ministerin Ernst,

hiermit nehmen die Studierenden der Sonderpädagogik an der Europa-Universität Stellung zur Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung Lehrkräfte 2016. Die Ausbildung in der zweiten Phase der Lehrer*innenbildung, dem Vorbereitungsdienst, entwickelt sich unserer Ansicht nach zum Schlechteren.

Laut APVO Lehrkräfte 2016 ist im §7 Ausbildung durch die Schule (§25 LehrBG) Satz 4 geregelt, dass die LiVs (Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst) in ihren sonderpädagogischen Fachrichtungen durch sonderpädagogische Ausbildungsleiter und in ihrem weiteren studierten Unterrichtsfach (z.B.: Deutsch, Mathe, etc.) gemeinsam mit den in Satz 1,2, oder 3 aufgeführten LiVs ausgebildet werden. Diese Regelung greift laut Website des IQSH erstmals zum 01.02.2018 und wurde 2016 in die APVO mitaufgenommen*.

Die jetzigen Studierenden des dritten Mastersemesters an der Universität Flensburg hatten demnach keinerlei Möglichkeit, sich vor Aufnahme des Masterstudiums über die zweite Phase der Lehrerinnenbildung zu informieren und die Ausbildung, die sie angefangen haben, zu den gleichen Bedingungen zu beenden. Weiterhin fragen wir uns, inwiefern die gemeinsame Ausbildung von Regel- und Sonderpädagoginnen vonstattengehen soll. Durch die Umstellung der Ausbildung sehen wir die sonderpädagogische Expertise in unserem Unterrichtsfach in Gefahr. Nach welchem Curriculum werden wir uns in unserem Unterrichtsfach richten? Nach dem sonderpädagogischen oder nach dem Fachcurriculum für die jeweilige Klassenstufe?

Durch diese Umstellung der Ausbildung wird die Vernetzung von Unterrichtsfächern und gewählten Fachrichtungen, die aus der Unterrichtspraxis nicht wegzudenken ist, aus dem Vorbereitungsdienst gestrichen. Die sonderpädagogischen Kompetenzen, die durch den aktuell durchgeführten Vorbereitungsdienst für Sonderpädagoginnen vermittelt werden, sehen wir in unserer zukünftigen Ausbildung in Gefahr. Wir wollen uns nicht mit sonderpädagogischem Halbwissen abspeisen lassen und fordern daher von der Landesregierung: • Keine Umsetzung der geplanten Umstellung des Vorbereitungsdienstes Sonderpädagogik • Ausbildung im Unterrichtsfach durch Sonderpädagoginnen • Kooperation innerhalb der Ausbildung im Sinne von Basismodulen (geleitet von allgemeinbildenden Ausbildungslehrkräften) • Aufbaumodulen (geleitet von sonderpädagogischen Ausbildungslehrkräften) • Beibehaltung des „nicht-studierten Fachs“ im Sinne der sonderpädagogischen Kompetenzerweiterung.

Insbesondere die Fächer Deutsch und Mathematik sind im Hinblick auf inklusive Förderung als Ausbildungsfach immanent. Studierende mit einem anderen Unterrichtsfach als Deutsch oder Mathe wird eine Tätigkeit im inklusiven Bereich durch die Streichung im Vorbereitungsdienst massiv erschwert.

Wir wollen mit diesen Forderungen kein Zeichen gegen Inklusion oder gegen Kooperation mit den Regelschulpädagog*innen setzen – im Gegenteil! Nur durch eine durchgängige sonderpädagogische Ausbildung können sich im Team-Teaching an einer inklusiven Schule alle benötigen Kompetenzen vereinen, um die Schülerinnen und Schüler mit oder ohne Förderbedarf vollumfänglich zu betreuen.

*http://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/IQSH/Arbeitsfelder/Lehrerausbildung/Vorbereitungsdienst/Vorbereitungsdienst.html

Begründung

Zukünftige Sonderpädago*innen benötigen sonderpädagogische Expertise in ihrem Unterrichtsfach und wollen sich nicht sonderpädagogischen Halbwissen abspeisen lassen.

Gute Bildung braucht eine gute Ausbildung !

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Lena Janssen aus Flensburg
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