Sehr geehrter Herr Kardinal,

mit Ihnen teilen wir die Sorge, trotz des zunehmenden Priestermangels die Pastoral im Erzbistum Berlin in Zukunft lebendig zu halten. Wir möchten, dass der Glaube wieder mehr Raum gewinnt. Wir unterstützen Ihr Anliegen, durch pastorale Räume den verschiedenen Begabungen und unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden. Wir fürchten jedoch, dass die von Ihnen beabsichtigte Umstrukturierung des Erzbistums aus über 100 Pfarreien in ungefähr 30 Großpfarreien die pastorale Situation nicht verbessern wird. Große Strukturen führen in der Pastoral meist zu Anonymisierung, Heimatlosigkeit und Identitätsverlust. Unsere Lebenserfahrung sagt uns, dass Großräume nicht durch eine einzige sonntägliche Eucharistiefeier, ob zentral oder an wechselnden Orten, inhaltlich zusammengehalten werden.

Daher schlagen wir vor: Die jetzigen Pfarreien bleiben in ihrem gegenwärtigen kirchenrechtlichen und finanziellen Status und bilden Pfarreiengemeinschaften, die intern miteinander vernetzt sind und eng zusammenarbeiten. Auch die Kindergärten bleiben in engem Kontakt mit ihren Gemeinden. Innerhalb einer Pfarreiengemeinschaft können benachbarte Gemeinden miteinander fusionieren. Da das Erzbistum zunehmend weniger Priester hat, gibt es innerhalb einer Pfarreiengemeinschaft, insbesondere bei großen Entfernungen, neben der Eucharistiefeier auch am Sonntag Wortgottesdienste mit Kommunionspendung unter der Leitung von Diakonen oder dazu beauftragten Laien. Wie Sie wissen, geschah dies bereits früher im Erzbistum und wurde erst unlängst von Papst Franziskus ausdrücklich empfohlen. Wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, bitten Sie, den Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ offener zu gestalten und die von uns vorgeschlagene Lösung in Betracht zu ziehen. Wir wünschen uns einen synodalen Prozess, der im Miteinander von Gemeinden, Dekanaten und Bistumsleitung klärt, was zu tun ist.

Begründung

Welche Konsequenzen drohen durch den Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“, bei der die derzeit 106 Pfarreien zu etwa 30 Großpfarreien fusionieren sollen?

  1. Die jetzigen Pfarreien verlieren ihren rechtlichen Status und ihre Autonomie. Sie werden keine eigenen Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte mehr haben. Es wird ab 2020 nur noch einen Kirchenvorstand und einen Pfarrgemeinderat für die Großpfarrei geben.

  2. Auch verlieren die jetzigen Pfarreien die Hoheit über ihr Immobilien- und Finanzvermögen; es geht in das Vermögen der künftigen Großpfarrei ein.

  3. Veranstaltungen in den jeweiligen Gemeinden der künftigen Großpfarrei müssen durch die Leitung der Großpfarrei genehmigt werden.

  4. Es ist mit Entlassungen beim sogenannten technischen Personal in den Gemeinden zu rechnen, soweit sie überhaupt noch über welches verfügen.

  5. Da die Priesterzahlen auch in Zukunft dramatisch zurückgehen werden, werden Sonntagsmessen – von Wochentagsmessen ganz zu schweigen – in absehbarer Zeit entsprechend reduziert werden.

Wir haben den Petitiontext an Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki verfasst, um eine größtmögliche Beteiligung der Pfarreien am Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ zu erreichen.

Wir, das ist eine Initiativgruppe katholischer Laien – bestehend aus Mitgliedern der Pfarrgemeinderäte von St. Laurentius (Berlin-Mitte) und Heilige Familie (Berlin-Prenzlauer Berg) sowie weiterer Laien: Christa Drutschmann, Bertram Janiszewski, Inghild Janiszewski, Irmgard Meyer, Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, Andreas Potthoff, Angelika Plümpe, Walter Plümpe, Bernhard Ullrich, Gabriele Urban, Michael Urban.

Sie können unserem Anliegen mit Ihrer Unterschrift helfen, wenn Sie - mindestens 14 Jahre alt sind - katholisch sind - und im Erzbistum Berlin leben.

Mit der herzlichen Bitte um Ihre Unterstützung!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Bezirksstadtrat a. D. Michael Urban aus Berlin
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Gemeinde bedeutet Gemeinschafft - Gemeinschaft wird in einer überschaubaren Gruppe in einem überschaubaren und damit erlebaren Raum gelebt - Wir brauchen die Gemeinden in überschaubaren Räumen, nicht pastoralen Kontinenten. Deshalb: - für Kommunion in communio - für mehr Pastoren

Contra

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