• Zur geplanten Schließung des Klinikums Tönning meldet sich Tönnings Bürgermeisterin zu Wort

    at 04 Mar 2016 16:32

    Eider-Kurier:
    Zur geplanten Schließung des Klinikums Tönning meldet sich Tönnings Bürgermeisterin zu Wort
    "Wir haben in NF ein Klinikum mit vier Standorten. Diese Struktur ist in der Vergangenheit immer wieder beleuchtet worden, aber im Ergebnis hat man stets daran festgehalten, weil man die Notwendigkeit der einzelnen Standorte vor dem Hintergrund der Gewährleistung einer ausreichenden und erreichbaren medizinischen Versorgung in der Fläche gesehen hat. Zwar mögen die finanziellen Rahmenbedingungen sich verändert haben, das kann und darf aber nicht dazu führen, dass man nun auf Kosten der medizinischen Versorgung, eines der Grundpfeiler der Daseinsvorsorge, die gerade in Anbetracht der demografischen Entwicklung eine zunehmende Rolle spielt, hier Abstriche macht. Das wäre „Sparen am falschen Ende“!
    Insofern ist gerade die Region Eiderstedt, Teile des Amtes Nordsee-Treene sowie des nördlichen Dithmarschens durch die Empfehlung das Tönninger KH zu schließen betroffen! Wir sprechen hier von einem aktuellen Defizit von gut 700 TEUR, wobei durch organisatorische Veränderungen, wie z. B. die Erweiterung um eine geriatrische Abteilung, das Defizit laut BDO-Gutachten um 250 – 350 TEUR verbessert werden könnte. Hierbei handelt es sich jedoch keineswegs um eine neue Erkenntnis! Eine Geriatrie ist bereits vor Jahren seitens des Tönninger Krankenhauses zur Verbesserung der medizinischen Versorgung und der finanziellen Lage gefordert worden! Damit hätte das Ergebnis bereits seither extrem verbessert werden können! Warum ist die Umsetzung dieser Maßnahme nicht schon längst erfolgt?! Fehlentscheidungen in der Vergangenheit können jetzt nicht auf dem Rücken der Menschen in der Region ausgetragen werden!
    Deshalb ist der Kreis hier weiter in der Verantwortung nach Lösungen zu suchen, den Standort in Tönning möglichst wirtschaftlich zu betreiben! Dazu gehört auch das Denken weiterer Alternativen! In der Diskussion sollten auch die Bedeutung des Tönninger KH als Portal und Überlauf für Husum und die finanziellen Wechselwirkungen nicht vergessen werden! Insgesamt müssen wir das Klinikum NF mit den vier Standorten als eine Einheit betrachten. Auch deshalb kann es nicht allein auf die isoliert für den jeweiligen Standort betrachtete Wirtschaftlichkeit ankommen. Zumal in der Vergangenheit der Standort Husum auch auf Kosten des Standortes Tönning erheblich protegiert worden ist! Und auch der Standort Niebüll, der ebenfalls ein erhebliches Defizit erwirtschaftet – laut Gutachten auch zukünftig trotz Veränderungsmaßnahmen -, wird nicht in Frage gestellt! Dabei stellt sich die Erreichbarkeitssituation auf Eiderstedt nicht viel anders dar. Würde der Standort Tönning wegfallen, so hätten Einwohner und Urlauber aus St. Peter-Ording einen Weg von ca. 40 Minuten zum Husumer Krankenhaus zurückzulegen. Und das soll zumutbar sein?! Für Südtondern sagt man „nein“!
    Auch sollten sich die Kreistagsabgeordneten bei Ihrer Entscheidung nicht von dem Gedanken leiten lassen, dass im Falle der Schließung eine mögliche Förderung aus dem Strukturfonds in Höhe von 946 TEUR generiert werden könnte. Hierbei handelt es sich um eine einmalige Leistung, die dem Klinikum nicht dauerhaft helfen wird und auch nur einen minimalen Bruchteil der erforderlichen Investitionssumme abdeckt. Die Schließung des Tönninger Krankenhauses stellt somit keine „Rettung der Gesamtklinik“ dar! Eine jetzt getroffene Entscheidung über eine Schließung des Krankenhauses in Tönning ist jedoch nicht umkehrbar und schwächt die gesamtwirtschaftliche Situation der Region Eiderstedt irreversibel!
    Ich appelliere daher an die Damen und Herren Kreistagsabgeordneten: Es müssen nun schnellstens die Versäumnisse der vergangenen Jahre nachgeholt werden und in Tönning zur Verbesserung der medizinischen Versorgung – gerade in Anbetracht der Altersstruktur auf Eiderstedt – und zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation eine Geriatrie eingerichtet werden. Darüber hinaus müssen weitere Optionen und mögliche Kooperationen, wie sie auch im Gutachten angedacht werden, geprüft werden. Die medizinische Versorgung geht uns alle an! Wir dürfen hier nicht allein nach der Wirtschaftlichkeit gehen! Auch unsere Freiwilligen Feuerwehren erwirtschaften kein positives Finanzergebnis, aber sie leisten unbestritten einen zwingend notwendigen und für die Gesellschaft in Geld nicht aufzuwiegenden Beitrag für unsere Gesellschaft! Ist unsere Gesundheit weniger wert? "

    Dorothe Klömmer
    Bürgermeisterin Tönning

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