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    at 17 Sep 2019 21:12

    Enttäuschung über Art der Viadukt-Sanierung

    Auf die Anfrage bei der DB Netz AG zur denkmalgerechten Sanierung des historischen Eisenbahnviaduktes an der Annaberger Straße und der Rekonstruktion heute fehlender architektonischer Details am Viadukt, antwortete die Bahn heute:

    „… laut Planfeststellungsbeschluss vom 1.6.2018 sind wir zur technischen Ertüchtigung unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes beauftragt, es handelt sich also um keine Restaurierung oder Rekonstruktion. Die Zierelemente im Geländer waren bereits kurz nach der Errichtung umstritten und wurden einige Zeit nach der Errichtung wieder entfernt. Diese hätte man nach heutigem Stand der Technik mit vertretbarem Aufwand im zu ertüchtigenden / neuen Geländer nachbilden können – der Fachbeirat hat sich allerdings gegen eine Nachbildung dieser Elemente ausgesprochen.
    Der Wiederaufbau der gemauerten Schmuckelemente ist nicht Bestandteil der technischen Ertüchtigung und wird durch die DB Netz AG nicht beplant oder als Bauleistung vergeben. Die führende Projektingenieurin ist aber für Hinweise, auch zur möglichen Mitfinanzierung, offen und dankbar.
    Die Abstimmungen erfolgen weiterhin mit der Denkmalschutzbehörde.“

    Falsch ist, das die Zierelemente in den Geländern über den Bögen kurze Zeit nach der Errichtung des Viaduktes wieder entfernt wurden. Diese waren noch bis vor wenigen Jahren vorhanden und wurden erst dann von der Bahn nach jahrelanger Vernachlässigung des Viadukts, abgebaut, weil man befürchtete, das diese auf die Straße fallen könnten. Das sich der Fachbeirat hier gegen die Rekonstruktion ausgesprochen hat, ist unglaublich. Diese Zierelemente sind Teil der historischen Architektur des Viadukts. Das Viadukt ist ein historisches Bauwerk. Wer sind wir, das wir es verändern und reduzieren?

    Die Bahn zieht sich bei der Viadukt-Sanierung einzig auf die technische Ertüchtigung des Bauwerkes zurück. Dessen einzigartige Architektur, die bis ins Detail ausgearbeitet war, spielt in Bezug auf die Rekonstruktion fehlender Teile keine Rolle und offenbar haben sich weder der Fachbeirat noch die Denkmalbehörden dafür engagiert.

    Das Viadukt muss so saniert werden, das es dem original entspricht. Gerade die gemauerten Zierelemente runden das architektonische Wechselspiel zwischen Stein und Stahl ab. Dabei sind die aufgemauerten Teile einst ebenso grazil gestaltet wurden wie die Teile aus Stahl. Das Viadukt ist ein wichtiges Bauwerk der Industrie- und Verkehrsgeschichte und hat sogar eine überregionale Bedeutung. Die Stadt Chemnitz schreibt:

    „So sollen für eine Million Euro entlang des Eisenbahnbogens, der im Halbkreis um die Innenstadt verläuft, Erlebnis- und Entdeckungsorte geschaffen werden, an denen Chemnitzer Industrie- und Mobilitätsgeschichte erlebbar wird. Eine herausragende Rolle soll dabei das Viadukt Annaberger Straße spielen.

    Dieser Anspruch kann nicht erfüllt werden, wenn das Viadukt nur in einer Sparvariante restauriert wird und die Stadt es aber groß inszenieren möchte. Denken wir auch an jüngere Generationen, denen wir am Beispiel des Viaduktes zeigen wollen und müssen, welchen Anspruch unsere Vorfahren einst an ihre gebaute Umwelt hatten und wie sie mit Details umgegangen sind. Das ist der erste Schritt dazu, dass das zukünftige Bauen weg kommt von den weißen Kästen mit Schlitzfenster wieder hin zu einer anspruchsvolleren Architektur.

    Bürgerinitiative stadtbild chemnitz

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