openPetition wird europäisch. Wenn Sie uns bei der Übersetzung der Plattform von Deutsch nach Deutsch helfen wollen, schreiben Sie uns.
close

Kurzlink

  • Beschluss des Petitionsausschuss des Rheinland-Pfälzischen Landtages

    25-01-16 16:22 Uhr

    Der Petent begehrte mit seiner Eingabe die Einführung von Ethik- bzw. Philosophie-
    unterricht als ordentliches Lehrfach für alle Schül erinnen und Schüler.

    Das um Stellungnahme gebetene Ministerium für Bildu ng, Wissenschaft, Weiterbildung
    und Kultur hatte zu dem Anliegen des Petenten mitge teilt, dass die Unterrichtsfächer
    Philosophie, die verschiedenen Religionsunterrichte und der Ethikunterricht bedeutende
    Beiträge hinsichtlich des Bildungs- und Erziehungsa uftrags der Schule leisten. Im Mittel-
    punkt dieser Unterrichtsfächer stünden existentiell e Fragen, die über den eigenen Le-
    bensentwurf, die eigene Deutung von Wirklichkeit un d über Handlungsoptionen ent-
    scheiden. Probleme des Selbst- und Weltverständniss es würden in diesen Unterrichts-
    fächern behandelt.
    Nach den vom Ministerium getroffenen Feststellungen ist die Auffassung des Petenten,
    Ethik- und Philosophieunterricht seien keine ordent lichen Unterrichtsfächer, nicht zutref-
    fend. Sowohl Ethik als auch Philosophie sind nach A uffassung des Ministeriums ordent-
    liche Unterrichtsfächer, was z. B. bedeutet, dass d iese Fächer versetzungsrelevant bzw.
    relevant für das Abitur sind. Besonderheit des Unte rrichtsfachs Ethik sei, dass es formal
    in direktem Bezug zum konfessionellen Religionsunte rricht steht, der verfassungsrecht-
    lich festgeschrieben ist (Artikel 7 Abs. 3 Grundges etz und Artikel 34 Landesverfassung).
    Art. 35 der rheinland-pfälzischen Landesverfassung lege fest: „(1) Die Teilnahme am
    Religionsunterricht kann durch die Willenserklärung der Eltern oder der Jugendlichen
    nach Maßgabe des Gesetzes abgelehnt werden. (2) Für Jugendliche, die nicht am Reli-
    gionsunterricht teilnehmen, ist ein Unterricht über die allgemein anerkannten Grundsätze
    des natürlichen Sittengesetzes zu erteilen.“ Daher werde für Schülerinnen und Schüler,
    die von ihren Eltern vom Religionsunterricht abgeme ldet werden bzw. die sich selbst
    abmelden oder für solche, die einer Kirche oder Rel igionsgemeinschaft angehören, für
    die aber aus zwingenden Gründen Religionsunterricht ihres Bekenntnisses nicht einge-
    richtet werden kann, Ethikunterricht angeboten. Zus ätzlich zum Religions- oder Ethikun-
    terricht könnten Schulen der Sekundarstufe 1 das Wa hlfach Philosophie anbieten; in der
    gymnasialen Oberstufe bestehe die Möglichkeit, Phil osophie als Leistungsfach zu wäh-
    len oder Philosophie als Grundfach in die Abiturges amtqualifikation einzubringen.

    Dabei sei die Beobachtung des Petenten, dass es in Rheinland-Pfalz mehr Studierende
    für die Fächer Philosophie/Ethik, Ethik, Philosophi e gibt als Teilnehmerinnen und Teil-
    nehmer in diesen Fächern am Vorbereitungsdienst, zu treffend. Das Ministerium wies
    darauf hin, dass es dennoch nicht die Beschränkunge n hinsichtlich der Aufnahmekapa-
    zitäten in diesen Fächern an den Studienseminaren s ind, die zu der geringeren Zahl an
    Teilnehmerinnen und Teilnehmern führen. So habe es beispielsweise für den Vorberei-
    tungsdienst für das Unterrichtsfach Ethik an Studie nseminaren für das Lehramt an Real-
    schulen Plus 2012/2013 gar keine fachbezogenen Zula ssungsbeschränkungen gege-
    ben. Für den Vorbereitungsdienst für das Studienfac h Philosophie/Ethik für das Lehramt
    an Gymnasien hätten Fachhöchstzahlen festgelegt wer den müssen, die aber
    2012/2013 nicht erreicht wurden. Die Einstellung in den Schuldienst orientiere sich an
    dem von den Schulen formulierten Bedarf für die ein zelnen Unterrichtsfächer. Ethische
    und philosophische Bildung werde durch das vorhande ne Unterrichtsangebot in guter
    Weise unterstützt, zumal zur Entwicklung von Kompet enzen ethischer und philosophi-
    scher Bildung auch die Religionsunterrichte einen s ehr wichtigen Beitrag leisten. Heu-
    tige Religionslehrpläne geben nach Auskunft des Min isteriums Konzepte für schüler-
    orientierte und dialogorientierte Religionsunterric hte vor, die sich für die Auseinander-
    setzung mit anderen ethischen und weltanschaulichen Positionen öffnen und durch

    Perspektivenwechsel andere ethische und weltanschauliche Positionen nachvollzie-
    hen.
    Der Petent war jedoch weiterhin der Auffassung, das s es sich bei den Fächern um keine
    ordentlichen Lehrfächer handelt.
    Der Petitionsausschuss des Landtags Rheinland-Pfalz hat in seiner nicht-öffentlichen
    Sitzung am 13.05.2014 festgestellt, dass dem in der Eingabe vorgebrachten Anlie-
    gen insoweit entsprochen werden konnte, als dass er läutert wurde, dass Ethik als
    Ersatzfach definitionsgemäß als ordentliches Unterr ichtsfach zu werten ist bzw. der
    Charakter von Ethik als ordentliches Lehrfach festg estellt wurde. Wegen des darüber
    hinausgehenden Anliegens hat der Petitionsausschuss festgestellt, dass diesem
    nicht entsprochen werden kann. Insoweit wurde die E ingabe teilweise einvernehmlich
    abgeschlossen.Begründung (pdf)