• Beschluss des Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags

    at 22 May 2019 02:27

    Pet 2-19-15-2211-004375 Forschung

    Der Deutsche Bundestag hat die Petition am 04.04.2019 abschließend beraten und
    beschlossen:

    Das Petitionsverfahren abzuschließen, weil dem Anliegen nicht entsprochen werden
    konnte.

    Begründung

    Der Deutsche Bundestag möge Geld für die Erforschung der "Histamin Intoleranz"
    bereitstellen.

    Zur Begründung wird vorgetragen, viele Betroffene erfahren tagtäglich einen sehr
    schwierigen Umgang mit den Nahrungsmitteln, die ihre Lebensqualität um ein
    vielfaches beeinträchtigen und somit nicht nur ihr Wohlbefinden massiv stören,
    sondern auch berufliche Beeinträchtigungen mit sich bringen. Dabei geht es nicht nur
    um Wohlbefinden im einzelnen, sondern um massive gesundheitliche Störungen bis
    hin zum anaphylaktischen Schock.

    Zu den Einzelheiten des Vortrags der Petentin wird auf die von ihr eingereichten
    Unterlagen verwiesen.

    Die Eingabe war als öffentliche Petition auf der Internetseite des Deutschen
    Bundestages eingestellt. Es gingen 112 Mitzeichnungen sowie 33
    Diskussionsbeiträge ein.

    Das Ergebnis der parlamentarsichen Prüfung stellt sich auf der Grundlage einer
    Stellungnahme des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), des
    Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des
    Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wie folgt dar:

    Histamin-Intoleranz ist eine Lebensmittelunverträglichkeit, von der viele Menschen in
    unterschiedlichem Schweregrad betroffen sind. Lebensmittel - insbesondere Fisch,
    Käse und Rotwein - können in stark unterschiedlicher Höhe einen Histamin-Gehalt
    aufweisen. Bei Verzehr von Lebensmitteln mit erhöhtem Histamin-Gehalt kann es bei
    Menschen, die an einer Histamin-Intoleranz leiden, zu Unverträglichkeitsreaktionen
    kommen.

    Das BMBF trägt im Zuge der Projektförderung zur Intensivierung der Erforschung
    von Histamin-Intoleranz bei. Um den Betroffenen mit dieser Unverträglichkeit den
    alltäglichen Umgang mit Lebensmitteln zu erleichtern, sind seit 2011 rund
    650.000 Euro Fördermittel für die Entwicklung eines Schnelltests zur Feststellung
    des Histamingehalts in Lebensmitteln investiert worden.

    Eine Forschungsgruppe am Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut an
    der Universität Tübingen (NMI Tübingen) hat mit den bereitgestellten Mitteln einen
    Prototyp für den Test entwickelt. Bei Anwender-Versuchen zeigte sich jedoch, dass
    die Bedienung des Geräts noch vereinfacht werden muss. Es wird an einem neuen
    Design für das Testgerät gearbeitet. Die neu gegründete Firma ELEFA Bioscience
    hofft, damit den Histamin-Test zur Marktreife führen zu können.

    Das BMBF fördert darüber hinaus im Rahmen des
    Gesundheitsforschungsprogramms weitere umfangreiche Forschung zu Ernährung
    und Prävention ernährungsbedingter und weiterer Erkrankungen. Innerhalb dieser
    Förderschwerpunkte wären einige Forschungsansätze grundsätzlich auch zur
    Histamin-Intoleranz denkbar. Eine Förderung durch das BMBF ist dabei an ein
    festgelegtes Verfahren gebunden. Die Basis hierfür stellen thematisch eingegrenzte,
    öffentliche Bekanntmachungen dar, auf die sich Forschende mit Projektanträgen
    bewerben können. Derzeit sind innerhalb des Rahmenprogramms
    Gesundheitsforschung keine einschlägigen Bekanntmachungen zu
    Lebensmittelunverträglichkeiten offen. Für zukünftige Projekte zur weiteren
    Erforschung der Histamin-Intoleranz kämen prinzipiell jedoch auch die regelmäßig
    ausgeschriebenen Bekanntmachungen des BMBF zur Förderung klinischer Studien
    mit hoher Relevanz für die Patientenversorgung infrage. Hierbei gilt, dass die in den
    Förderbekanntmachungen dargelegten Fördervoraussetzungen jeweils erfüllt sein
    müssen und alle Anträge im Wettbewerb zu Projektvorschlägen auch aus anderen
    Themenbereichen stehen.

    Neben dem BMBF bieten weitere nationale und internationale Förderer
    Unterstützungsmöglichkeiten für Forschung zu Lebensmittelunverträglichkeiten an.
    Im Grundlagenbereich sind dies beispielsweise die Deutsche
    Forschungsgemeinschaft (DFG) oder der Europäische Forschungsrat (ERC).
    Zudem werden mit der Petition Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen in dem
    Bereich angesprochen.

    Ärztinnen und Ärzte haben ihre Patientinnen und Patienten nach pflichtgemäßen
    Ermessen, unter Beachtung der ärztlichen Sorgfaltspflichten, nach dem allgemein
    anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse und unter Beachtung des
    Patientenwillens zu behandeln. Die Aufsicht über die Berufsausübung der Ärztinnen
    und Ärzte liegt bei den Landesärztekammern, die ihrerseits der Rechtsaufsicht der
    obersten Landesgesundheitsbehörde unterstehen.

    Um die Behandlung der Ärztinnen und Ärzte auf der Basis des besten verfügbaren
    Wissens zu unterstützen, entwickeln die medizinischen Fachgesellschaften so
    genannte Leitlinien. Diese stellen dar, wie in der Regel die Behandlung
    durchzuführen ist, von denen aber auch in begründeten Fällen abgewichen werden
    kann oder sogar muss. Der größte Teil der Fachgesellschaften ist in der AWMF, der
    Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.,
    zusammengeschlossen, die u. a. die Leitlinienentwicklung koordiniert. Über die
    Homepage der AWMF ist eine Leitlinie zu dem "Vorgehen bei Verdacht auf
    Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin" verfügbar
    (www.awmf.org).

    Soweit angeregt wird, Histamin-Intoleranz bzw. Lebensmittel-Intoleranzen, zu denen
    auch die Fructose-, Lactose- oder Gluten-Unverträglichkeiten gezählt werden,
    verstärkt bei der medizinischen Ausbildung zu berücksichtigen, sind entsprechende
    Forderungen an die medizinischen Fakultäten zu richten. Die ärztliche Ausbildung
    zielt auf die Vermittlung umfassender Kompetenzen zur Ausübung des ärztlichen
    Berufs ab. Sie umfasst daher die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und
    Fertigkeiten zur Feststellung der unterschiedlichsten Krankheitsbilder sowie ihrer
    Behandlung bei Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen. Indes regelt der
    Bund mit der Approbationsordnung für Ärzte nur die Mindestanforderungen an die
    Ausbildung und lässt den Hochschulen Spielräume zur konkreten Ausgestaltung der
    Ausbildungen. Inhaltliche Spezifizierungen dieser allgemeinen Vorgaben erfolgen
    über die Curricula der Hochschulen. Eine gewisse Standardisierung der
    Ausgestaltung der ärztlichen Ausbildung an den verschiedenen medizinischen
    Fakultäten wird durch den Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin
    (NKLM) erreicht, der 2015 vom Medizinischen Fakultätentag verabschiedet wurde. Er
    sieht in unterschiedlichen Zusammenhängen Lernziele zu
    Nahrungsunverträglichkeiten vor.
    Vor dem Hintergrund des Dargelegten vermag der Petitionsausschuss ein weiteres
    Tätigwerden nicht in Aussicht zu stellen und empfiehlt daher, das Petitionsverfahren
    abzuschließen, weil dem Anliegen nicht entsprochen werden konnte.

    Begründung (PDF)

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