Region: Nürnberg

Für einen Bürgerentscheid. "Soll Nürnberg in der Kongresshalle ein Opernhaus-Interim errichten?"

Petition richtet sich an
Oberbürgermeister Marcus König

75 Unterschriften

Die Petition wurde vom Petenten zurückgezogen

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Die Petition wurde vom Petenten zurückgezogen

  1. Gestartet 2022
  2. Sammlung beendet
  3. Eingereicht am 07.12.2023
  4. Dialog
  5. Gescheitert

Neuigkeiten

16.04.2026, 08:21

Zusammenfassung der öffentlichen Kritik an den Neubauten in der Kongresshalle
"Historiker verschiedener Institutionen positionierten sich vor allem gegen die Hinzufügung eines neuen Baukörpers im Innenhof, der ursprünglich als Versammlungsort der NSDAP geplant war: Die Kongresshalle sei einer der wichtigsten Bauzeugen des Nationalsozialismus in Deutschland und keine beliebig nutzbare Immobilie, die Kultur dürfe nicht die Funktion des Erinnerungsortes verwässern.[64] Das Projekt leiste keine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus; die Vorstellung, Kultur solle und könne den Propagandabau umdeuten, sei absurd, an diesen „Bauten der Gewalt und des Terrors“ lasse sich nichts umdeuten.[65]
Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege führte in einer Stellungnahme aus: „Es handelt sich um eine Gedenkstätte, die zwar kein Tatort ist, aber ein Täterort. Sie ist somit keine Immobilie wie andere Altbauten, bei denen eine Um- oder Weiternutzung ja in der Regel wünschenswert ist.“ Bevor man „auf dieser Nazi-Jubelstätte“ Opern spiele, müsse eine ausführliche Debatte geführt werden, ob und wie das überhaupt angemessen sei.[66]
Heimatpflegerin Claudia Maué, der die Stadt Nürnberg laut entsprechender Satzung in allen den Denkmalschutz betreffenden Fällen „rechtzeitig Gelegenheit zur Äußerung […] geben“ müsste, wurde nach eigenen Angaben nicht beteiligt und habe „resigniert“ (Februar 2022).[67]
Ebenfalls kritisch äußert sich der Verein Geschichte für Alle, der mit historischen Rundgängen und Veröffentlichungen seit Jahrzehnten die Geschichtsarbeit vor Ort leistet. Daraufhin wurde der Verein und seine Rundgangsleiter als „Ewiggestrige der Erinnerungskultur“ bezeichnet und ihnen Eigennutz unterstellt, da Geschichte für Alle e. V. durch den Verlust seines hervorstechendsten Exponats – den „verstörend öden NS-Innenhof“ – angeblich um die Attraktivität seiner Führungen fürchte.[68] Der Verein Geschichte für Alle, der nach eigenen Angaben „jährlich hunderttausenden Gästen aus aller Welt einen vertieften Zugang zur Geschichte des Nationalsozialismus bei Führungen über das Gelände ermöglicht“, nahm im Juli 2022 „die Entscheidung für den Standort Innenhof Kongresshalle mit Bedauern zur Kenntnis.“ Der „Lernort ehemaliges Reichsparteitagsgelände“ werde durch den Einbau des Opernhauses in den Innenhof der Kongresshalle dauerhaft und unwiderruflich verändert, unter „vermeintlichen Sachzwängen und künstlichem Zeitdruck ohne ausreichend Zeit für breite und tiefergehende Diskussionen“ seien Entscheidungen getroffen worden, die „das Bauwerk als historisches Dokument irreversibel verändern.“[69]
Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege sah die „Hof-Möblierung“ zunächst ähnlich kritisch und bestand in einer Stellungnahme der für Nürnberg zuständigen Oberkonservatorin Kathrin Müller im Oktober 2021 (öffentlich bekannt geworden erst im Januar 2022) auf einer Entfernung der Halle nach der Zwischennutzung, u. a. da der Hof quasi ein Exponat des Dokumentationszentrums sei – „wenn nicht sogar das bedeutendste“. Das Landesamt sei sehr früh in die Überlegungen der Stadt eingebunden gewesen und habe dringend geraten, „diese Diskussion um die Abwägung der verschiedenen Aspekte als breiteren gesellschaftlichen Diskurs zu führen“.
Kurz nach der Entscheidung über die Platzierung des Zusatzbaus im Innenhof wurde bekannt, dass die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände „ausdrücklich“ und „über den Dienstweg“ angewiesen wurden, zu den Ergebnissen der Jury zu schweigen, also keine fachliche Einschätzung der erfolgten Empfehlung abgeben dürfen. Die Stadt Nürnberg bestätigte dies auf Anfrage.[71] Der davon nicht mehr betroffene Hans-Christian Täubrich, Gründungsdirektor i. R. des Dokumentationszentrums Reichsparteitage, stellte daraufhin die Frage in den Raum, wie man der Welt die Nürnberger Oper im NS-Propagandabau erklären wolle? – Dass Nürnberg als Halbmillionenstadt keine Alternative finden könne, sei kaum nachvollziehbar. Täubrich verwies auf die 4 Millionen Besucher aus aller Welt, die sich dieses Gebäude seit Eröffnung des Dokumentationszentrums anschauten, darunter viele Nachfahren von Menschen, die unter dem NS-Regime gelitten hätten: „Ich bin mir nicht sicher, ob sie verstehen, warum dort künftig Hitlers geliebter Wagner aufgeführt werden soll.“[72]
Der Deutsche Verband für Kunstgeschichte kam auf seinem 37. Kongress 2024 zu einer kritischen Einschätzung des Projektes: Der „Kulturproduktion wird nun eine therapeutische Rolle zur Umcodierung eines NS-Baus zugeschrieben“, diese „Form der Wiedergutwerdung“ markiere eine neuralgische Stelle des Projekts (Wolfgang Brauneis). Vorstand Martin Bredenbeck schlug vor, die Kongresshalle auf der Roten Liste dieses Verbands aufzunehmen, die auf bedrohte Denkmäler aufmerksam machen soll.[73]"(Wikipedia)


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