02.01.2026, 13:20
„Der Prachtbau sackt ab“, so stand es im Mai 2025 in der Ostseezeitung, das sagte auch die Oberbürgermeisterin am 1. Juli im NDR und bezog sich dabei auf ein vorhandenes Gutachten. Es war im gleichen Sinne in anderen Medien so zu verstehen. Meine erste Reaktion war: das Gebäude sackt nicht ab, und dann: das Gutachten sagt das an keiner Stelle!
Natürlich darf eine Stadt über eigene Gebäude auch in der Weise verfügen, dass sie bestehende Denkmalwidmung aufheben lässt, einem Verkauf zum Abriss nicht im Wege steht und hier einem Neubau als Ersatz zustimmen würde. Sie darf mit dem Gebäude auch etwas völlig Neues tun. Das darf die Stadt alles, wenn die Bürgerschaft zustimmt und die Stadtverwaltung es so behandeln will.
Was die Stadt allerdings nicht darf ist: Sie darf die Bürger der Stadt nicht mit fachlich falschen Argumenten über die Unausweichlichkeit ihrer Entscheidung in die Irre führen. Im Moment wird so getan, als würde sich ein fachlich gutes Gutachten von drei Rostocker Ingenieuren in dem Sinne äußern, dass eine Nutzung des Hauses eine Gefahr für Leib und Leben von Mietern und Besuchern ergäbe. Allerdings steht in diesem Gutachten eine solche Schlussfolgerung nicht drin.
Außerdem ist festzustellen, dass die meisten sichtbaren Schäden in den Geschossen und im Kellerbereich und Risse in Fassaden auf die Bombardements von 1942 rings um das Museum herum zurückzuführen sind. Sie sind also über 80 Jahre alt.
Aber nun wird das Museum auf lange Zeit, vorerst bis Mitte 2027, am 31.12.2025 geschlossen…
Natürlich sind umfangreiche Sanierungsaufgaben zu bewältigen, aber das kann man in langer Zeit in Ruhe schrittweise planen. Das muss nicht übers Knie gebrochen werden, weil ja zur Zeit der Theaterbau, der Rathausanbau neben allen anderen Bauaufgaben der Stadt alle Kräfte binden.
Einigkeit sollte deshalb eigentlich darin bestehen, das Gebäude so schnell wie möglich wie bisher weiter als Begegnungs- und Kulturstätte zu nutzen und mit ausreichend Zeit ein sinnvolles Sanierungssystem mit Unterstützung aus der Bevölkerung, der Wirtschaft und der Fördermöglichkeiten zu organisieren.
Dazu sollte die Stadt sich bekennen und nicht ein Verschwinden eines solchen denkmalgeschützten Prachtbaus, wie es das große Museum von 1858 ist, langfristig in Kauf nehmen.
Architekt Gerd Vogt Dezember 2025