• Nach den schrecklichen Überschwemmungen in NRW und der Pfalz: Umweltforscher, Stadtplaner und Hydrologen fordern übereinstimmend mehr Schwammwirkung in der Landschaft

    at 26 Jul 2021 12:41

    Am 15. und 16. Juli ereignen sich in NRW und der Pfalz schreckliche Überflutungen, viele Häuser werden zerstört, Menschen verlieren in den Fluten ihr Leben.

    Unser Mitgefühl gilt den Betroffenen und den Familien der Opfer.


    Infolge dessen finden Umweltwissenschaftler, Hydrologen und Stadtplaner vermehrt in den Medien Gehör, die für eine andere Form der Hochwassersicherung eintreten.



    Interview mit Prof. Christian Albert in der aktuellen Stunde des WDR (Link leider nur bis 1. 8. 2021 abrufbar)

    WDR Aktuelle Stunde vom 25.07.2021
    www1.wdr.de/fernsehen/aktuelle-stunde/alle-videos/video-studiogespraech-prof-christian-albert-geograph-ruhr-uni-bochum-100.html

    Seine Aussagen zusammengefasst: rein technischer Hochwasserschutz (Deicherhöhungen, Schutzmauern, Rückhaltebecken) in Risikogebieten allein kann nicht ausreichen. Zusätzlich und ausserhalb von Hochrisikogebieten braucht es naturbasierte Lösungen, z. B. Flussauen zur Wasserversickerung, Retentionsraum schaffen, Flussauen wieder anbinden, Schwammwirkungen wieder herstellen, Abflüsse verlangsamen. "Mehr Grün und Blau in die Städte bringen", darüber hinaus Schwamm-Landschaften entwickeln, breitere Gewässer-Randstreifen schaffen, Anlage von Fließ- und Stillgewässern, die das Wasser besser halten können.



    Stadtplaner Dreiseitl aus Überlingen fordert u. a. das Halten des Niederschlags in der Fläche

    Südkurier vom 23.Juli 2021
    www.suedkurier.de/region/bodenseekreis/ueberlingen/stadtplaner-dreiseitl-zur-hochwassergefahr-auch-wenn-wir-alles-aufbuddeln-um-unsere-kanalisation-zu-vergroessern-wuerde-das-nicht-ausreichen;art372495,10867211

    "Auch wenn wir alles aufbuddeln, um unsere Kanalisation zu vergrößern, würde das nicht ausreichen

    Die Kanalsysteme wären auch hier in der Region durch so viel Wasser überlastet, wie es in anderen Regionen Deutschlands herunterkam."
    Herbert Dreiseitl, interdisziplinärer Stadtplaner, fordert ein Umdenken bei den Ingenieuren. Der Überlinger schlägt Lösungen für das Halten des Wassers an den Oberflächen vor.

    Freiburg denkt um bei der Planung eines Neubaugebietes unterhalb eines Rückhaltebeckens des Bohrerbaches.

    SWR vom 23.07.2021
    www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/suedbaden/jahrhundert-hochwasser-freiburg-wappnet-sich-und-investiert-millionen-100.html

    Markus Weiler, Hydrologe an der Universität Freiburg: "Natürlicherweise braucht ein Bach auch einen gewissen Bereich, wo er sich ausdehnen kann. Und wenn diese Auen oder Bereiche anderweitig genutzt sind durch Gebäude, durch Siedlungen, durch Industrie, dann kann es natürlich in solchen Fällen immer wieder zu Konflikten kommen. Ja, der Bach braucht mehr Platz, als wir Menschen ihm geben." [...] Der Hydrologe Markus Weiler fordert Bürger in betroffenen Gebieten viel stärker zu sensibilisieren und Gewässern an vielen kleinen Stellen Platz zurückzugeben durch "dezentrale Maßnahmen, kleinräumige Retentionsflächen, kleinräumige Landnutzung, so dass einfach ein größeres Schwamm im Einzugsgebiet vorhanden ist um das Wasser zurückzuhalten." [...] Am anderen Ende der Stadt, wo der Bohrerbach inzwischen Dietenbach heißt, will die Stadt Freiburg ein komplett neues Wohnviertel für 16.000 Menschen bauen. Ausgerechnet mitten in einem Überschwemmungsgebiet. Dank des Bohrerdamms kein Problem, sagt die Stadt. Dennoch, die jüngste Flutkatastrophe macht nachdenklich, so Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag, "weil wir einfach sehen: Das ist ein Effekt der letzten Jahre, dass diese Starkregen-Ereignisse zunehmen und dass auch komplett unkritische Bäche, die wir eigentlich als harmlos eingestuft haben, auch bei solchen Ereignissen richtig kritisch werden können. Ich glaube, das haben wir jetzt mal wirklich eindrucksvoll gesehen und das müsste uns eigentlich jetzt nochmal zum Nachdenken bringen."

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