• Im Tauziehen um die neue Turmbergbahn beschafft Grünen-Parlamentarierin Fakten.

    at 30 Apr 2021 20:39

    Im Tauziehen um die neue Turmbergbahn beschafft Grünen-Parlamentarierin Fakten.

    Der geplante Ersatz der Turmbergbahn in Durlach durch eine 200 Meter längere Standseilbahn beschäftigt jetzt auch das Verkehrsministerium in Stuttgart. In der Debatte um das Projekt geht es um Geld und die geplante starke Veränderung der Bergbahnstraße. Statt des grünen Magnolien-Mittelstreifens soll das Gleis zwischen 1,80 Meter hohen Zäunen durch die Wohnstraße führen. Bei der heutigen Talstation an der Turmbergstraße kommen laut Plan durch eine Unterführung nur Fußgänger und Radfahrer. Die neue Talstation soll an der B3/Grötzinger Straße stehen.
    Eine Verlängerung ist weder erforderlich noch politisch notwendig.

    Andrea Gerardi Mitglied der Grünen:
    Die Turmbergbahn in Durlach ist Deutschlands älteste noch betriebene Standseilbahn. Im Herbst 2022 erlischt ihre Betriebserlaubnis. 21 Millionen Euro wollen die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) für die Nachfolgebahn berappen. In Betrieb gehen soll sie im Frühjahr 2024. Das Regierungspräsidium Karlsruhe ist zuständig für das Planfeststellungsverfahren. Es soll im Sommer beginnen, parallel soll die Förderung durch das Land beantragt werden. Die Verkehrsbetriebe rechnen mit rund 60 Prozent Förderung.
    Der Ortschaftsrat Durlach hat die Pläne unisono befürwortet, der Karlsruher Gemeinderat mehrheitlich. VBK-Aufsichtsrat und Gemeinderat wollen die Pläne allerdings verwerfen, falls das Land weniger als 50 Prozent Zuschuss bewilligt. Die SPD im Ortschaftsrat prescht außerdem jetzt vor mit der Forderung, die VBK möge ihre Unterlagen für den Planfeststellungsantrag vorlegen. Die Begründung: Angesichts des bisherigen Verfahrensgangs entstehe der Eindruck, dass „der Ortschaftsrat über die zu bewältigenden Probleme der Planung – unter anderem Auswahl der Unternehmen, alternative Planungen und Fahrzeuge, Passagierzahl, Einpassung in Natur und Landschaft, vermeintliche Kosten der Mittelstation, alternative Planung des Fußgänger- und Kraftfahrzeugverkehrs – unvollständig oder gar nicht informiert wurde“.
    Eine „Interessengemeinschaft Zukunft Turmbergbahn“ will das Projekt verhindern oder Änderungen durchsetzen. Eine Online-Petition gegen die Verlängerung der Turmbergbahn in der aktuell geplanten Form läuft. Sie hat derzeit gut 4.600 Unterstützer, darunter mehr als 3.500 aus Karlsruhe. Die Petition richtet sich an Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) und den baden-württembergischen Landtag. Auch in Leserbriefen an die BNN wird weiter lebhaft über die künftige Standseilbahn gestritten.
    Die Karlsruher Landtagsabgeordnete Ute Leidig (Grüne) hat ihren Parteifreund, Verkehrsminister Winfried Hermann, mit der Sache befasst und dessen Antwort auf ihrer Website veröffentlicht. Unter dem Titel „Sanierung und Verlängerung der Turmbergbahn in Karlsruhe-Durlach“ listet Hermann in seinem Schreiben auf, wann Zuschüsse vom Land für die neue Turmbergbahn fließen.
    Voraussetzung Nummer eins ist, dass für die Standseilbahn die Ticketpreise des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) gelten. Vollständige Barrierefreiheit ist Anforderung Nummer zwei. Beides sieht die Planung der Karlsruher Verkehrsbetriebe vor. Schließlich geht es um ein positives Verhältnis von Kosten und Nutzen. Die Kosten für barrierefreie Gestaltung würden dabei nicht veranschlagt. Stiegen durch die Verlängerung die Fahrgastzahlen und nehme der Autoverkehr ab, werde das als Nutzen angerechnet. Wörtlich heißt es weiter: „Eine Förderung erscheint auch möglich, wenn die Turmbergbahn lediglich saniert und dabei barrierefrei ausgebaut wird.“
    An dieser Aussage hakt Andrea Gerardi ein. Sie ist von Anfang an bei der „Interessengemeinschaft Zukunft Turmbergbahn“, strikt gegen die Verlängerung – und Mitglied der Grünen. „Ich kann überhaupt nicht verstehen, wie kurzsichtig meine Parteifreunde diese Verlängerung mit angestoßen haben, wenn man die Auswirkungen auf das gesamte Umfeld und das Naturschutzgebiet berücksichtigt“, sagt die Durlacherin, die in der Nähe der Turmbergbahn wohnt.
    Dem Schreiben des Verkehrsministers sei ja zu entnehmen, sagt Gerardi, dass eine einfache Sanierung der bisherigen Strecke ebenfalls förderfähig sei. „Eine Verlängerung mit allen offensichtlich noch kaum ausreichend untersuchten Konsequenzen ist also weder zwingend erforderlich noch politisch notwendig, um unser geliebtes Turmbergbähnle weiter betreiben zu können“, schlussfolgert sie. Das „Schreckgespenst“, dass die Bahn ganz stillgelegt werden könne, sei damit vom Tisch. Für eingeschränkt mobile Menschen müsse es ein alternatives Angebot für die kurze Strecke geben, findet die Gegnerin der Seilbahnverlängerung, „zum Beispiel einen autonomen Elektrobus, wie er jetzt im Weiherfeld verkehrt“.
    Zankapfel: Der blühende Mittelstreifen der Bergbahnstraße in Durlach soll der Verlängerung der Turmbergbahn weichen. Statt Gras und Bäumen sollen hier künftig die Schienen der neuen Bahn verlaufen, flankiert von 1,80 Meter hohen Zäunen.
    Kirsten Etzold, BNN vom 28.04.2021,

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