04.01.2026, 10:52
Ergänzung des Petitionstextes um eine nähere Erläuterung zu den Inhalten von "Kirche im Wandel"
Neuer Petitionstext:
Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens steht vor großen Veränderungen. MitDie demKirchenleitung bereitet daher einen weiteren, extrem weitreichenden Zentralisierungsschritt vor. Im bisher vorliegenden Zwischenbericht (www.kirche-im-wandel.org) wird die derzeitige Situation in den Gemeinden zwar in vielerlei Hinsicht treffend formuliert und es werden gute Ziele ins Auge gefasst. Die Lösungsvorschläge, die aus Perspektive der Kirchenleitung gemacht werden, drohen an vielen Stellen jedoch, die Probleme zu verschärfen.
Statt die Erfahrungen bisheriger Strukturanpassungen grundlegend auszuwerten und die Kirchgemeinde vor Ort zu stärken, setzt das Papier erneut auf größere, weiter entfernte und komplexere Strukturen. Dadurch drohen genau jene Defizite weiter verschärft zu werden, die selbst als problematisch beschrieben werden, und doch vielfach hausgemacht sind: der Verlust von Nähe, Verantwortung, Beziehung und geistlicher Verortung. Die angekündigten Zugewinne an Freiheit und Gestaltungsspielraum vor Ort bleiben dabei unbegründet und erscheinen aus der Perspektive der Gemeinden wenig glaubwürdig.
Konkret z.B. (Zitate aus „Kirche im Wandel“ liegtsind jeweils fett hervorgehoben):
• „Die Arbeitsgruppe soll ausdrücklich in ihrer Arbeit die Entscheidungen von „Kirche mit Hoffnung in Sachsen“ [2016] reflektieren …“ (S. 4). Statt eine umfassende und ehrliche Evaluierung von „Kirche mit Hoffnung“ insbesondere durch die Basis vorzunehmen, soll sich bereits in die nächste Reform der Reform (die eigentlich bis 2040 Ruhe versprach) gestürzt werden. „Die Zahl der Kirchgemeinden als Körperschaften öffentlichen Rechts soll sich deutlich und entsprechend reduzieren.“ (S. 13).
• „Der Bezug zum Kirchgebäude und zum Pfarrhaus, zu Mitarbeitenden und zu örtlichen Traditionen ist im Bewusstsein vieler gemeindekonstituierend … Gemeindeglieder wiederum verlieren den Kontakt zu den für sie zuständigen Hauptberuflichen, weil diese schlicht zu weit weg oder nicht mehr wahrnehmbar sind.“ (S. 7). Statt wieder auf vertrauensbasierte Beziehungen zu konkreten, vor Ort verantwortlichen Ansprechpartnern zu setzen, sollen die Hauptamtlichen in einer großen „Ermöglichungswolke“ mit komplexen Zuständigkeiten angestellt werden, was das beschriebene Problem weiter verschärfen wird. „Die [massiv vergrößerte] Kirchgemeinde als Körperschaft öffentlichen Rechts ist Anstellungsträger.“ (S. 13). • „Die letzten Strukturreformen bzw. -anpassungen haben dazu geführt, dass bei vielen das „Körpergefühl“ für die Gemeinde verlorengegangen ist. Die neuen Strukturverbindungen waren und sind nur bedingt in der Lage, die notwendige Verbundenheit mit der „Kirche vor Ort“ zu gewährleisten.“ (S. 7). Statt den „Körper“ der Gemeinde vor Ort nicht weiter ausbluten zu lassen, sollen zukünftig die wichtigen Personal- und Finanz-/Sach-Entscheidungen in noch größeren Strukturen getroffen werden, weit weg vom Ort, wo diese Entscheidungen ihre Wirksamkeit entfalten. „[Der Kirchgemeinde] ordnet die Landeskirche entsprechend der Gemeindegliederzahl Personal und Finanzen zu. Die Kirchgemeinden erhalten Gestaltungsspielräume für die jeweiligen Ortsgemeinden.“ (S. 13).
• “Unsere Strukturreformen, die den Raum der Gemeinde größer gemacht haben, müssen die Frage beantworten, inwieweit sich Gemeinden in ihnen noch als „Versammlungen von Gläubigen“ verwirklichen.“ (S. 9). Statt die Vergrößerungen zu hinterfragen und die Kirchgemeinde vor Ort als vollwertige Kirche auch praktisch zu stärken, wird sie im weiteren Text zur „Zelle“ degradiert, die erst in etwas Größerem zum Organ oder gar zum Leib Christi beitragen aber niemals werden soll. Der Verweis darauf, dass Ekklesia neben der Ortsgemeinde auch die weltweite Gemeinschaft aller Christen bezeichnet, vermag nicht schlüssig zu begründen, warum das organisatorische Zentrum gerade in großräumigen Zwischenstrukturen verortet werden sollte. „Kleine örtliche Gemeinden wiederum benötigen eine Weitung ihres Körpergefühls, um ihre Lebensfähigkeit nicht zu verlieren. Eine einzelne Zelle kann ohne den Organismus nicht sein, ein umfassenderOrgan Entwurfnicht vor,ohne derden vorLeib.“ allem auf größere, zentralisierte Strukturen setzt. (S.9).
Doch viele Gemeinden erleben bereits: Je größer die Einheiten, desto weniger Nähe – und desto weniger Raum für beziehungsgetragenes Gemeindeleben.Wir sind überzeugt: Der Weg in immer größere Strukturen ist nicht alternativlos.Mit unseren 14 Thesen für eine Kirche von unten haben wir eine Alternative vorgelegt:
- näher an den Menschen,
- stärker in der Gemeinde verwurzelt,
- subsidiär,
- vertrauensbasiert,
- theologisch klar begründet.
Eine Beschlussfassung über eine weitere Strukturreform durch die Landessynode bedarf zunächst
- der Evaluation der bisherigen Strukturreformen,
- der Diskussion in den Kirchgemeinden,
- der Anhörung aller relevanten Gruppen und Meinungen sowie der ausführlichen Abwägung durch die Landessynode.
Neue Begründung:
Deshalb fordern wir:
- der Landessynode für einen langfristigen Prozess die erforderliche Zeit zu geben.
- Alternative Ansätze, wie die der Basisinitiative Kirche von unten, sollen durch Kirchenleitung und Landessynode gleichberechtigt in den Entscheidungsprozess einbezogen werden.
Alle Glieder unserer Landeskirche – Gemeindeglieder sowie Haupt- und Ehrenamtliche – sollten über mehrere Zukunftswege beraten und entscheiden können, statt nur über einen einzigen Reformvorschlag, der befürchten lässt, dass die Kirchgemeinde vor Ort weiter entrechtet, enteignet und entfremdet werden könnte.
- Mit Gottvertrauen statt Strukturangst wächst Mut zu neuen Wegen.
- Mit Vertrauen in die Kirchgemeinden vor Ort entsteht Kreativität, Verantwortung und Engagement – auch und erst recht bei sich reduzierenden finanziellen Möglichkeiten.
- Mit echter Beteiligung, d.h. Übertragung von Verantwortung und Entscheidungsbefugnissen an die Kirchgemeinden vor Ort kann unsere Kirche lebendig bleiben – nicht trotz kleinerer Strukturen, sondern gerade wegen ihnen.
Darum bitten wir um Ihre Unterstützung: Unterzeichnen Sie diese Petition online oder auf Papier. Geben wir Kirche von unten die Chance, als gleichwertige Option in die Zukunftsdebatte unserer Landeskirche einzutreten. Bitte teilen Sie diesen Aufruf in Ihren Gemeinden und Kreisen!Gern laden wir Sie zudem herzlich zur konkreten Mitarbeit bei unseren (oft virtuellen) Initiativkreistreffen ein. Jeder ist willkommen. Wir sind eine Gruppe vieler Ehren- und Hauptamtlicher und diskutieren in Themen-Arbeitsgruppen die organisatorischen, finanziellen, rechtlichen und viele weitere Aspekte von Kirche von unten. Schreiben Sie uns einfach eine Email an email@kirchevonunten.de.
Mehr Infos und weitere Unterstützungsmöglichkeiten unter www.kirchevonunten.de
Kirche von unten - Cyrkej wot deleka
14 Thesen zum Zwischenbericht „Kirche im Wandel“Mit großer Sorge beobachten wir die Strukturpläne „Kirche im Wandel“ in unserer sächsischen Landeskirche. Wandel ist nötig, jedoch:
1. Das Fundament ist das Wort Gottes, welches das kirchliche Amt als Dienst beschreibt (Mt 23,11), nicht als Herren über die Gemeinde sondern als Vorbilder der Herde zu wirken (1. Petr 5,3).
2. Die Reformation hat gegen die zentralistische, hierarchische Papstkirche mit den Organisationsprinzipien Demokratie und Subsidiarität die Kirchgemeinde vor Ort als Basis kirchlichen Lebens ins Zentrum gerückt. Dieser Zustand muss wieder hergestellt werden. Voraussetzung dafür ist das Vertrauen in die Entscheidungskompetenz der Gemeinden.
3. Die Kirchgemeinde ist der zentrale Bezugspunkt, an dem kirchliches Wirken erfahrbar wird. Deshalb braucht sie verbindliche persönliche Beziehungen und nahe Ansprechpartner.
4. Die Körperschaft des öffentlichen Rechts bleibt die angemessene Rechtsform der Gemeinden.
5. Die Größen bzw. die Organisationsstrukturen der Zusammenarbeit von Kirchgemeinden müssen von diesen selbst und freiwillig bestimmt werden.
6. Eigenverantwortung soll die grundsätzliche Handlungs- und Entscheidungsprämisse darstellen. Personal-, Finanz- und Sachentscheidungen, die die Gemeinde betreffen, sollen durch die Gemeinde entschieden werden.
7. Za serbske cyrkwinske žiwjenje je dalša marginalizacija we wulkej strukturje wosebity strach (Für das sorbische kirchliche Leben ist die weitere Marginalisierung in einer großen Struktur eine besondere Gefahr). Die regional und geschichtlich vielfältige Prägungen sowie die Stadt- / Landbesonderheiten sind Identitätsanker, die sich in den Strukturen wiederfinden müssen.
8. Die Voraussetzungen zur Anstellung im Gemeindedienst müssen flexibler gestaltet sein.
9. Das Ehrenamt ist mehr denn je unverzichtbar für das Leben unserer Gemeinden. Dies muss sich in den Entscheidungsbefugnissen für Kirchenvorstände und Gemeindeglieder niederschlagen.
10. Es muss ein grundsätzliches Umdenken in der Finanzierung der Kirche geben: Ein viel größerer Anteil der Kirchensteuern muss bei den Gemeinden bleiben. Was die Kirchensteuer nicht mehr finanziert, müssen die Gemeinden selbst aufbringen dürfen. Selbstverständlich soll die Landeskirche weiterhin auf dem Solidaritätsprinzip beruhen, schwächere Gemeinden werden unterstützt, übergemeindliche Aufgaben werden gemeinsam getragen.
11. Die Verbeamtungen in unserer Landeskirche sollten ernsthaft in Frage gestellt werden.
12. Die mittleren Ebenen (Kirchenbezirke, Regionalkirchenämter) sind in Ihrer Funktion zukunftsfähig auszugestalten und an den Bedarfen der Kirchgemeinden auszurichten. Sie dürfen nicht pauschal weiter vergrößert werden.
13. Durch die Rückgabe von Verantwortlichkeiten an die Gemeinden können effizientere Leitungsstrukturen entstehen. So wird auch das Landeskirchenamt entlastet und kann seinen Beitrag zu erforderlichen Einsparungen leisten.
14. Die geistliche Leitung unserer Landeskirche und in den Gemeinden müssen jeweils von der Leitung der Verwaltung getrennt werden.
Unterschriften zum Zeitpunkt der Änderung: 100