15.10.2026, 09:19
Doch keine neuen Schulen im Landkreis!?
In der Allgemeinen Zeitung vom 15.10. gibt es ein Interview mit dem Landrat Thomas Barth, in dem er sich auch zum Thema neue Schulen im Landkreis äußert:
Er dementiert nicht, dass die Vorhaben „ins Stocken geraten“ seien und sagt, man müsse die Schülerzahlen und Realisierungszeiten im Blick behalten.
Wird es also kein neues Gymnasium geben? Es wurde zu lange nichts gemacht und deshalb ist es jetzt zu spät? Werden stattdessen die IGSen in Ingelheim und Nieder-Olm sechszügig?
Hier der Wortlaut:
„Ein weiteres großes Thema waren die Anträge für zwei neue Schulen im Landkreis, ein Gymnasium in Stadecken.Elsheim und eine IGS in Mommenheim. Offenbar sind die Vorhaben ins Stocken geraten. Wie bitter ist es, wenn keine der Schulen gebaut wird?
Ich würde nicht in Begeisterungsstürme ausbrechen, das ist klar. Andererseits müssen wir die Schülerzahlen und die Realisierungszeiten im Blick behalten. Deswegen sind wir mit allen Beteiligten in Gesprächen, um am Ende die besten Lösungen zu finden.
Der Koalitionsvertrag der Landesregierung ermöglicht die Erweiterung von IGSen auf sechs Züge.Wäre das eine Option, um Kapazitäten zu schaffen?
Wir führen Gespräche mit allen Beteiligten und suchen nach den besten Lösungen. Mehr kann ich zum jetzigen Zeitpunkt dazu nicht sagen.“
Allgemeine Zeitung vom 15.10.2026, S. 16.
Das könnte mir ja egal sein. Es betrifft mich persönlich nicht. Meine Kinder haben Plätze an einer IGS. Es ist schlecht für meinen Blutdruck und kostet viel Zeit und Nerven. Es wäre mir vielleicht besser egal.
Aber es ist mir nicht egal.
Und es sollte Ihnen auch nicht egal sein, weil:
- Allein an den IGSen Ingelheim und Nieder-Olm wurden in diesem Jahr 254 Kinder abgelehnt. 254 Familien verzweifelt. Jedes Jahr. Und es werden mehr.
- „Die Schule ist keine Verwahranstalt, in der man sich seine Noten abholt. Da findet Kindheit statt.“ Aladin El-Mafaalani
- Die PISA-Ergebnisse: Die Leistungen sinken immer weiter. Bildung braucht jetzt Unterstützung. Angefangen beim Schulbau. Der sozioökonomische Hintergrund bestimmt immer mehr die Leistungen: „Zwischen 2015 und 2025 vergrößerte sich in Deutschland der Leistungsabstand in Naturwissenschaften zwischen den obersten und den untersten 25 % der Schüler*innen bezogen auf den sozioökonomischen Status, während er sich im OECD-Durchschnitt verringerte. In diesem Zeitraum haben sich die Leistungen der sozioökonomisch benachteiligten Schüler*innen verschlechtert, während sie bei den sozioökonomisch begünstigten Schüler*innen stabil blieben.“ (PISA 2025 Ergebnisse, S. 7). Wir brauchen mehr Schulen. Für Bildungsgerechtigkeit. Jetzt. Die Schülerinnen und Schüler nehmen wahr, was Bildung den Erwachsenen Wert ist: „(…) 31 % gingen in Schulen, in denen der Unterricht durch fehlende materielle Infrastruktur (z. B. Gebäude, Außenanlagen,Heizung/Kühlung, Licht- und Akustikanlagen) beeinträchtigt wurde. 2022 lagen die entsprechenden Anteile bei 28 % bzw. 30 %.“ (PISA 2025 Ergebnisse, S. 8). Das darf so nicht bleiben. Wie soll man das den Kindern erklären? Wollen wir warten bis es eskaliert wie in Frankreich?
- Wenn man Jahrzehnte lang die Entwicklung der Schülerzahlen ignoriert, kann man sich jetzt nicht mir Realisierungszeiten herausreden. Was jetzt nicht passiert, wird den „Bildungslandkreis“ die nächsten Jahrzehnte prägen.
- „Wir sollten die Schülerzahlen im Blick behalten“, sagt Herr Barth. Ja, denke ich auch. Es wird jetzt noch schlimmer bis zum Jahr 2033, dann wird es wieder so schlimm wie es jetzt ist.
Was machen wir jetzt?
Antworten Sie gerne. Ich bin gespannt und grüße freundlich
Nicolas Krahwinkel