Petition richtet sich an:
Oberbürgermeister Sven Schulze, Stadtverwaltung Chemnitz
Die Chemnitzer Stadtverwaltung hat in der jüngst in der Presse [Freie Presse am 20.4.2026] veröffentlichten Liste von Vorhaben für die Verwendung von Infrastrukturmitteln erkennen lassen, dass sie die Idee vorantreibt, Schauspiel und Oper im Opernhaus am Theaterplatz zusammenzulegen und keine Mittel für einen Neubau oder die Sanierung des Schauspielhauses einzuplanen.
Dieser jüngsten Entwicklung im Streit um den Standort des Chemnitzer Schauspiels gingen Diskussionen um zwei Varianten für den zukünftigen Standort des Sprechtheaters voraus.
Einerseits gibt es den wegen Sanierungsbedarfs geräumten alten Standort des Schauspielhauses am Park der Opfer des Faschismus (Zieschestraße). Andererseits wurden Pläne präsentiert, im Hof der historischen Fabrikanlagen des ehemaligen Spinnereimaschinenbaus ein neues Theater zu errichten. Der Spinnereimaschinenbau ist auch der Standort der gegenwärtigen Interimsspielstätten des Schauspiels und des Figurentheaters.
Mit der neuesten Planung, mindestens die Sparten Schauspiel, Ballett und Oper im Opernhaus zusammenzuführen, sollen in erheblichem Maße Mittel für Bau oder Sanierung des Theaters gespart werden, die an anderer Stelle für Infrastrukturmaßnahmen der Stadt verwendet werden können.
Nach unserer Ansicht kann die Zusammenführung der Theater-Sparten im Opernhaus nur zu einer Reduzierung des kulturellen Angebotes durch die Theater Chemnitz führen.
Wir fordern:
- den Erhalt einer eigenen Spielstätte für das Sprechtheater (Schauspielhaus) und
- die Sanierung des alten Schauspielhauses am Park der Opfer des Faschismus (Zieschestraße) sowie
- die Einplanung entsprechender Mittel aus dem Infrastrukturpaket.
Begründung
Die von Teilen der Bevölkerung und vielen Akteuren aus dem Chemnitzer Kulturleben sehr engagiert geführte Diskussion um den Standort des Sprechtheaters in Chemnitz ist an erster Stelle ein Streit für die Kultur in der Stadt, für das Theater Chemnitz mit seiner über 200-jährigen Tradition und seinem ausgezeichneten Renommee. Dabei geht es selbstverständlich auch um eine kostengünstige und finanzierbare Variante, um gute Arbeitsbedingungen am Theater und um effektive technisch-organisatorische Abläufe im Theaterbetrieb.
Aus Sicht des Viadukt e.V., des Stadtforums Chemnitz und vieler Chemnitzer Bürgerinnen und Bürger zieht die Stadtverwaltung die völlig falschen Konsequenzen aus der Diskussion um den Standort des Schauspielhauses.
Aus folgenden Gründen sollte unbedingt ein eigenständiges Schauspielhaus erhalten werden:
- Die Priorisierung des Opernhauses und die daraus folgende Idee einiger Stadträte zur Integration des Sprechtheaters in das Opernhaus kann nur zu einem Rückgang des Angebotes der Theater Chemnitz und damit zu einem Kulturabbau führen. Im Jahr 1 nach der Kulturhauptstadt Chemnitz und wenige Wochen vor dem Beginn des Festivals "Theater der Welt" in Chemnitz ist das ein katastrophales Zeichen für die zukünftige Kulturpolitik der Stadt Chemnitz.
- Die Zusammenlegung der Spielstätten nimmt allen Theater- und Veranstaltungsformen jenseits der großen klassischen Theaterbühne (z.B. Studiobühne „Ostflügel“, „Nachtschicht“-Formate, Theaterjugendclub, Schultheaterwoche , etc.) den Raum. Diese Formate sollten eher ausgebaut und nicht reduziert werden, da sie neue Zuschauergruppen gewinnen können und oft geeigneter sind, Menschen an das klassische Theater heranzuführen.
- Die große Opernbühne ist nur eingeschränkt für das Sprechtheater geeignet und würde zu vielen Kompromissen für das Sprechtheater zwingen. Damit sinkt die Attraktivität des Theaters für herausragende Künstler und damit auch die künstlerische Qualität und die Ausstrahlungskraft des Theaters und folglich auch die Attraktivität für das Publikum.
Aus den folgenden Gründen sehen wir das alte Schauspielhaus am Park der Opfer des Faschismus als beste Wahl für den Standort des Schauspielhauses an:
- Der Vorschlag eines Neubaus auf dem Gelände des Spinnereimaschinenbaus ist mit den veranschlagten 56 Millionen Euro sehr teuer. Die präsentierten Kostenschätzungen decken nur einen Teil der erwartbaren Kosten ab und basieren nicht auf einem konkreten Entwurf. Es bestehen erhebliche Kostenrisiken und die für die Grundstücke aufzuwendenden Mittel sind nicht erfasst. Zudem sind alle Unterhaltskosten für den Neubau größer als für das alte Theater und es würden wohl Fördermittel für die Sanierung des Schauspielhauses verloren gehen.
- Die Stadt Chemnitz besitzt mit dem Schauspielhaus am Park der Opfer des Faschismus ein gut geeignetes (wenn auch nicht ideales) Theater. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, da es ein herausragendes Baudenkmal aus der DDR-Zeit ist.
- Viele Aspekte der Stadtplanung und Stadtentwicklung sprechen für den zentrumsnahen Standort am Park der OdF. Das Schauspielhaus erfüllt dort eine städtebaulich kaum ersetzbare Funktion am Rande des Stadtzentrums, welches jetzt mit der Bebauung der Johannisvorstadt dichter zusammenrückt.
- Die Planung des Architekturbüros Fellendorf GmbH bietet eine solide Grundlage für die Sanierung des Schauspielhauses. Die hier ermittelten Sanierungskosten betragen 34 Mio. Euro, mit Kostenentwicklung 36 Mio. Euro. Eine künstliche Hochrechnung dieser Kostenberechnung ist nicht gerechtfertigt.
- Für die Sanierung sollen immer noch die ursprünglich geplanten 16 Mio. Euro zur Verfügung stehen, davon 6 Mio. zugesagte Fördermittel und 10 Mio. Euro Eigenmittel der Stadt Chemnitz, so die Antwort von Baubürgermeister Thomas Kütter bei der Informationsveranstaltung am 26. und 27. Februar 2026 in der Stadtwirtschaft. Wenn zunächst auf ein zweites Bühnengebäude verzichtet und nur das bestehende Gebäude saniert und modernisiert wird, wäre das die kostengünstigste Variante, die ein eigenständiges Schauspielhaus sichert.
- Als Eigentümer des Baudenkmals Schauspielhaus ist die Stadt Chemnitz verpflichtet, das Denkmal zu erhalten. Das gelingt am besten, wenn es in seiner ursprünglichen Funktion weitergeführt wird. Mit einem Neubau an anderer Stelle wäre die Stadt von dieser Verpflichtung nicht befreit und müsste zusätzliche Mittel dafür bereitstellen.
Die Zuwendungen aus dem Sondervermögen sind eine einmalige Chance, den Sanierungsstau sowohl beim Schauspielhaus als auch beim Opernhaus aufzulösen. Deshalb sollte eine größere Summe davon auch dafür eingesetzt werden. Mit normalen Haushaltsmitteln wird das absehbar nicht zu realisieren sein. In ein Theater investiertes Geld ist gut investiertes Geld für eine kulturell reiche, lebenswerte Stadt!
Kultur ist wichtig.