Anpassung der Facharztweiterbildungszeit für Ärztinnen und Ärzte

Petition richtet sich an
Bundesärztekammer

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1.500 für Sammelziel

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  1. Gestartet Januar 2026
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Petition richtet sich an: Bundesärztekammer

An die Landesärztekammern, die Bundesärztekammer und das Bundesministerium für Gesundheit

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir, die Unterzeichnenden, fordern eine Reform der Facharztweiterbildungsordnung in Deutschland, damit Teilzeitbeschäftigte nicht länger unverhältnismäßig benachteiligt werden und die Weiterbildung kompetenzorientierter, effizienter und moderner gestaltet wird.

Derzeit wird Weiterbildung nahezu ausschließlich über Arbeitszeit definiert. Das führt dazu, dass sich die Facharztweiterbildung bei Teilzeit proportional verlängert – bei einer 50%-Stelle häufig auf zehn Jahre. Dieses Prinzip ist weder fair noch zeitgemäß, da es Lernfortschritt, Tätigkeitsprofil und tatsächliche Kompetenzentwicklung kaum berücksichtigt. Paradoxerweise müssen Teilzeitkräfte die gleiche Anzahl von CME-Punkte erbringen.

Teilzeit bedeutet nicht automatisch „weniger Weiterbildung“:
Teilzeitkräfte arbeiten häufig in den lernintensiven Kernzeiten des Klinikalltags (z. B. Vormittage mit Visiten, Diagnostik und Therapieplanung). Zudem leisten viele Teilzeitkräfte regelmäßig unbezahlte Mehrarbeit, die bislang nicht angemessen berücksichtigt wird. Gleichzeitig müssen sie dieselben Fortbildungsanforderungen (z. B. CME-Punkte) erfüllen.
Diese Regelung trifft besonders häufig Ärztinnen: Mütter arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit als Väter. Das verlängert Karrieren, reduziert Einkommen und verstärkt strukturelle Ungleichheit – und verschärft zugleich den Fachkräftemangel.

Lernpsychologische Erkenntnisse: Teilzeit kann effektiver sein
Neurowissenschaftliche Studien belegen, dass Lernen am besten in regelmäßigen, kurzen und intensiven Einheiten funktioniert, da das Gehirn Zeit benötigt, um neue Informationen zu verarbeiten und zu speichern.

  • Nachweislich verbessert regelmäßige Unterbrechung des Lernprozesses die langfristige Speicherung von Wissen („Spacing Effect“).
  • Übermäßige Lernbelastung führt zu Erschöpfung und einem Plateau in der Wissensaufnahme („Cognitive Load Theory“). Somit ist es ersichtlich, dass ein Arzt, der z. B. in Teilzeit an fünf Vormittagen pro Woche arbeitet, in einem Jahr mehr lernt als ein Vollzeitkollege in sechs Monaten mit langen Arbeitstagen.

Unsere Forderung

Weiterbildungszeit muss stärker kompetenz- und leistungsorientiert anerkannt werden – nicht ausschließlich nach Stunden.

Konkret fordern wir:

  • Bei einer 50%-Stelle eine Anerkennung der Weiterbildungszeit von mindestens 75%.
  • Einführung von kompetenzbasierten Zwischenprüfungen oder Lernerfolgskontrollen, um Fortschritt und Qualität transparent zu sichern.
  • Berücksichtigung des Tätigkeitsprofils (z. B. lernintensive Tätigkeiten stärker gewichten als administrative Routinetätigkeiten).
  • Orientierung an internationalen Modellen, die Kompetenzentwicklung stärker in den Mittelpunkt stellen.

Ziel ist eine gerechte, moderne und hochwertige Weiterbildung, die Teilzeit ermöglicht, ohne die Facharztanerkennung unnötig zu verzögern. Davon profitieren Ärztinnen und Ärzte, Kliniken — und vor allem Patientinnen und Patienten.

Wer weitergehende Informationen möchte, kann unten weiterlesen - bitte unterschreiben nicht vergessen :-)

Mit freundlichen Grüßen
Die Unterzeichnenden

Begründung

Weitergehende Informationen / Begründungen

Die Facharztweiterbildung ist ein zentraler Baustein der medizinischen Versorgung. Die derzeitige Anrechnungssystematik basiert jedoch überwiegend auf dem Grundsatz „Zeit = Erfahrung“. Das entspricht weder den Realitäten moderner Arbeitsmodelle noch aktuellen Erkenntnissen darüber, wie Menschen effektiv lernen und Kompetenzen entwickeln.

1) Chancengleichheit und Vereinbarkeit
Teilzeit wird häufig aus familiären Gründen gewählt. Da insbesondere Frauen nach der Geburt ihres Kindes deutlich häufiger in Teilzeit arbeiten als Männer, führt die aktuelle Regelung faktisch zu einer systematischen Benachteiligung: längere Weiterbildungszeiten, spätere Facharztanerkennung, geringeres Einkommen und eingeschränkte Karrieremöglichkeiten.

2) Fachkräftemangel und Versorgungssicherheit
Deutschland leidet in vielen Regionen und Fachrichtungen unter Ärztemangel. Jede unnötige Verlängerung von Weiterbildungszeiten bedeutet, dass Ärztinnen und Ärzte später als Fachärzte zur Versorgung beitragen können – obwohl ihre Kompetenz in vielen Fällen bereits früher ausreichend vorhanden wäre.

3) Lernpsychologie und Qualität
Lernen ist kein linearer Prozess nach „Absitzen“ von Stunden. Forschung zeigt, dass regelmäßiges, strukturiertes Lernen mit ausreichenden Konsolidierungsphasen häufig zu stabilerem Wissenserwerb führt als lange Überlastungsphasen. Eine Weiterbildung, die Kompetenzentwicklung überprüfbar macht, kann Qualität sogar erhöhen, statt zu gefährden.

4) Realitätsnähe: Tätigkeitsprofil & unbezahlte Mehrarbeit
Teilzeitkräfte arbeiten häufig zu Zeiten, in denen klinisch anspruchsvolle Tätigkeiten stattfinden (z. B. Vormittage). Gleichzeitig führen Dienstbelastung und Personalmangel in der Praxis oft zu unbezahlter Mehrarbeit, die in der Weiterbildung kaum abgebildet wird. Hier braucht es eine zeitgemäße, realitätsnahe Anerkennung.

5) Moderne Arbeitswelt und internationale Beispiele
Viele Gesundheitssysteme setzen stärker auf kompetenzbasierte Weiterbildung, die Lernfortschritt und Fähigkeiten sichtbar macht. Deutschland sollte sich an diesen Ansätzen orientieren, um Weiterbildung zukunftsfähig, attraktiv und fair zu gestalten.

Diese Petition steht für eine Facharztweiterbildung, die Leistung, Kompetenz und Qualität anerkennt – nicht nur Arbeitsstunden.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Priv.-Doz. Dr. med. Martin Weihrauch, Köln
Frage an den Initiator

Angaben zur Petition

Petition gestartet: 03.01.2026
Sammlung endet: 02.07.2026
Region: Deutschland
Kategorie: Gesundheit

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Warum Menschen unterschreiben

Selber Ärztin

Weil ich auch ärztin in Teilzeit bin

familiär betroffen

Ich teile die in dem Artikel beschriebene Sichtweise

Ich habe meine Weiterbildung zur Fachärztin mehrheitlich in Teilzeit ausgeübt. Dies ermöglichte mir u.a. zeitlich auch die TCM-Ausbildung mit Fähigkeitsanerkennung. Aus meinen Erfahrungen aus dem Klinikalltag zeigten sich gegenüber Vollzeittätigen keine prozentual entsprechende Verminderung der Weiterbildungskompetenz. Die Weiter-und Fortbildungseinheiten waren anstellungsprozentunabhängig erforderlich. Die Mehrzeit der Vollzeittätigen beinhaltete auch wesentlich nicht klinisch relevante Anteile. Die "arbeitsfreie und erwerbslose Zeit" ermöglichte mehr Erholung und Überdenkung der klinischen Erfahrungen. Ich fände es hilfreich, wenn Teilzeittätige bei Bestehen einer freiwilligen Kompetenzüberprüfung, ihre Weiterbildungszeit zur Anerkennung als Facharzt/Fachärztin, diese voll angerechnet bekämen.

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