Im Februar 2015 haben 6 Stalingrad-Veteranen an Frau Merkel geschrieben, siehe: www.tauroggen.net für Links und den vollständigen Antwortbrief mit Anmerkungen.

Lieber Maxim Matveyevich Zagorulko, Lieber Alexander Kolotushkin, Liebe Maria V. Sokolov, Lieber Mikhail Tereshchenko, Lieber Eugene F. Rogov, Lieber Alexander Yakovlevich Sirotenko,

wir sind Nachkommen der deutschen Kriegsgeneration und beantworten Ihren Brief an Bundeskanzlerin Merkel vom Februar 2015.

Wir können nachvollziehen, daß es Sie schmerzt, daß sich in der Ukraine - dem Herzland der russischen Kultur - eine nazistische Bewegung ausgebreitet hat. Wir verstehen, daß Sie besorgt sind, daß Menschen, die zu ihren russischen Wurzeln stehen, dort von einem diktatorischen Regime verfolgt werden. Wir entnehmen Ihrem Brief, daß Sie am Sinn Ihres Kriegseinsatzes von 1941-1945 und am Sinn der Opfer des Krieges zweifeln, nachdem dieses unwürdige Spektakel mitten im Frieden mit europäischer Unterstützung möglich wurde. Und daß Sie fürchten, daß deutsche Politiker nichts dazu gelernt haben könnten und diese Politiker glauben, Rußland alles zumuten zu dürfen, was gerade opportun ist. Wir können nachvollziehen, daß Sie befürchten, daß das Zeitalter der Kriege in Europa noch nicht vorbei sein könnte. Und daß Sie fürchten, daß wir noch einmal gezwungen sein könnten, gegeneinander zu kämpfen.

Wir meinen, daß die Ukraine-Politik der USA, der Europäischen Union und Deutschlands als Verrat an Rußland verstanden werden kann. Ihren Schmerz über diesen Verrat spüren wir.

Wir verurteilen diesen Verrat und entschuldigen uns bei Ihnen für die Lügen und den Opportunismus deutscher Medien und Politiker.

Es geschah nicht in unserem Namen, daß das von Europa unterstützte Kiewer Regime zwei Monate nach Amtsantritt am 2. Mai 2014 Dutzende von Demonstranten in Odessa verbrannt hat. Wir verurteilen, daß Zivilisten in der Ost-Ukraine mit Streubomben und Raketenwerfern angegriffen werden. Wir trauern mit Ihnen um die Opfer dieser vom Internationalen Währungsfonds IWF mit unserem Steuergeld finanzierten Aggression. Wir denken liebevoll an Inna Kukuruza, die als erstes Opfer am 2. Juni 2014 in Lugansk bei einem Luftangriff zerrissen wurde und auf offener Straße verblutet ist [1].

Die Mehrheit der Deutschen war in 2014 gegen eine Ausweitung der Sanktionen gegen Rußland [2] . Sechzig prominente Deutsche - darunter ex-Bundespräsident Roman Herzog und ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder haben am 5.12.2014 in der Zeitung DIE ZEIT einen Friedensappell an die Bundesregierung, den Bundestag und die Medien gerichtet [3].

Wir wünschen uns, mit Rußland, Amerika und Europa eine gerechte Welt zu gestalten.

Reason

Wir möchten Sie ermuntern, hoffnungsfroh in die Zukunft zu sehen. Wir sind davon überzeugt, daß es heute im Westen eigenständig denkende Offiziere gibt, die verantwortungslosen Politikern zu gegebener Zeit den Gehorsam verweigern werden. Zu unseren positiven gemeinsamen militärischen Traditionen gehört die Konvention von Tauroggen, die 30.12.1812, am Ende des französisch-russischen Krieges, unterzeichnet wurde. Damals hatte der preußische General Yorck, ein selbständig denkender Offizier, mit Zar Alexander die Neutralisierung des preußischen Korps vereinbart. So hatte er, anfangs gegen den Willen seines Königs, die Befreiung Europas von Napoleon und das Bündnis von Rußland, Preußen und Österreich eingeleitet, das Europa 100 Jahre Frieden gebracht hat.

Uns gefällt Puschkins Versroman Jewgeni Onegin. Darin lernt der Vertreter der Petersburger Gesellschaft auf dem Lande die natürliche Tatjana Larina kennen. Tatjana Larina ist für Puschkin die perfekte russische Frau, "Russin in der Seele". Ihre Natürlichkeit, seelische Reinheit und moralische Standfestigkeit faszinierte in Deutschland Generationen von Lesern. Sie verliebt sich in Onegin und schreibt ihm mutig einen Brief:

„Der Himmel will es: ich bin Dein; Mein Leben war dafür verpfändet, Dass Du mich triffst und löst es ein; Ich weiß es: Gott hat Dich gesendet, Mein Hüter bis ans Grab zu sein, Du bist mir oft im Traum erschienen, Ich liebt Dich, eh ich Dich gesehn, Dein Zauberblick ließ mich vergehn, Und Deine Stimme klang tief innen Mir längst das war kein Traum, viel mehr! Kaum tratst Du ein, und ich erkannte, Ich fühlte nichts mehr, ich entbrannte, Und sprach im Geiste: das ist Er!“

Onegin, der ein selbstbezogenes und oberflächlich glänzendes Leben führt und nicht an die Liebe glaubt, erteilt ihr eine Abfuhr. Nach vielen Jahren sieht er sie in Moskau wieder – verheiratet mit einem anderen, einem Fürsten – und merkt, daß er sie liebt – zu spät.

„Dann richtete sie auf den Gatten Den müden Blick noch und entschwand Und er blieb stehn wie festgebannt. Nun ist Onegin verliebt, doch Tatjana beachtet ihn nicht. Kein Zweifel: ach! Jewgeni war in Tatjana wie ein Kind verliebt; Und Tag und Nacht muss er erfahren, Wie Liebessucht ihn betrübt“ [4].

Wir möchten nicht, daß Deutschland das Schicksal von Jewgeni Onegin erleidet. Wir schätzen Ihr Land und was es für den Frieden tut und jeder von uns unternimmt alles, was in seiner Macht steht, um die von der US-Administration gesteuerte Berliner Regierung von ihrem Irrweg abzubringen. Es ist unser Wunsch, mit Rußland in Freiheit und auf der Basis christlicher Werte zusammenzuleben.

Wir danken Ihnen, daß Sie Kontakt aufgenommen und Ihren Brief geschrieben haben. Wir würden uns freuen, von Ihnen zu hören. Mit großer Hochachtung und Freude grüßen wir Sie.

Anmerkungen:

[1] Siehe Vera Graziadei: veragraziadei.com/2014/08/25/1092/

[2] ARD-Umfrage, zit.n. RIA Novosti, de.sputniknews.com/german.ruvr.ru/news/20141121/ARD-Umfrage-Mehrheit-der-Bundesburger-gegen-Ausweitung-der-Russland-Sanktionen-6030/

[3] ZEIT, 2014, www.zeit.de/politik/2014-12/aufruf-russland-dialog.

[4] Aus dem Russischen von Rolf-Dietrich Keil, zit.n. www.puschkingesellschaft.de

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