Petition richtet sich an:
Deutscher Bundestag Petitionsausschuss
Das Ehegattensplitting belohnt vor allem Ehen, in denen eine Person viel verdient und die andere wenig oder gar nichts. Das hält vor allem Frauen in Teilzeit, schwächt ihre eigene Rente, verschärft den Fachkräftemangel und passt nicht mehr zur Vielfalt heutiger Partnerschaften.
Deshalb wird gefordert: Das Ehegattensplitting soll für neue Ehen durch ein fiktives Realsplitting ersetzt werden - mit übertragbarem Freibetrag, aber ohne Steuerbonus für dauerhafte Einkommensungleichheit.
Begründung
Ehegattensplitting führt zur Teilzeit-Falle
Beim Ehegattensplitting werden die Einkommen beider Eheleute zusammengerechnet, halbiert, versteuert und danach wieder verdoppelt. Der größte Steuervorteil entsteht, wenn eine Person viel verdient und die andere wenig oder gar nichts.
Damit fördert das Steuerrecht ausgerechnet ein Modell, in dem eine Person finanziell abhängig bleibt. Besonders häufig betrifft das Frauen. Etwa die Hälfte der teilzeitbeschäftigten Frauen zwischen 45 und 66 Jahren gibt an, dass sich eine Ausweitung der Arbeitszeit für sie finanziell nicht lohnt. Durch diesen strukturellen Fehlanreiz bleiben sie in Teilzeit und bestehende Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt verfestigen sich.
Leere Rentenkassen
Mit fatalen Folgen: Wer jahrelang wenig verdient, baut kaum eigene Rentenansprüche auf. Frauen erhalten durchschnittlich weniger Alterseinkünfte als Männer und mehr als ein Fünftel der Frauen im Rentenalter gilt als armutsgefährdet.
Wirtschaftliches Potenzial, das brach liegt
Eine Reform könnte umgerechnet über eine halbe Million zusätzliche Vollzeitkräfte mobilisieren und das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 1,5 Prozent steigern. Das wäre ein konkreter Beitrag gegen den Fachkräftemangel, der seit Jahren in Deutschland herrscht.
Was das fiktive Realsplitting bedeutet
Beim fiktiven Realsplitting können Ehepaare einen Steuerfreibetrag flexibel aufteilen. Der Steuervorteil für Eheleute bleibt - nur nicht mehr in der bisherigen Höhe. Wer heute bereits verheiratet ist, für den gelten die bisherigen Regeln weiter. Und wer wegen Krankheit, Pflege oder Kinderbetreuung weniger arbeitet, verliert keine Absicherung: Der Freibetrag bleibt übertragbar, wird lediglich begrenzt.
Ein Gewinn für alle - egal wie Partnerschaft heute aussieht
Das aktuelle System setzt nicht nur Frauen unter Druck. Es zwingt auch Männer oft in die Rolle des Hauptverdieners, ob sie das wollen oder nicht. Und es passt schlicht nicht mehr zur Realität: Heute leben Menschen in den verschiedensten Konstellationen - mal verdient sie mehr, mal er, mal teilen beide Erwerbs- und Sorgearbeit bewusst gleichmäßig auf. Das Steuerrecht von 1958 bildet das nicht ab. Eine gerechtere Steuerregel schafft echte Wahlfreiheit: für beide Personen, für jede Lebensform, für jede Familie.
Quellen
Steuervorteile abschaffen