Fahrzeit ist kein Privatvergnügen

Petent/in nicht öffentlich
Petition richtet sich an
Deutscher Bundestag Petitionsausschuss

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  1. Gestartet 2020
  2. Sammlung beendet
  3. Eingereicht
  4. Dialog
  5. Beendet

Petition richtet sich an: Deutscher Bundestag Petitionsausschuss

Wir fordern: Fahrzeit soll zumindest anteilig als Arbeitszeit anerkannt werden!

Deutschland, ein Land des ökonomischen Wachstums und geprägt durch einen weltweiten Im- und Exporthandel. Wirtschaftlich stabil steht unser Land mit einem Bruttoinlandsprodukt auf Weltrangliste 4 [1] und somit auf europäischer Ebene als Fahnenträger [2].

Betrachtet man sich die Kurve der Arbeitslosenquote der letzten 15 Jahre, ist ein linearer Abgang zu erkennen [3]. Diese Kurve beschreibt unweigerlich, dass immer mehr Menschen ihrer Arbeitstätigkeit nachgehen.

Die Quote der Erwerbstätigen beläuft sich aktuell auf ca. 44,6 Millionen [4]. Hiervon sind 19,3 Millionen Menschen [5] als Pendler einzustufen. Das sind rund 44 %!

Diese 44% tummeln sich Tag für Tag auf den hochfrequentierten Straßen in Deutschland oder dem zwar gut ausgebauten aber nicht immer ganz zuverlässigen Schienennetz. Sämtliche Ausführungen rund um Staus, Verspätungen, die Rushhour oder die Sanierungen der überfüllten Asphaltdecken lasse ich bewusst außen vor. Sie als Pendler können da sicherlich Ihre eigene Meinung walten lassen - genau wie ich.

Hallo meine Damen und Herren, mein Name ist Robert. Mein täglicher Arbeitsweg (einfache Strecke) beläuft sich auf rund 80km und benötigt in etwa eine Stunde - manchmal auch mehr. Wie lange fahren Sie wie weit auf unseren Straßen/Schienen um auf die Arbeit zu gelangen? Oder haben Sie das große Glück, ihren Arbeitsort sogar zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen?

Das Sprichwort besagt: "man ist seines eigenes Glückes Schmied". Das mag so stimmen, aber in Zeiten von Digitalisierung, Modernisierung und leider auch der Rationalisierung werden Arbeitsplätze im ländlichen Raum immer weiter ausgedünnt.

Doch Sie, meine sehr verehrten Mitstreiterinnen und Mitstreiter des täglichen Wahnsinns in unserer Verkehrsinfrastruktur, lassen sich von solchen Negativschlagzeilen nicht entmutigen, sondern begeben sich -mal mehr und mal weniger gerne- auf den Weg zu Ihrer Arbeitsstelle. Möglicherweise haben Sie auch schon den einen oder anderen Gedanken gefasst, weshalb Ihre tägliche Fahrzeit nicht honoriert wird. Oder wieso äußere Einflüsse wie z.B. ein Schneechaos o.ä. Sie dazu "zwingen" länger zu arbeiten.

Fragen Sie sich nicht auch hin und wieder mal, wieso ihr Privatleben oftmals zu kurz kommt? Effektiv verlieren Sie und ich, wir, als Pendler wertvolle Lebenszeit auf dem Weg zu unseren Arbeitsstellen. Das ist Fakt!

Die einen verlieren 10, die anderen vielleicht 30 Minuten, eine Stunde oder gar mehr.

Demgegenüber stehen Vertriebsmitarbeiter oder solche Arbeitnehmer, die keine feste Tätigkeitsstätte haben und hier wird die Fahrtzeit als Arbeitszeit angerechnet. Dies begründet sich vor allem aus dem § 611 BGB und ist durch Entscheidungen auf höherer Instanz bestätigt worden: [6]. Das Ungerechtigkeitsempfinden wird da schon angestoßen, oder?

Ich gönne es der genannten Personengruppe, jedoch sehe ich keine plausible Erklärung darin, wieso nicht alle Arbeitnehmer diesen Luxus erleben dürfen.

Lesen Sie diese Petition gerade und denken sich, das betrifft mich nicht, dann denken Sie sich nur für einen Augenblick in die oben geschilderte Situation ein. Lassen Sie Ihren Gleichgerechtigkeitssinn walten.

Der einzige und klar erkennbare Grund der den Erwerbstätigen mit einer festen Arbeitsstätte und jenen ohne eine solche feste Arbeitsstätte unterscheidet ist genau dieser Punkt - die feste oder nicht feste Arbeitsstätte. Aber unterm Strich gehen beide Personengruppen schlussendlich nur ihrer Arbeit nach.

Und das, liebe Leserinnen und Leser, ist der Punkt den wir gerne voranbringen sollten.

Begründung

In dem folgenden Beitrag heißt es so schön: "Die tägliche An- und Abreise zur Arbeit, also die Wegezeit, ist nicht als Arbeitszeit einzuordnen, da diese zum Privatbereich des Mitarbeiters zählt und keinen direkten Zusammenhang mit einer dienstlichen Tätigkeit aufweist" [7]. Das mag mitunter auch stimmen, dennoch sollten wir uns fragen, ob diese Zeit die wir auf uns nehmen, wirklich zu 100% dem Privatbereich zuzuordnen ist.

Daher lautet unsere Forderung: Fahrzeit soll zumindest anteilig als Arbeitszeit anerkannt werden!

Konkret schweben mir seitens des Bundestages als Gesetzgeber oder auch der Arbeitsgeberverbände folgende Staffelungen vor:

einfacher Arbeitsweg von bis zu 15min* - 15 % Anrechnung** (Hintergrund, Kurzpendler aus Gerechtigkeitsgründen ebenfalls einbeziehen) einfacher Arbeitsweg von bis zu 30min* - 25 % Anrechnung** einfacher Arbeitsweg von bis zu 50min* - 35 % Anrechnung** einfacher Arbeitsweg von mehr als 50min* - 45 % Anrechnung**

*berechnet anhand der Routenplanung über gängige Dienstleister. Aufzeichnungspflichten bzw. Fahrtenbücher können seitens der Arbeitgeber eingefordert werden um Missbrauch zu vermeiden.

**der jeweiligen Fahrtzeit auf die insgesamt zu leistende Arbeitszeit.

Bsp.: Die erwerbstätige Person hat einen Fahrweg von 29km (einfache Strecke) um auf die Arbeit zu gelangen. Hierfür benötigt die Person mit dem Auto ca. 20 Minuten und erhält nach obigem Beispiel eine Anrechnung von 25 % pro Wegstrecke.

Pro Wegstrecke berechnet sich für diese Person nun eine Anrechnung von 5 Minuten; auf den Tag gesehen eine Anrechnung von 10 Minuten.

Auf die Woche hochgerechnet, werden der Person 50 Minuten auf die wöchentlich zu leistende Arbeitszeit positiv angerechnet.

Hinweis: Verspätungen des ÖPNV, bzw. Staus o.ä. Verspätungen werden ausdrücklich nicht betrachtet! Die prozentuale Anrechnung der Fahrtzeit auf die Arbeitszeit erfolgt nach faktischen Berechnungsgrundlagen (z.B. Routenplaner im Internet) und unter verkehrsüblichen Gesichtspunkten. Daher ist es ratsam diese Berechnungsgrundlage einmalig und im beidseitigen Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer festzusetzen. Bei dieser Festsetzung sollte sich, ganz unabhängig von Verzögerungen, auf eine Fahrtzeit pro Strecke einvernehmlich geeinigt werden.

Sind Sie selbst Pendler und fühlen sich womöglich angesprochen? Dann unterstützen Sie gerne diese Petition. Teilen Sie Ihre Stimme! Vielen Dank

Quellen:

[1] https://de.statista.com/themen/1181/weltwirtschaft/ [2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/188776/umfrage/bruttoinlandsprodukt-bip-in-den-eu-laendern/ [3] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1224/umfrage/arbeitslosenquote-in-deutschland-seit-1995/#:~:text=Im%20Jahr%202020%20betrug%20die,um%20mehr%20als%2045.000%20an. [4] https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/_inhalt.html [5] https://wohnglueck.de/artikel/pendler-deutschland-statistik-29271#:~:text=In%20Deutschland%20pendeln%20immer%20mehr,und%20Raumforschung%20(BBSR)%20hervor. [6] https://www.arbeitsvertrag.org/fahrzeit/#:~:text=Laut%20einer%20Entscheidung%20des%20EuGH,Handwerker%20und%20Mitarbeiter%20im%20Au%C3%9Fendienst [7] https://blog.lapid.de/fahrzeit-arbeitszeit-welche-faktoren-spielen-hierf%C3%BCr-eine-rolle

Angaben zur Petition

Petition gestartet: 30.09.2020
Sammlung endet: 29.12.2020
Region: Deutschland
Kategorie: Verkehr

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