Für das Recht in Freiheit erzogen zu werden!

Aufruf der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) zur Abschaffung der Geschlossenen Unterbringung und freiheitsentziehender Maßnahmen in der Kinder- und Jugendhilfe

Die Skandale in der Haasenburg GmbH in Brandenburg, wo seit Jahren die Geschlossene Unterbringung von Kindern und Jugendliche praktiziert wird, über die vor allem die TAGESZEITUNG mehrfach und aktuell ausführlich aktuell in der Wochendausgabe (v.15./16.06.2013) berichtet hat und die zu Recht als menschenverachtend qualifiziert werden müssen, sind nur die Spitze des Eisbergs. Sie zeigen Grundrechtsverletzungen von Kindern und Jugendlichen in eklatanter Weise, die mit einer demokratischen Kinder- und Jugendhilfe unvereinbar sind.

Seit Jahren schon beobachten wir einen Anstieg geschlossener Unterbringung im Kontext der Kinder- und Jugendhilfe – z.T. unter verharmlosenden Namen. Die Platzzahlen haben sich seit 1996 auf nunmehr knapp 400 mehr als verdreifacht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren von freiheitsentziehenden Maßnahmen 2011 ca.1500 Kinder- und Jugendliche betroffen.

Wir fordern die ersatzlose Abschaffung aller sog. freiheitsentziehender Maßnahmen in der Kinder- und Jugendhilfe! Man kann nicht an Heimkindern das exekutieren, was ansonsten in der Gesellschaft mit Fug und Recht als verboten gilt, nämlich eine Erziehung mit psychischen und physischen Zwang. Es gilt das Recht durchzusetzen, in Freiheit erzogen zu werden!

Unterstützen Sie diese Forderung der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) jetzt mit ihrer Unterschrift (Langfassung des Aufrufs unter www.igfh.de/cms/sites/default/files/GU-Petition-Langfassung.pdf)

Begründung

Geschlossene Unterbringung ist Freiheitsentzug für Kinder und Jugendliche, die nicht rechtskräftig verurteilt sind, weil angeblich ihr Wohl gefährdet ist. Entscheidungen für sogenannte freiheitsentziehende Maßnahmen scheinen aber hochgradig von Etikettierungsprozessen, politischem Klima, persönlichen Erfahrungen der EntscheiderInnen, dem Leistungsprofil und –willen regional vorhandener Jugendhilfe etc. abzuhängen. Hier werden Fehler des Jugendhilfesystems (z.B. mangelnde Ausstattung, mangelhafte Hilfeplanung, Versäumnisse in früheren Hilfen, zu wenig Zeit) auf Kinder und Jugendliche abgewälzt, die dafür mit der Zufügung von Leid und Einschluss bestraft werden.

Das Einsperren von jungen Menschen nützt einzig einer naiven Politik, die darauf hofft, mit Härte soziale Probleme technisch zu lösen. Auf der Strecke bleiben die Errungenschaften einer modernen Kinder- und Jugendhilfe!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung

Übersetzen Sie jetzt diese Petition

Neue Sprachversion
  • Sehr geehrte Unterzeichnende,
    Petition und Unterschriftenliste wurden am 20. September 2013 den Ministerien für Jugend und Familie und Soziales der Bundesländer der BRD, den Landesjugendämtern, verschiedenen Bundestagsabgeordneten, den Bundestagsausschüssen für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie dem Rechtsausschuss postalisch zugeleitet. Die Adressaten wurden aufgerufen sich als politisch Verantwortliche dieser Petition anzuschließen und zu verhindern, dass derartige Einrichtungen in den entsprechenden Wirkungsbereichen zugelassen werden, bzw. Kinder oder Jugendliche in solche Einrichtungen eingewiesen werden.
    Es gibt erste positive Reaktionen sich des Themas anzunehmen. Wir werden zu gegebener Zeit über die weitere Entwicklung informieren. Die IGfH wird auch weiterhin an diesem Thema dranbleiben.
    Wir danken allen Unterzeichenden für die Ünterstützung.
    Mit freundlichen Grüßen
    Die IGfH

  • Aufgrund des großen Zuspruchs der Petition gegen Geschlossene Unterbringung in kurzer Zeit haben wir die ursprünglich anvisierte Unterstützer_innenanzahl (2.000) am 27.06.2013 nochmal deutlich erhöht!

    Der Petitionstext wurde nicht verändert.

Pro

Es ist nicht logisch begründbar, dass eine derart respektlose und einschränkende Maßnahme wie eine geschlossene Unterbringung, die verbunden ist mit einer weitgehenden Isolation und Unterwerfung, junge Menschen auf ein selbstbestimmtes, gewaltloses und erfülltes Leben vorbereiten soll. Im Zweifel wächst nur der Frust und die Wut.

Contra

Ich glaube auch, dass man die s. g. freiheitsentziehenden Maßnahmen nicht gänzlich streichen kann bzw. sollte. Es gibt ganz bestimmt Umstände, die das nötig machen. Einzig schlimm ist doch, wie dort mit den Kindern und Jugendlichen verfahren wird. Das sollte ganz dringend strafrechtlich verfolgt werden. Und "auffällig" gewordene Einrichtungen, wie die Haasenburg GmbH gehören unverzüglich geschlossen und die Kinder/Jugendliche an geeigneter Stelle untergebracht. Die psychische und physische Gewalt, die in solchen Einrichtungen herrscht, MUSS dringend unterbunden und geahndet werden.