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Warum diese Petition weit über eine einzelne Schule hinausgeht
Diese Petition richtet sich nicht gegen Ganztagsschulen.
Ganztagsangebote können für viele Familien eine wertvolle Unterstützung sein. Sie sollen selbstverständlich weiterhin bestehen. Worum es uns geht, ist etwas anderes:Die Wahlfreiheit der Eltern darf nicht schrittweise verloren gehen.
Mit großer Sorge beobachten wir, dass immer mehr Grundschulen in verpflichtende Ganztagsschulen umgewandelt werden. Was als Erweiterung des Angebots dargestellt wird, bedeutet für viele Familien den Verlust einer echten Entscheidungsmöglichkeit.
Eltern kennen ihre Kinder am besten. Sie sollten selbst entscheiden dürfen, ob ihr Kind den Nachmittag überwiegend in der Schule oder im Kreis der Familie verbringt. Diese Entscheidung gehört zum Kern des Elternrechts und darf nicht durch organisatorische Entwicklungen immer weiter eingeschränkt werden.
Besonders kritisch sehen wir die Finanzierungsstrukturen. Bund und Länder investieren erhebliche öffentliche Mittel in den Ausbau ganztägiger Betreuung. Das ist sinnvoll, wenn Familien dieses Angebot freiwillig nutzen möchten.
Problematisch wird es jedoch, wenn dadurch finanzielle Anreize entstehen, immer mehr verpflichtende Ganztagsstrukturen auszubauen, während andere Schul- und Betreuungsmodelle zunehmend verschwinden.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Es gibt keine transparente und langfristige Übersicht darüber, welche Schulen künftig umgestellt werden und ob sie als offene oder verpflichtende Ganztagsschulen geführt werden. Eltern können deshalb oft nicht Jahre im Voraus planen, welche Wahlmöglichkeiten ihren Kindern überhaupt noch zur Verfügung stehen.
So entsteht der Eindruck, dass Eltern von Schule zu Schule und von Petition zu Petition kämpfen müssen, obwohl das eigentliche Problem längst die gesamte Entwicklung betrifft.
Mit jeder weiteren verpflichtenden Ganztagsschule wird die Auswahl kleiner.Wo bleibt die Wahlfreiheit?
Wahlfreiheit bedeutet nicht, zwischen mehreren verpflichtenden Ganztagsschulen wählen zu können. Wahlfreiheit bedeutet, dass Familien tatsächlich zwischen unterschiedlichen Bildungs- und Betreuungsmodellen entscheiden können entsprechend den Bedürfnissen ihres Kindes.
Wenn verpflichtende Ganztagsschulen zunehmen, während alternative Modelle immer seltener werden, wird Wahlfreiheit zur Theorie.
Doch Familie ist weit mehr als eine organisatorische Größe.
Sie ist der erste Ort, an dem Kinder Liebe, Vertrauen, Geborgenheit, Verantwortung und Werte erleben. Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte leisten wertvolle Arbeit sie können und sollen Eltern jedoch niemals ersetzen.Starke Familien entstehen nicht durch längere Betreuungszeiten.
Sie entstehen durch gemeinsame Zeit.Vielleicht wird man in einigen Jahrzehnten auf diese Entwicklung zurückblicken und sich fragen, warum so wenige Menschen rechtzeitig ihre Stimme erhoben haben.
Die Geschichte zeigt, dass tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen selten plötzlich geschehen. Sie entwickeln sich Schritt für Schritt. Jede einzelne Entscheidung erscheint für sich genommen nachvollziehbar. Erst im Rückblick wird sichtbar, wie grundlegend sich eine Gesellschaft verändert hat.
Gerade deshalb besteht die Aufgabe von Historikern nicht nur darin, Geschichte zu dokumentieren. Sie müssen auch unbequeme Fragen stellen: Wann wurden Warnsignale übersehen? Wann gingen Freiheiten verloren, ohne dass es den meisten bewusst war? Und warum wurde erst reagiert, als grundlegende Veränderungen längst zur Normalität geworden waren?Vielleicht befinden wir uns heute an einem solchen Punkt.
Nicht, weil Ganztagsschulen grundsätzlich falsch wären.
Sondern weil wir uns fragen müssen, wie viel Entscheidungshoheit Eltern künftig noch über den Alltag ihrer Kinder behalten sollen.
Der Staat sollte Familien unterstützen nicht sie schrittweise in ein einziges Betreuungsmodell lenken.
Diese Petition ist deshalb mehr als der Einsatz für eine einzelne Schule.Sie ist ein Appell für Transparenz, für echte Wahlfreiheit und für das Recht jeder Familie, selbst über den Alltag ihrer Kinder entscheiden zu dürfen.
Denn Freiheit verschwindet selten auf einmal.
Sie verschwindet in kleinen Schritten bis wir irgendwann feststellen, dass es keine echte Wahl mehr gibt.
Ich möchte die Wahl haben. Aus dem Anspruch leitet sich keine Pflicht ab.