Wir Unterzeichner unterstützen den Offenen Brief der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck e. V. zur Zentralen Landesbibliothek am Gleisdreieck (ZLB). Die ZLB ist eine Nutzung für alle Menschen. Die ZLB steht für Bildung, Kultur und Begegnung. Die ZLB wäre die beste Nutzung für das Baufeld „Urbane Mitte“, das zentral zwischen den beiden Parkhälften des West- und Ostparks am U-Bhf. Gleisdreieck liegt. An dieser Stelle wäre die ZLB die ideale Ergänzung zum Park.

Begründung

Der Offene Brief der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck e.V. vom 3. März 2015 im Wortlaut:

An Herrn Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, Herrn Tim Renner, Staatsekretär für Kultur, Herrn Frank Jahnke, Vorsitzender des Ausschuss für kulturelle Angelegenheiten und an die kulturpolitischen Sprecher_innen der Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus

Sehr geehrte Damen und Herren,

als langjährig Engagierte im Gleisdreieck-Park, wenden wir uns heute an Sie mit der Bitte, das Baufeld „Urbane Mitte“ am U-Bhf. Gleisdreieck bei der Prüfung der Standorte für die neue Zentrale Landesbibliothek Berlin mit einzubeziehen.

Wir sind uns im klaren, dass gute Argumente für die anderen zur Zeit diskutierten Standorte sprechen: die AGB am Blücherplatz, das ICC, das Bestandsgebäude des Flughafen Tempelhof und das Völkerkundemuseum in Dahlem.

Wir sind jedoch auch überzeugt, dass es sehr gute Argumente für den Standort am Gleisdreieck gibt, die wir im folgenden darstellen möchten.

In den letzten Jahren hat sich der Park am Gleisdreieck zu einem besonderen Ort entwickelt. Kaum jemand hatte einen solch großen Zuspruch erwartet. Selbst an Winterwochenenden sind es Tausende Menschen, die den Park nutzen. Sie flanieren, sie spielen, sie treiben Sport, sie treffen sich, sitzen auf den Holzstufen oder auf dem Rasen, machen Party, Musik und Theater, sie malen an den Pfeilern der Hochbahn, oder fahren nur kurz mit dem Fahrrad von Schöneberg nach Mitte, von Kreuzberg nach Tiergarten oder von Berlin nach Leipzig, bewirtschaften Gärten, sammeln Müll und leere Flaschen, gelegentlich auch Spritzen, auf. Oder schauen im Vorbeifahren aus der Hochbahn oder aus dem ICE dem Leben im Park zu. Alle zusammen schaffen eine neue Form von Urbanität, ein nicht immer konfliktfreies, aber überwiegend friedliches Nebeneinander unterschiedlichster Nutzungen, manchmal auch ein Miteinander. Es ist ein Park für alle.

Die Bibliothek, die neue Zentrale Landesbibliothek, ist eine Nutzung, die allen Menschen offensteht. Mit ihrem Eingang könnte sie sich diesem neuen urbanen Raum zuwenden. Der Park würde zur Adresse für die Bibliothek. Über den Park würde sich die Bibliothek mit der Umgebung vernetzen: Stabi, Kulturforum, Filmfestspiele, Technikmuseum und Tempodrom sind zu Fuß erreichbar, ebenso die Geschäftszentren des Potsdamer und Leipziger Platzes sowie die gründerzeitlichen Kieze auf der Kreuzberger, der Schöneberger und der Tiergartener Seite. Etwas weiter, mit dem Fahrrad in 5 bis 10 Minuten erreichbar, sind Abgeordnetenhaus, Holocaustmahnmal, Brandenburger Tor, Reichstag und vieles mehr.

Wie kaum ein anderer Ort steht das Gleisdreieck für den öffentlichen Nahverkehr und zentrale Erreichbarkeit. Die Hochbahnen der U1 und der U2 prägen den Ort, später wird hier noch die S21 dazukommen. Fußläufig erreichbar sind die U7, die S1 und die S2 an der Yorckstraße, die Schiffsanlegestellen am Landwehrkanal und der Regionalbahnhof am Potsdamer Platz.

In den letzten Monaten haben wir in verschiedenen Runden über mögliche Bebauungen am U-Bhf. Gleisdreieck gesprochen. Der städtebauliche Vertrag Gleisdreieck aus dem Jahr 2005 sieht hier ein Bauvolumen von 100.000 m² Bruttogeschossfläche vor. Die Aufgabe ist kompliziert wegen den zahlreichen Verkehren, die das Baufeld in der Höhe oder unterirdisch queren. Die denkmalgeschützten Verkehrsbauwerke der U1 und U2 sollen sichtbar bleiben. Die neue Bebauung neben dem neuen Bahnsteig für die S21 muss Durchblicke offen lassen, sich aber gleichzeitig als eigenständige Architektur behaupten. Wie sieht eine neue Bibliothek aus, die ihre Bestände in einem automatisierten Hochregallager verwaltet und die gleichzeitig ein Ort der Kommunikation, der Begegnung und des Studiums, der Arbeit 4.0 ist? Das Gleisdreieck ist ein Ort, geprägt von technischen Bauwerken, die zur Zeit ihrer Entstehung etwas völlig Neues darstellten. Heute ist es das ideale Umfeld für neue, innovative Architektur. Hier könnte die Bibliothek neu erfunden werden. Im letzten Fachdialog am 20. Januar 2015 wurde klar, dass es auf dem Baufeld „Urbane Mitte“ am Gleisdreieck ein bis zwei höhere Gebäude mit 60 bis 90 Meter Höhe geben könnte. Als Nutzung wurde vorgeschlagen 30 bis 40 % „Lebendiger Nutzungsmix“, d. h. Gastronomie, Einzelhandel, Fitnessklubs, Wohnen, Hotel. Und 60 bis 70 % sollten Büroraum werden, z. B. als Headquarter international tätiger Unternehmen.

Die ZLB würde diesen Nutzungsmix verändern, zugunsten von 50.000 m² Bildung, Kultur und Begegnung. Park und Bibliothek würden sich ideal ergänzen.

Wir bitten Sie, den Standort Gleisdreieck in die zur Zeit laufende Prüfung der Standorte für die ZLB einzubeziehen.

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Rheinlaender Matthias Bauer

Vielen Dank für Ihre Unterstützung

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  • Liebe Unterstützer der Petition für die ZLB am Gleisdreieck,

    ich möchte euch einladen zur Podiumsdiskussion der Architektenkammer am Montag, den 26. Oktober um  19:30 Uhr in der Urania.

    Thema: Wo findet sich das Wissen der Stadt? Neue Standorte und die Bedeutung der Zentralen Landesbibliothek Berlin (ZLB)

    Mehr Information auf den Seiten der Urania:
    www.urania.de/programm/2015/C914/

    Hintergrund

    Im März diesen Jahres hat die Aktionsgemenschaft Gleisdreieck e.V. in einem offenen Brief an den regierenden Bürgermeister, den Kulturausschuss und die Fraktionen im Abgeordnetenhaus vorgeschlagen, das Baufeld „Urbane Mitte am Gleisdreieck“ als möglichen Standort für die ZLB – Zentrale und Landebibliothek Berlin – zu prüfen. Die Idee kann damals bei verschiedenen Stellen gut an, jedoch war unsere Petition mit knapp 700 Unterschriften nur mäßig erfolgreich.
    Allerdings sah es so aus, als habe unsere Initiative damals den Entscheidungsprozess in den politischen Parteien beschleunigt. So haben sich inzwischen Teile der SPD, CDU und der Grünen für den Standort der Amerikagedenkbibliothek (AGB) entschieden, für den sicher auch gute Argumente sprechen.
    Die Idee, die Bibliothek am Gleisdreieck anzusiedeln, entstand aus dem Wunsch am Park eine öffentliche Nutzung, eine Nutzung für alle, zu installieren. Ohne eine solche öffentliche Nutzung ist nun zu befürchten, dass aus dem Baufeld Urbane Mitte ein reiner Bürostandort wird.
    Wie endgültig die Entscheidung für den Standort AGB am Blücherplatz ist, ob überhaupt eine zentrale Bibliothek heute noch sinnvoll ist – oder lieber mehrere Schwerpunktbibliotheken und wie die Balance zwischen zentralen und dezentralen Angeboten aussehen könnte, wird Thema der Diskussion in der Urania sein.
    Auf dem Podium
    Matthias Bauer, AG Gleisdreieck
    Volker Heller, Vorstand und Managementdirektor der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB)
    Birgitt von Knesebeck, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Abteilung-V-Hochbau
    Dr. Jonas Fansa, Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Abteilungsleiter Publikumsdienste (angefragt)
    Dr. Boryano Rickum, Leitung Stadtbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg
    Moderation: Gerd Nowakowski, Der Tagesspiegel
    Einführung: Ramsi Kusus, Arbeitskreis Stadtentwicklung, Architektenkammer Berlin
    Begrüßung: Theresa Keilhacker, Vizepräsidentin Architektenkammer Berlin

    Herlichen Gruß

    Matthias Bauer

  • Vielen Dank allen, die unterschrieben und Unterschriften gesammelt haben. Knapp 700 Unterstützer sind nicht genug – im Vergleich zu anderen Petitionen. Die Idee mit der Bibliothek am Gleisdreieck war und ist jedoch weiterhin eine gute Idee. Nur eine öffentliche, kulturelle und für jeden zugängliche Nutzung ist die richtige Nutzung für das zentrale Baufeld mitten zwischen den beiden Parkhälften des Gleisdreiecks. Wer weiß, wie die stadtpolitischen Debatten sich entwickeln werden.Vielleicht wird die Idee irgendwann wieder aufgegriffen.

  • 12. 06. 2015

    Knapp 700 Unterschriften wurden innerhalb von drei Monaten gesammelt zur Unterstützung des Offenen Brief mit dem Vorschlag, die ZLB – Zentrale und Landesbibliothek Berlin – am Gleisdreieck zu platzieren. Hoffnungsvoll gestartet, doch der Erfolg blieb bescheiden. Trotzdem, allen die unterschrieben haben oder die Listen ausgelegt haben – wie das Café Eule – vielen Dank für ihr Engagement.
    Woran lag es? Im Vergleich zu anderen Petitionen, wie die zur Rettung des Theaters am Winterfeldplatz oder die gegen die Büchervernichtung, die in gleicher Zeit weit über 10 000 Unterschriften sammelten, sind knapp 700 sehr wenig. Die Gründe sind sicher vielfältig:

    Zwar gab es anfangs viel Lob für die Idee, doch einfach zu wenig Personen, die dann aktiv Unterschriften gesammelt haben.
    Wozu eine Bibliothek, wir haben doch das Internet, Zentral – Nein Danke, die AGB (Amerika-Gedenk-Bibliothek) ist doch auch ein guter Standort, waren gelegentlich geäußerte Argumente.
    Das Hauptproblem war jedoch, das Thema ist für viele Parkbesucher zu weit weg. Dass die Fläche am U-Bhf. Gleisdreieck überhaupt bebaut werden könnte, hatte fast keiner auf dem Schirm – Hochhäuser schon gar nicht. Wenn es gelang, ins Gespräch zu kommen, standen jedoch alle dem Anliegen, hier eine kulturelle, für jeden zugängliche, öffentliche Nutzung anzubieten, sehr positiv gegenüber.

    Wie geht’s weiter?

    Während die Petition lief, hat sich der Entscheidungsprozess für den Standort der zukünftigen ZLB beschleunigt. Sollte ursprünglich erst geprüft und dann 2016 entschieden werden, sprachen sich nun viele Politiker für den Standort der Amerika-Gedenk-Bibliothek am Blücherplatz aus, so die Abgeordnetenhausfraktion der CDU, diverse Parteidelegiertenkonferenzen der SPD und Teile der Grünen. Die Friedrichshain-Kreuzberger Bürgermeisterin betonte zwar, das nur der westlich der AGB liegende Parkplatz für die Bebauung zur Verfügung stünde. Nur, wenn man dort das Volumen unterbringen wollte, das ursprünglich laut Wettbewerbsvorgaben für die ZLB auf dem Tempelhofer Feld vorgesehen war (52.000 m² Nutzfläche = 85.000 m² Bruttogeschossfläche), dann müsste auf der ca. 3000 m² großen Fläche des Parkplatzes ein mehr als 20geschossiges Gebäude erstellt werden. Kann sein, dass die Debatte wieder los geht, wenn dies später klar wird.
    Oder es gibt eine ganze neue Debatte über die Bibliothekenlandschaft Berlins. Mehrere Schwerpunktbibliotheken anstelle einer zentralen Einrichtung lautet der Vorschlag von zwei jungen Architektinnen – Judith Frankenberg und Jessica Bittrich -, die in ihrer Masterarbeit das Gleisdreieck als Standort für eine von mehreren Schwerpunktbibliotheken vorgeschlagen haben. Die beiden Architekteinnen sehen Bibliotheken mehr als Arbeits- und Lernort, denn als Bücherspeicher. Und sie entwickeln eine neue Balance zwischen dezentralen und zentralen Angeboten. Besonderen Charme hat der Vorschlag auch deswegen, weil die bisherigen Standorte nicht entwertet werden. Die AGB wäre dann nicht einfach eine Zentrale für alles Mögliche, sondern eine Schwerpunktbibliothek für die Wissensgebiete „Kunst, Bühne, Medien“, während die neue Bibliothek am Gleisdreieck den Schwerpunkt „Technik & Wissenschaft“ in Kooperation mit dem Technikmuseum beinhalten könnte. Hier der Link zur Masterarbeit, siehe dort Seiten 54 bis 61: nkbln.net/download/StrategienBB_FrankenbergBittrich.pdf

    Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Urbane Mitte“

    Inzwischen hat die Friedrichshain-Kreuzberger BVV den Aufstellungbeschluss für den Bebauungsplan „Urbane Mitte“ zur Kenntnis genommen, wobei „zur Kenntnis genommen“ hier Zustimmung bedeutet. Link zum Aufstellungsbeschluss: DS1692 VI-140ca Urbane Mitte mit Anlagen

    Laut „Konsensplan“, der am Ende von drei “Fachdialogen” vom Bauträger formuliert wurde, sollen 70 Prozent Büroraum werden, 30 % sogenannter „Lebendiger Nutzungsmix“ mit Einzelhandel, Gastronomie, Clubs und etwas Wohnen am Rande. Also ein international tätiges Unternehmen bezieht hier repräsentativen Büroraum im Hochhaus, drum herum gibt es auf der einen Seite den Park, auf der anderen Seite eine Mischung aus Ku’damm-Karree und Hackeschen Höfen, wobei auch die historischen U-Bahnviadukte einbezogen werden sollen, die bisher noch die Werkstätten der BVG beherbergen.
    Das Bauvorhaben wird im Text zum Aufstellungsbeschluss folgendermaßen beschrieben:

    Weiterhin soll mit Hilfe des Bebauungsplanes die planungsrechtliche Sicherung des in einem städtebaulich-architektonischen Ideenwettbewerb zu entwickelnden städtebaulichen Konzeptes für die Urbane Mitte erfolgen. Insbesondere gilt es, die Anforderungen an übergeordnete Erfordernisse zu sichern. Hierzu zählen unter anderem:

    Die Sicherung des geplanten Umsteigebahnhofs der S 21 am Bahnhof Gleisdreieck. Dieser wird bei den bestehenden Planungen berücksichtigt und in städtebauliche Konzepte integriert.
    Die Sicherung und Qualifizierung des Fernradwegenetzes Berlin – Leipzig, welcher westlich des Plangebiets d

Pro

Ein zentraler Neubau ist wichtig für die ZLB! Noch wichtiger aber ist ihr einzigartiger Bestand. Deshalb bitte zunächst hier unterschreiben: www.openpetition.de/petition/online/buechervernichten-in-berlin-bibliotheken-werden-kaputt-rationalisiert

Contra

Die Standortdiskussion zur ZLB wäre sinnvoller und zielführender, wenn sie mehr mit einer inhaltlichen Diskussion über die Aufgaben und die Funktion der ZLB im Netz der Berliner Bibliotheken verbunden wäre. So entsteht der Eindruck, hier ginge es nur um Baugeschäfte und Amtsprestige. Für die Bürger und Bürgerinnen der Stadt geht es jedoch bei der Frage nach Bibliotheken um eine umfassende Versorgung mit Information und kultureller Bildung im gesamten Land Berlin. Es gibt bis jetzt noch keine wirkliche Übersicht über die Berliner Bibliotheken und eine eher zufällige Vernetzung. s.