Im Zoll-Lager Ankara Gar liegt eine Wagenladung von medizinischen Hilfsgütern aus Dresden. Wir haben über ein Jahr lang dafür Spenden gesammelt. Unser Ziel war zunächst, den Wiederaufbau der Stadt Kobane in Nordsyrien zu unterstützen. Dann aber wurde die türkisch-syrische Grenze geschlossen. Also änderten wir unseren Plan: Nun sollte unsere Ausrüstung dem Gesundheitsamt in Diyarbakir, der größten Stadt im Osten der Türkei, zur Verfügung gestellt werden. Im September 2016 brachten wir die Hilfsgüter bis nach Ankara. Die Gesundheitsverwaltung in Ankara verhinderte jedoch die Weiterreise. Also berieten wir uns mit der Verwaltung in Diyarbakir und änderten unseren Plan erneut: Wir wollten die Hilfsgüter in Ankara wieder abholen und nach Griechenland bringen, damit sie dort für die Versorgung von Flüchtlingen zur Verfügung stünden. Im Oktober und im Dezember sind wir zweimal auf eigene Kosten nach Ankara gereist. Beide Male versicherten die Zollbeamten, daß sie uns gerne helfen würden. Sie fanden aber immer einen Grund, es nicht zu tun und unsere Hilfsgüter nicht herauszugeben. Deshalb appellieren wir nun an den zuständigen Beamten, Herrn Abdullah-bey: Helfen Sie uns zu helfen! Geben Sie die Hilfsgüter für die Flüchtlinge in Griechenland frei!

Begründung

Vordergründig geht es um Vorschriften. Aber im Grunde geht es um Vertrauen. Die Zollbeamten finden Gründe, unsere Hilfsgüter nicht herauszugeben, weil sie uns unlautere Absichten unterstellen. Dieses Verhalten liegt leider zur Zeit im Trend. An vielen Ecken unserer Welt nimmt das Mißtrauen rasant zu. Aber dadurch wird die Lage nur noch schlimmer. Die Spirale des Mißtrauens dreht sich immer schneller. Gewalt wird immer öfter zum einzig noch denkbaren Mittel.

Das muß aufhören! Wir wollen ein Zeichen setzen gegen die Spirale des Mißtrauens.

Deshalb haben wir einen Brief an den Zollbeamten in Ankara verfaßt und ihn ins Türkische übersetzen lassen. Anstatt zu schimpfen, erklären wir noch einmal unsere Geschichte. Und wir bitten ihn um Hilfe.

Laßt uns einen Weg finden, um zusammenzuarbeiten. Gemeinsam können wir den Flüchtlingen in Griechenland helfen. Und wir können zeigen, daß sich die Spirale von Mißtrauen und Gewalt aufhalten läßt. Darum geht es in diesem Appell.

Mehr dazu auf den Netzseiten unserer Initiative unter www.dresden-hilft-kobane.de .

Die vollständigen Fassungen des Briefes auf Deutsch und auf Türkisch finden sich hier: dresden-hilft-kobane.de/wp-content/uploads/2016/12/Zoll_Dresden-Kobane_deutsch.pdf dresden-hilft-kobane.de/wp-content/uploads/2016/12/Zoll_Dresden-Kobane_tuerk.pdf

Achtung: Die Frist für die Lagerung unserer Hilfsgüter in Ankara läuft am 11. Januar 2017 ab!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung

Diese Petition wurde bereits in folgende Sprachen übersetzt

Neue Sprachversion
  • Liebe Freunde, liebe Unterstützerinnen, liebe Leserinnen und Leser!

    Die Antwort des Zollbeamten Abdullah-bey ist da. Leider sieht er keinen Anlaß zum Nachgeben. Einzelheiten zu seiner Antwort findet Ihr auf unseren Netzseiten:
    dresden-hilft-kobane.de/?p=451

    Fast zwei Jahre lang haben wir uns in der Initiative "Dresden hilft Kobane" dafür eingesetzt, den Opfern des Krieges im türkisch-syrischen Grenzgebiet zu helfen.

    Wir sind nicht ans Ziel gelangt.
    Warum?
    Und was haben wir trotz allem erreicht?

    Wir haben in vielen Aktionen rund 17.000 Euro gesammelt, um einen Rettungswagen gebraucht zu kaufen und nach Kobane beziehungsweise wenigstens bis nach Diyarbakir zu überführen. In den Wochen vor der Abfahrt im Sommer 2016 haben wir außerdem von Ärzten, Krankenhäusern und Sanitätern medizinische Hilfsmittel im Wert von rund 16.000 Euro erhalten. Die Metropolverwaltung in Diyarbakir wartete voller Hoffnung auf den Wagen und die Ausrüstung, um sie für Bedürftige einzusetzen. Die Gesundheitsverwaltung und der Zoll in Ankara ließen das jedoch nicht zu. In einer durchaus dramatischen Intervention im Oktober 2016 haben wir mit Unterstützung der deutschen Botschaft in Ankara wenigstens den Rettungswagen zurückbekommen und nach Griechenland gebracht. Dort nutzen ihn jetzt die Freiwilligen von DocMobile für ihre täglichen Einsätze für die dort gestrandeten Flüchtlinge. Unsere Ausrüstung jedoch ist wahrscheinlich im Januar 2017 vom türkischen Zoll konfisziert worden; was dann damit geschah, wissen wir nicht.

    Wir haben versucht, Friedenspolitik von unten zu leisten.
    Wir haben versucht, Menschen im Krisengebiet beizustehen, so daß sie gar nicht erst zu Flüchtlingen werden müssen.
    Wir haben dafür von vielen Seiten Unterstützung erhalten. Allen, die uns praktisch geholfen, die gespendet oder uns beraten haben, danken wir von Herzen!

    Gescheitert sind wir letztlich daran, daß die Behörden in der Türkei uns nicht als neutral wahrgenommen haben. Sie sahen in uns vielmehr die Helfershelfer von einer der Konfliktparteien im türkisch-syrischen Grenzgebiet, nämlich den Kurden. Schon der Verdacht, mit Kurden zusammenzuarbeiten, löst in der Türkei massive Abwehrreaktionen aus. Das haben wir schmerzhaft erlebt.

    Allerdings hat auch die türkische Seite nichts erreicht. Sie hat eine Hilfsaktion verhindert. Aber die Konflikte in der Türkei und in den Nachbarregionen gehen weiter. Die Gewalt, die Ungerechtigkeiten, der Unfrieden, die Not - nichts davon ist besser geworden dadurch, daß die türkischen Behörden glaubten, uns in den Arm fallen zu müssen.

    Wir glauben weiter daran, daß Frieden nur durch Menschlichkeit geschaffen werden kann.
    Wir werden weitermachen - umsichtiger und geschickter.

    Unser erster Schritt: Gut eintausend Euro sind aus der Aktion Rettungswagen an Spenden übriggeblieben. Wir setzen sie nun ein, um eine Familie in Diyarbakir zu unterstützen, die durch die jüngsten Kämpfe zwischen kurdischen Aufständischen und türkischen Spezialeinheiten obdachlos geworden sind. Wir hoffen, damit auch dem Willen unserer Spender gerecht zu werden!

    Zum Abschied schicken wir ein Bild von unserem Rettungswagen im Einsatz in Griechenland. Vergeßt die Flüchtlinge dort nicht!
    www.facebook.com/docmobile.org/

  • Liebe Freunde, liebe Unterstützerinnen, liebe Leserinnen und Leser!

    Fast zwei Jahre lang haben wir uns in der Initiative "Dresden hilft Kobane" dafür eingesetzt, den Opfern des Krieges im türkisch-syrischen Grenzgebiet zu helfen.

    Wir sind nicht ans Ziel gelangt.
    Warum?
    Und was haben wir trotz allem erreicht?

    Wir haben in vielen Aktionen rund 17.000 Euro gesammelt, um einen Rettungswagen gebraucht zu kaufen und nach Kobane beziehungsweise wenigstens bis nach Diyarbakir zu überführen. In den Wochen vor der Abfahrt im Sommer 2016 haben wir außerdem von Ärzten, Krankenhäusern und Sanitätern medizinische Hilfsmittel im Wert von rund 16.000 Euro erhalten. Die Metropolverwaltung in Diyarbakir wartete voller Hoffnung auf den Wagen und die Ausrüstung, um sie für Bedürftige einzusetzen. Die Gesundheitsverwaltung und der Zoll in Ankara ließen das jedoch nicht zu. In einer durchaus dramatischen Intervention im Oktober 2016 haben wir mit Unterstützung der deutschen Botschaft in Ankara wenigstens den Rettungswagen zurückbekommen und nach Griechenland gebracht. Dort nutzen ihn jetzt die Freiwilligen von DocMobile für ihre täglichen Einsätze für die dort gestrandeten Flüchtlinge. Unsere Ausrüstung jedoch ist wahrscheinlich im Januar 2017 vom türkischen Zoll konfisziert worden; was dann damit geschah, wissen wir nicht.

    Wir haben versucht, Friedenspolitik von unten zu leisten.
    Wir haben versucht, Menschen im Krisengebiet beizustehen, so daß sie gar nicht erst zu Flüchtlingen werden müssen.
    Wir haben dafür von vielen Seiten Unterstützung erhalten. Allen, die uns praktisch geholfen, die gespendet oder uns beraten haben, danken wir von Herzen!

    Gescheitert sind wir letztlich daran, daß die Behörden in der Türkei uns nicht als neutral wahrgenommen haben. Sie sahen in uns vielmehr die Helfershelfer von einer der Konfliktparteien im türkisch-syrischen Grenzgebiet, nämlich den Kurden. Schon der Verdacht, mit Kurden zusammenzuarbeiten, löst in der Türkei massive Abwehrreaktionen aus. Das haben wir schmerzhaft erlebt.

    Allerdings hat auch die türkische Seite nichts erreicht. Sie hat eine Hilfsaktion verhindert. Aber die Konflikte in der Türkei und in den Nachbarregionen gehen weiter. Die Gewalt, die Ungerechtigkeiten, der Unfrieden, die Not - nichts davon ist besser geworden dadurch, daß die türkischen Behörden glaubten, uns in den Arm fallen zu müssen.

    Wir glauben weiter daran, daß Frieden nur durch Menschlichkeit geschaffen werden kann.
    Wir werden weitermachen - umsichtiger und geschickter.

    Unser erster Schritt: Gut eintausend Euro sind aus der Aktion Rettungswagen an Spenden übriggeblieben. Wir setzen sie nun ein, um eine Familie in Diyarbakir zu unterstützen, die durch die jüngsten Kämpfe zwischen kurdischen Aufständischen und türkischen Spezialeinheiten obdachlos geworden sind. Wir hoffen, damit auch dem Willen unserer Spender gerecht zu werden!

    Zum Abschied senden wir Euch ein Bild von unserem Rettungswagen im Einsatz in Griechenland. Die Kinder sitzen gern am Steuer. Eines Tages werden sie unsere Welt retten.
    Vergeßt die Flüchtlinge nicht!
    www.facebook.com/docmobile.org/

    Danke für Eure Unterstützung!

    Herzlich grüßt, im Namen der Aktiven von Dresden hilft Kobane,
    Anja Osiander

  • Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer unseres offenen Briefes an einen türkischen Zollbeamten,

    Post aus Ankara: Die Antwort von Abdullah-bey ist eingetroffen. Auf Türkisch. Eine Kopie des Briefes findet Ihr unter dresden-hilft-kobane.de/?p=451.

    Was steht drin?
    Der Brief enthält keine persönliche Aussage. Stattdessen hält Abdullah-bey daran fest, daß unsere medizinischen Hilfsgüter nur mit einem transitberechtigten Fahrzeug (TIR) nach offzieller Abfertigung durch den Zoll die Türkei verlassen dürften. Zu unserem Appell, zum Wohle der Flüchtlinge zusammenzuarbeiten, merkt er trocken an, daß es nicht die Aufgabe des türkischen Zolls sei, Transporte zu organisieren. Schließlich bedauert er, daß wir keine Fax-Nummer angegeben haben, so daß ihm nichts anderes übrigbleibt, als diese Antwort auf dem Postweg an uns zu schicken. Er geht davon aus, daß uns sein Brief erst nach Ablauf der Lagerfrist erreichen werde, und weist vorsorglich schon jetzt jede Verantwortung für das weitere Geschehen von sich.

    Keine Frage: Diese Antwort ist enttäuschend. Abdullah-bey zuckt mit den Schultern.

    Wir wissen nicht, was inzwischen mit den Hilfsgütern geschehen ist. Wir müssen sie aufgeben. Das ist bitter.

    Wir haben in Dresden noch einmal beraten. Unser Fazit findet Ihr in der folgenden Nachricht.

    Herzlich grüßt aus Dresden
    Anja Osiander

Pro

Selbst wenn wir es nicht schaffen, die Hilfsgüter doch noch freizubekommen, ist diese Aktion nicht umsonst. Der Aufruf für ein Umdenken bleibt auf jeden Fall in vielen Hinterköpfen hängen. Wir brauchen viele solcher Aufrufe, damit es letztlich tatsächlich zu einem Umdenken kommt. Es ist ein Prozeß, und jeder Schritt in diesem Prozeß ist unentbehrlich.

Contra

ich habe die petition jetzt unterschrieben, obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass der brief den zollbeamten veranlasst, seine entscheidung zu revidieren. aus unterschiedlichen gründen. aber auch, da ich beim lesen ständig daran denken musste, dass inzwischen mehr als 120.000 seiner im weitesten sinne kollegen entlassen wurden. einfach so, per dekret. ich stelle mir die jetzige situation in türkischen behörden, schulen und universitäten als eine sehr schwierige vor.