Aufgrund von überlasteten Lehrerinnen und Lehrern, erhöhten Kosten für Eltern, wachsenden Diskrepanzen in der schulischen Leistung und belasteten Schülerinnen und Schülern bei mangelndem Lerneffekt fordert die Landesschülervertretung Hessen, dass:

-Hausaufgaben in ihrer jetzigen Form abgeschafft werden, -lehrergestützte und fachbezogene Übungsstunden ausgebaut werden, sodass es für jede Schülerin und jeden Schüler mindestens eine Übungsstunde gibt, -Lehrpläne gekürzt und überarbeitet werden, sodass auch die Kompetenzen, die selbstorganisiertes Lernen erfordert, gelehrt werden, -nicht bewertete, freiwillige Übungsaufgaben für zu Hause etabliert werden -eine Versuchsschule ohne Hausaufgaben in Hessen installiert wird

Begründung

Der Landesschülerrat forderte auf seiner Vollversammlung im Februar, dass Hausaufgaben in ihrer jetzigen Form abgeschafft und in den Unterricht integriert werden sollen. Anstelle von Hausaufgaben sollen verpflichtende und betreute Stunden angeboten werden, in denen Schülerinnen und Schüler ihren Unterricht nach- und vorbereiten können. Dort sollen ihnen auch Lehrkräfte zur Seite stehen, die helfen, Fragen oder Probleme zu klären. Nach der Schule sollen Jugendliche die Möglichkeit finden, sich sportlich, kulturell oder politisch zu engagieren. Die Meinungen der Thematik gehen weit auseinander. Während es von Kritikern heißt, dass die Schülerinnen und Schüler schlicht zu faul seien oder den ganzen Tag nur mit „Zocken“ verbringen wollten, argumentiert die LSV, dass man mit der Masse an Hausaufgaben überfordert sei und der eigenen Freizeit nicht hinterherkomme.

Warum Hausaufgaben abschaffen?

Für Lehrerinnen und Lehrer ist es unter den aktuellen Bedingungen kaum zu schaffen, dem Lehrplan gerecht zu werden. Die Schülerinnen und Schüler sind dadurch gezwungen, sich einen Großteil der Unterrichtsinhalte durch Eigenleistung selbst anzueignen. Selbstverständlich setzt Schule den Willen der Schülerinnen und Schüler voraus, doch ist die Umverteilung auf den Nachmittag mehr schlecht als recht, wodurch sich allein in Deutschland eine milliardenschwere Nachhilfebranche entwickelt hat. Pro Schülerin und Schüler werden so etwa 250€ jährlich für Nachhilfe ausgegeben. Die eigentlich vorgesehene eigenständige Erarbeitung des Stoffs ist offensichtlich oft nicht möglich. Schülerinnen und Schüler brauchen Unterstützung, um den Schulalltag zu meistern und es kann nicht sichergestellt werden, dass diese im eigenen Heim gegeben ist. Eine Schule mit Hausaufgaben kann also keine echte Chancengleichheit ermöglichen.

Nicht nur erweitern Hausaufgaben soziale Diskrepanzen, sie haben faktisch auch keinen Nutzen. Nicht eine einzige wissenschaftliche Studie konnte bisher belegen, dass Hausaufgaben zum effektiveren oder nachhaltigeren Lernen beitragen, vielmehr gab es teilweise sogar gegenteilige Ergebnisse. Es wird zwar eine Möglichkeit zur Wiederholung geboten, trotzdem verstehen viele Schülerinnen und Schüler die Inhalte nicht und bleiben deshalb hängen. Der Unterricht wird zu Beginn aufgehalten, da dieser Stoff nun erneut behandelt werden muss.

Weiterhin wirkt sich der Druck, welcher auf den Schülerinnen und Schülern lastet, negativ auf deren Psyche aus. Die Anzahl der von Burnout betroffenen Jugendlichen im Schulalltag steigt, obwohl das Hessische Schulgesetz Schülerinnen und Schülern ein Recht auf Freizeit zuspricht. (VOGSV §35)

Abschaffen, und dann?

Die Landesschülervertretung Hessen ist überzeugt, so den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler entgegenzukommen. Natürlich ist eine konstante Revision des Unterrichts erforderlich um Erfolg zu haben und langfristig zu lernen. Doch ist solch eine Wiederholung mit ausgebildetem Personal, sprich Lehrerinnen und Lehrern, durchzuführen. Ein schweizer Kanton hat zum Beispiel bereits gezeigt, dass man Hausaufgaben abschaffen kann, ohne dass der Lernerfolg geschmälert wird und dennoch die Belastung für alle Beteiligten sinkt (2).

Wer ist die Landesschülervertretung Hessen?

Die Landesschülervertretung Hessen (LSV) ist die demokratisch gewählte und gesetzlich legitimierte Interessenvertretung aller 806.000 Schülerinnen und Schüler, die eine weiterführende Schule in Hessen besuchen. Sie vertritt die Interessen der Schülerschaft vor dem Hessischen Kultusministerium, dem Hessischen Landtag und der Öffentlichkeit und unterstützt die Kreis- und Stadtschülerräte sowie die Schülervertretungen vor Ort.

(1) hessenschau.de/gesellschaft/nutzerumfrage-gehoeren-hausaufgaben-abgeschafft,hausaufgaben-streit-100.html (2) „Hausaufgaben? Nein, danke!“, Armin Himmelrath, S.28

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Pro

Eine Hausaufgaben freie Schule gibt es bereits in Gießen, die Sophie-Scholl-Schule, eine inklusive Schule mit Primarstufe und Sekundarstufe I als integrierte Gesamtschule. Bei Interesse am Konzept oder Fragen, gerne an mich wenden. Hier werden Übungseinheiten in den Schultag integriert, wobei das Konzept eine Ganztagsschule vorsieht ( längster Unterricht 1x/ Woche bis 15.45 Uhr.)

Contra

Die Petition ignoriert die wissenschaftlichen Fakten: "der Ergebnisband der OECD zur PISA-2000-Studie berichtete einen positiven Zusammenhang zwischen Hausaufgabenzeit und Schülerleistung in fast allen an PISA teilnehmenden Staaten". Wichtig dabei: der Zeitaufwand ist nicht entscheidend, sondern die Regelmässigkeit.