31 Unterschriften
Petition richtet sich an: Deutscher Bundestag Petitionsausschuss
Die jüngsten Entscheidungen der Bundesregierung, das russische Generalkonsulat in Bonn zu schließen und die Zusammenarbeit mit dem Russischen Haus in Berlin zu beenden, wurden mit dem schwerwiegenden Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle begründet. Unserer kritische Infrastruktur ist unantastbar und hybride Angriffe dürfen nicht toleriert werden.
Dennoch müssen wir mit tiefer Besorgnis fragen: Zu welchem Preis? Und mit welchem Ziel?
Besonders unverständlich und geschmacklos erscheint die Wahl des Verkündungsdatums. Die Bundesregierung gab ihre Entscheidung am 1. September 2026 bekannt – dem Tag "Tag des Friedens". Es ist der Tag, an dem wir der Opfer von Krieg und Gewalt gedenken. Es ist der Tag, an dem wir uns verpflichtet fühlen, aus der Geschichte zu lernen. Denn der 1. September ist auch das Datum, an dem Deutschland 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg entfesselte – die bis heute größte menschliche und politische Katastrophe Europas.
An was wird uns der 1. September 2026 erinnern?
Nicht Krieg – aber eine Politik der Isolation, die in ihrer Symbolik an dunkle Zeiten erinnert. Eine Politik, die den Dialog durch Vergeltung ersetzt. Eine Politik, die keine Exit-Strategie kennt.
Wir, die Unterzeichner dieser Petition, sagen: Nicht in unserem Namen.
Wir teilen die Sorge um die nationale Sicherheit. Wir verurteilen hybride Angriffe auf unsere Infrastruktur. Aber wir fordern eine verantwortungsvolle, strategisch durchdachte Außenpolitik, die über das bloße Schließen von Türen hinausgeht. Eine Politik, die sich ihrer historischen Verantwortung bewusst ist – gerade an diesem Tag.
Unsere Kritik an der derzeitigen Vorgehensweise
Fehlende Exit-Strategie
Es ist nicht ersichtlich, unter welchen konkreten Bedingungen die Schließung rückgängig gemacht wird oder wie ein konstruktiver Dialog über Sicherheitsfragen wieder aufgenommen werden kann. Ohne Konfliktlösung, droht eine Sackgasse .
Verlust von Einfluss und Dialogkanälen
Deutschland verliert einen direkten Draht zur russischen Administration. Das schwächt unsere eigene Fähigkeit zur Einflussnahme im Krisenfall.
Belastung der Zivilgesellschaft
Die Massnahmen treffen nicht die politischen Führungen, sondern die kulturelle Verständigung und die Menschen vor Ort. Der Abbau von Begegnungsmöglichkeiten vergiftet das Verhältnis zwischen unseren Gesellschaften langfristig.
Symbolik statt Substanz
Die Maßnahme verhindert keinen einzigen hybriden Angriff in der Zukunft.
Unser Appell an die Bundesregierung
Die Bundesregierung ist demokratisch legitimiert, aber sie ist nicht der Herr über die Bürger – sie ist die Dienerin des Souveräns. Wir, die Unterzeichner dieser Petition, sind das Volk, dessen Auftrag sie ausführt. Und wir erteilen ihr hiermit einen klaren Auftrag:
1. Transparenz herstellen
Wir verlangen von der Bundesregierung, unverzüglich offenzulegen, welche konkreten, überprüfbaren Schritte von russischer Seite erwartet werden, um die diplomatischen Beziehungen auf dem aktuellen Niveau zu halten oder die Schließung rückgängig zu machen.
2. Beweise vorlegen
Wir fordern die Bundesregierung auf, die Grundlage ihrer Entscheidung einer unabhängigen, international anerkannten und neutralen Prüfung zugänglich zu machen. Konkret erwarten wir die Einrichtung einer unabhängigen Expertenkommission (z.B. unter Beteiligung der OSZE, der UN oder neutraler Staaten wie der Schweiz), die die sichergestellten Beweismittel (Drohne, Sprengstoff, DNA-Spuren) technisch und forensisch untersucht. Die Offenlegung der nachrichtendienstlichen Erkenntnisse in einer für die Kommission nachvollziehbaren Form, soweit dies mit Sicherheitsinteressen vereinbar ist. Einen abschließenden, öffentlich zugänglichen Bericht, der die Ergebnisse der Prüfung dokumentiert.
Wir akzeptieren keine Entscheidungen, die auf Geheimdienstinformationen beruhen, die der Souverän nicht überprüfen kann.
3. Eine Exit-Strategie vorlegen
Wir erwarten die Vorlage eines klaren Fahrplans, der festlegt, unter welchen Bedingungen die Beziehungen wieder auf eine kooperative Basis zurückgeführt werden können. Eine Politik ohne Ausstiegsszenario ist keine Strategie, sondern eine Sackgasse – und diese dulden wir nicht.
4. Kooperative Alternativen prüfen
Wir fordern die Bundesregierung auf, die geplante Schließung des Konsulats auszusetzen, solange Russland bereit ist, an einer gemeinsamen, internationalen Untersuchung hybrider Bedrohungen mitzuwirken. Wir erwarten, dass alle verfügbaren diplomatischen Kanäle ausgeschöpft werden, bevor irreversible Schritte unternommen werden.
5. Zivilgesellschaftliche Brücken bewahren
Wir bestehen darauf, dass die Entscheidung zur Schließung des Russischen Hauses überprüft wird. Kulturelle Begegnungsstätten sind keine politischen Faustpfänder sondern gehören den Menschen. Wir akzeptieren nicht, dass unsere kulturelle Verständigung für symbolische Vergeltungsakte geopfert wird.
Begründung
Die wahre Stärke einer demokratischen Regierung zeigt sich nicht darin, Beziehungen abzubrechen, sondern darin, auch in angespannten Lagen das Gespräch zu suchen und Lösungen zu erarbeiten. Das ist nicht nur unser Wunsch – es ist unser Auftrag an Sie.
Wir zahlen Ihre Gehälter, wir tragen die Konsequenzen Ihrer Entscheidungen, und wir erwarten, dass Sie in unserem Interesse handeln. Unser Interesse ist Sicherheit – aber Sicherheit durch Dialog, nicht Sicherheit durch Eskalation und Isolation.
Wir fordern eine Außenpolitik, die Sicherheit und Dialog nicht gegeneinander ausspielt, sondern als zwei Seiten derselben Medaille begreift. Handeln Sie im Namen des Souveräns – und handeln Sie weise.
Angaben zur Petition
Petition gestartet:
04.09.2026
Sammlung endet:
03.03.2027
Region:
Deutschland
Kategorie:
Außenpolitik
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