Petition gegen die geplante Notdienstreform der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg

Petition richtet sich an
Landtag von Baden-Württemberg (Petitionsausschuss) - Kassenärztliche Vereinigung

579 Unterschriften

Sammlung beendet

579 Unterschriften

Sammlung beendet

  1. Gestartet November 2025
  2. Sammlung beendet
  3. Einreichung am 01.05.2026
  4. Dialog mit Empfänger
  5. Entscheidung

Petition richtet sich an: Landtag von Baden-Württemberg (Petitionsausschuss) - Kassenärztliche Vereinigung

Sehr geehrte Damen und Herren,
 
wir möchten unsere große Sorge über die geplante Reform des kassenärztlichen Notfalldienstes in
Baden-Württemberg zum Ausdruck bringen.
Wir unterstützen ausdrücklich die ursprüngliche Zielsetzung, die Regelversorgung durch eine faire
Verteilung der Dienstlast zu stärken.
In ihrer aktuellen Ausgestaltung droht die Reform jedoch das Gegenteil zu bewirken.
 
Seit Jahrzehnten funktioniert in Baden-Württemberg ein bewährtes und rechtskonformes Notdienstsystem, das:
·      die Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherstellt,
·      die Ärztinnen und Ärzte entlastet,
·      und die KV in die Lage versetzt, ihren gesetzlichen Sicherstellungsauftrag zuverlässig zu erfüllen (§ 75 SGB V).
Jetzt soll dieses funktionierende System ohne ausreichende Einbeziehung der Ärzteschaft verändert werden. 
Der aktuelle Stand der Reform bedeutet für viele Niedergelassene eine zusätzliche Belastung statt der versprochenen Entlastung.
 
Warum:
 
- Durch kürzere Dienstzeiten im Fahrdienst und den Wegfall der Fahrpauschale, ergibt sich eine schlechtere Bezahlung und der finanzielle Anreiz zur Übernahme von Diensten durch qualifizierte
persönliche Vertreter entfällt. Damit ist eine Dienstabgabe und Entlastung der niedergelassenen
Ärzteschaft die diese weitergeben wollen nicht mehr möglich.
 
- Lange Anfahrtszeiten zum Dienststandort des Fahrdienstes
(Ohne Vergütung und Anrechnung der Anfahrtszeit)
 
- Ein Dienstende kann bei weiten Strecken häufig nicht eingehalten werden mit teils Auswirkungen auf die Praxistätigkeit.

- Sehr große Dienstbezirke, praktisch nicht abzudecken

- Zeitnahe Patientenversorgung ist häufig unmöglich

Gravierenden Konsequenzen:

Gefahr vorzeitiger Praxisaufgaben
Besonders ältere oder gesundheitlich belastete Ärztinnen/e, welche bislang keine Dienste gefahren sind und diese nun fahren müssten könnten Ihre Praxis aufgeben.
 
Gesundheitsrisiken durch Zwangsdienste
Nacht- und Bereitschaftsdienste erhöhen das Risiko für Erschöpfung, Schlafmangel und kardiovaskuläre Ereignisse.
 
Patientenversorgung in der Praxis:
Notdienste führen unweigerlich zu reduzierten Sprechstundenzeiten und gefährden damit die wohnortnahe Regelversorgung – im Widerspruch zum gesetzlichen Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigung.
 
Verringerung des Nachwuchses in der Niederlassung
Ein starker Anreiz für Klinikärztinnen/e in die ambulante Versorgung zu wechseln war die freiere Dienstgestaltung oder sogar dienstfreie Tätigkeit.
 
Überforderung der Rettungsdienststrukturen
 
- Steigende Einsatzzahlen der Rettungsdienste und Notfallpraxen – da der Arzt sich auf der Straße und nicht beim Patienten befindet

Unsere Forderungen
Um die ambulante Versorgung zu schützen, brauchen wir eine Reform, die tatsächlich entlastet – nicht belastet. Wir fordern:
·      Stoppen Sie die aktuelle Notdienstreform.
·     Die Rückkehr zu den ursprünglichen Dienstbereichen, die sich über Jahrzehnte bewährt haben. Die bisherigen Pilotvergrößerungen haben sich als nicht praxistauglich erwiesen.
·      Eine gesicherte Möglichkeit, Dienste rechtskonform an qualifizierte Drittanbieter zu übertragen.
·      Die Prüfung erfolgreicher Modelle anderer Kassenärztlicher Vereinigungen, insbesondere das Vorbild der KV Nordrhein-Westfalen, mit systematische Einsatz qualifizierter Drittanbieter und eines digitales Triage-System
·      Ein Moratorium, um die Reform gemeinsam mit der Ärzteschaft neu auszurichten und praxistauglich zu gestalten.
 
Fazit
Die Reform in ihrer aktuellen Form gefährdet funktionierende Strukturen, verschärft bestehende Probleme und stellt eine erhebliche Mehrbelastung für die niedergelassene Ärzteschaft dar.
Sie schwächt die ambulante Versorgung in Baden-Württemberg und schreckt den dringend benötigten Nachwuchs ab.

Wir appellieren eindringlich an die Verantwortlichen, in einen offenen und konstruktiven Dialog mit der Ärzteschaft zu treten und gemeinsam eine Reform zu entwickeln, die Versorgungssicherheit und echte Entlastung gleichermaßen gewährleistet.

Begründung

Sicherstellung der ärztlichen Versorgung und eines funktionierenden Dienstsystems.

Angaben zur Petition

Petition gestartet: 26.11.2025
Sammlung endet: 25.05.2026
Region: Baden-Württemberg
Kategorie: Gesundheit

Neuigkeiten

  • Liebe Kollegen,
    wir wollten euch über die ersten Schritte und Entwicklungen der Petition auf den neusten Stand bringen. Wir haben bereits vor Abschluss der Petition, welche bereits 579 Unterstützende Ärztinnen/e hat, Kontakt mit der KV – Frau Dr. Reinhardt – aufgenommen um in den weiteren Dialog einzutreten. Dies ist der erste Schriftwechsel.
    Über alles Weitere werden wir euch auf jeden Fall informieren.
    Mit freundlichen Grüßen
    ---------
    Sehr geehrte Frau Reinhardt,

    im Zuge der geplanten Notfalldienstreform haben wir – eine Gruppe niedergelassener Ärztinnen und Ärzte aus Südbaden (Schopfheim, Rheinfelden, St. Blasien) – aus Sorge um die Patientenversorgung eine Petition initiiert.

    Innerhalb kurzer Zeit haben sich 570 Kolleginnen und Kollegen angeschlossen und ihre deutliche Ablehnung der aktuellen Reformpläne geäußert. Die einhellige Einschätzung ist, dass die Reform die Regelversorgung – die Kernaufgabe der KV – gefährdet.

    Als Hauptursache sehen wir die Zersplitterung der Notdienstzeiten in kürzere Zeitfenster. Dadurch verlieren Dienste ihre wirtschaftliche Attraktivität und werden künftig weniger bis gar nicht freiwillig durch qualifizierte persönliche Vertreter übernommen. Dies führt dazu, dass die Last noch stärker auf den ohnehin überbeanspruchten niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten liegt.

    Dies führt trotz kürzerer Einzelzeiten zu einer realen Mehrbelastung, beeinträchtigt Erholung und Lebensqualität und mindert die Attraktivität der Niederlassung. Absehbare Folgen sind Praxisschließungen sowie eine sinkende Bereitschaft des Nachwuchses zur Niederlassung.
    Damit besteht die ernsthafte Gefahr einer nachhaltigen Schwächung der Patientenversorgung.

    Aus Respekt vor der Zusammenarbeit mit der KV möchten wir zunächst das direkte Gespräch mit Ihnen suchen und unsere Bedenken sowie konstruktive Vorschläge einbringen.
    Gerne schlagen wir hierfür einen Termin im Mai/Juni vor.

    Den aktuellen Stand der Petition finden Sie unter:

    https://www.openpetition.de/petition/online/petition-gegen-die-geplante-notdienstreform-der-kassenaerztlichen-vereinigung-baden-wuerttemberg?
    (Die Kommentare zur Petition spiegeln den aktuellen Zustand der Ärzteschaft eindrücklich wider.)

    Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung,

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. med. univ. Christina Bockemühl Schopfheim
    Dr. med. Dirk Jochmann St. Blasien
    Dr. med. Tibor Bojti Rheinfelden
    Volker Pochert Schopfheim

    Antwort Frau Dr. Reinhardt:
    Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
    Ihre Petition haben wir entgegengenommen, sind aber etwas überrascht, dass sie uns schon zu einem Zeitpunkt vorgelegt wird, zu dem sie noch gar nicht beendet ist. Ebenso können wir eine Zuständigkeit des Landtages, an den sie gerichtet ist, nicht erkennen.
    Wir sind auch überrascht, da Sie von einer Notfalldienstreform im Fahrdienst sprechen, die es in der von Ihnen dargestellten Form noch gar nicht gibt. Die Vertreterversammlung hat im Dezember 2023 beschlossen, dass der Ärztliche Bereitschaftsdienst grundlegend reformiert werden soll. Dazu gehört auch, dass ein landesweiter Fahrservice eingerichtet wird und größere Dienstbereiche im Fahrdienst gebildet werden. Es gibt dazu ein Pilotprojekt in der Region Mittelbaden, das ausgesprochen erfolgreich ist. So können wir mit 40 Prozent weniger Dienstbelastung die erforderlichen Hausbesuche und Leichenschauen weiter ausführen. Es gibt keine Patientenbeschwerden, auch von den beteiligten Ärztinnen und Ärzte bekommen wir überwiegend positive Rückmeldungen. Von der von Ihnen behaupteten Verschlechterung kann also nach den bisherigen Erfahrungen keine Rede sein. Vor allem freut es uns, dass der Wunschdienstplan dazu geführt hat, dass nahezu alle Dienste freiwillig oder durch Kooperationsärzte „gebucht“ wurden. Die beste Maßnahme zur Verbesserung der Regelversorgung ist im Bereich des Bereitschaftsdienstes dafür zu sorgen, dass die Ärztinnen und Ärzte so wenig Dienste wie möglich machen müssen. Die Erfahrungen zeigen, dass das Konzept ziemlich gut funktioniert.
    Wie die Dienstbezirke künftig zugeschnitten werden, wie der Dienst genau organisiert wird, befindet sich aktuell in der Planung. Festgelegt ist nur, dass wir im April 2027 mit einem neuen landesweiten Fahrdienstmodell starten wollen. In die Vorbereitung werden selbstverständlich die gewählten Gremien der Ärzteschaft eng mit eingebunden. Und ebenso selbstverständlich werden Sie rechtzeitig vorher informiert.
    Überrascht sind wir auch von der intensiven Werbung für persönliche Vertreter. Wir streben weiterhin an, dass Ärztinnen und Ärzte ihre Dienste unkompliziert an jemand anderen übergeben können. Mit den Kooperationsärzten haben wir schon vor zwei Jahren eine Lösung gefunden, die sehr gut angenommen wird. Vor allem ist sie für die abgebenden Ärztinnen und Ärzte mit wesentlich weniger Kosten verbunden.
    Wir kommen gerne auf Sie zu, sobald sich unsere Planungen weiter konkretisiert haben.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. med. Doris Reinhardt

Helfen Sie mit, Bürgerbeteiligung zu stärken. Wir wollen Ihren Anliegen Gehör verschaffen und dabei weiterhin unabhängig bleiben.

Jetzt fördern