Der aktuelle Haushaltsplanentwurf der niedersächsischen Landesregierung stellt eine akute Bedrohung für die Vielfalt der gesamten Theater- und Orchesterlandschaft dar und entzieht sowohl den größeren als auch den kleineren Theatern und Orchestern die finanziellen Grundlagen für eine lebendige und zeitgenössische Aufrechterhaltung der Angebote.

Das Kulturministerium des Landes Niedersachsen hat den kommunalen Theatern zum teilweisen Ausgleich der Versäumnisse der vergangenen Jahre eine dauerhafte Erhöhung der Förderung von 6 Millionen Euro zugesagt. Der errechnete Bedarf der Theater liegt bei mindestens 9 Millionen Euro. Doch selbst die 6 Millionen Euro sind vom Finanzminister des Landes ohne den Hauch einer substantiellen Begründung wieder aus dem Haushaltsentwurf gestrichen worden. Dabei steht Niedersachsen bei den öffentlichen Ausgaben für Kultur im Ländervergleich je Einwohner ohnehin schon an drittletzter Stelle.

#rettedeintheater

Weil der Haushalt demnächst beschlossen wird, haben das Ensemble und die Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen des Deutschen Theater Göttingen die Aktion #rettedeintheater - KEINE KULTURWÜSTE IN NIEDERSACHSEN ins Leben gerufen und bereits viel Unterstützung von Seiten der Zuschauer/Zuschauerinnen erfahren. (Bilder von der Fotoaktion finden sie hier: https://rettedeintheater.tumblr.com/)

EINHEIT AM TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT

Seit dem dritten Oktober arbeiten nun alle Theaterschaffenden Niedersachsens zusammen an einem Kurswechsel der Kulturpolitik. Die Ensembles und Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen der Stadt- und Staatstheater (Deutsches Theater Göttingen, Theater Lüneburg, Theater Osnabrück, Schlosstheater Celle), die Landesbühnen (Theater für Niedersachsen Hildesheim, Landesbühne Niedersachsen Nord Wilhelmshaven), die freien Theater vertreten durch den LaFT, das Göttinger Symphonie Orchester, die Orchesterkonferenz Niedersachsen, die DOV und die Schauspielschule Hannover haben sich solidarisiert und lassen sich von der Kulturpolitik nicht länger gegeneinander ausspielen.

GEIZ IST NICHT GEIL

Die Zeit drängt! NRW, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Hamburg und Berlin haben die Mittel für ihre Theater und Orchester in Anerkennung der existentiellen Notwendigkeit substantiell erhöht. Es darf nicht sein, dass die kulturellen Einrichtungen in Niedersachsen abgehängt werden. Unterstützen Sie einen Kurswechsel der niedersächsischen Kulturpolitik und fordern Sie zusammen mit allen Theaterschaffenden, allen Sängern/Sängerinnen, Musikern/Musikerinnen, Tänzern/Tänzerinnen und unseren Zuschauern die langfristige Erhöhung der Fördermittel des Landes für alle seine Theater! Es hängt auch von Ihnen ab, ob die kulturelle Landschaft Niedersachsens in Zukunft neben den anderen Bundesländern bestehen und einer demokratischen, offenen und toleranten Gesellschaft den Rücken stärken kann! Für eine finanzpolitische Entscheidung im Sinne des Erhalts von kultureller Vielfalt und kritischer Solidarität!

Reason

THEATER SIND ERFAHRUNGSRÄUME DER DEMOKRATIE

Weil in Theatern wie nirgendwo sonst konträre Ansätze, Aussagen und Ausdrucksformen nebeneinander existieren und aufeinanderprallen können, ohne dass man sich deswegen die Fresse einschlägt. Weil im Theater alle Menschen im Zuschauerraum willkommen sind, direkt aufeinandertreffen und miteinander kommunizieren.

WIR BRAUCHEN THEATER, GERADE JETZT.

Die Gegner*innen der liberalen Gesellschaft haben längst begriffen, wie wichtig die Theater als Symbol einer offenen, pluralistischen Gesellschaft sind. Das kann man in Polen, in Ungarn, in Russland besichtigen – und im Wahlprogramm der AfD. Wer Demokratie und Zivilgesellschaft stärken möchte, muss die Theater, die Lehranstalten der Pluralität, stärken. Gerade jetzt. Es ist Zeit, dass nicht nur die Gegner einer offenen Gesellschaft erkennen, wie zentral Kultur für sie ist, sondern auch ihre Protagonisten.

WIR BRAUCHEN POSITIVE RÄUME DER AUSEINANDERSETZUNG

Räume der Neugier, Offenheit, Toleranz und Lust – gegen die Besetzung des öffentlichen Raumes durch die Agitatoren der Angst und des Hasses.

MEHR GELD MEHR ZEIT MEHR KUNST

Zeichensetzende Mehrinvestition des Landes in seine kulturellen Einrichtungen sind jetzt nötig, um:

  • der großen Nachfrage im theaterpädagogischen Bereich weiterhin nachkommen zu können
  • den Kontakt zur jungen Generation auszubauen und sie kreativ zur Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen zu ermuntern
  • Schulkooperation aufrechtzuerhalten und betreuen zu können
  • verstärkt integrativ tätig zu sein
  • den Mitarbeiter*Innen trotz kontinuierlich steigender Fixkosten faire Bezahlung und soziale Arbeitsbedingungen zu bieten
  • tagespolitische Zusatzformate wie Gesprächsforen und Diskussionrunden kostenlos für alle anbieten zu können
  • den Anschluss an zeitgemäße ästhetische Formen und die Digitalisierung nicht zu verlieren, weil die Kosten für moderne Technik und künstlerische Ausstattung steigen und mit der bisherigen Förderung nicht mehr zu bezahlen sind
  • abwechslungsreiche Spielpläne unabhängig und nach künstlerischen Kriterien ausrichten zu können

DAS SAGTE DIE DIE BEAUFTRAGTE DER BUNDESREGIERUNG FÜR KULTUR UND MEDIEN (BKM), MONIKA GRÜTTERS, 2017 BEI DER PREISVERLEIHUNG DES DURCH SIE EINGEFÜHRTEN "ERMUTIGUNGSPREIS" FÜR KLEINE THEATER: Theater reflektieren, was Menschen bewegt und umtreibt; sie verhandeln Konflikte, die in der Gesellschaft gären und die zwischen verhärteten Fronten argumentativ oft nicht mehr zu bewältigen sind. Was gerade die kleineren Bühnen, was gerade Theater fernab der Metropolen in diesem Sinne leisten, erfährt allerdings leider viel zu wenig Würdigung und Wertschätzung (...) Wie verheerend wäre es, wenn wir ausgerechnet auf unsere Theater verzichten müssten in der Auseinandersetzung mit Populismus, Rassismus und Nationalismus, oder allgemein gesprochen: mit Themen, die unsere Gesellschaft zu spalten drohen.

ZITAT AUS DER KOALITIONSVEREINBARUNG DER NIEDERSÄCHSISCHEN LANDESREGIERUNG:

  • Professionell wie ehrenamtlich geführte Kultureinrichtungen und -initiativen (...) müssen sich neuen Herausforderungen wie der Digitalisierung und der Integration stellen. Dafür benötigen sie die Unterstützung des Landes.

  • Das Investitionsprogramm für kleine und mittlere Kultureinrichtungen und Museen soll erhöht werden.

  • Die kommunalen Theater, die freien Theater, die Amateurtheater, die Theaterpädagogik und die Soziokultur sind Garanten dafür, dass es kulturelle Vielfalt im Flächenland Niedersachsen gibt. Wir wollen sie stärker fördern.

WEITERFÜHRENDE LINKS:

„Diese Entwicklung wollen wir gemeinsam mit den kommunalen Trägern umkehren.“: www.medienservice.sachsen.de/medien/news/218392

Bei den öffentlichen Ausgaben für Kultur im Ländervergleich je Einwohner steht Niedersachsen bereits an drittletzter Stelle: www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/Kultur/Kulturfinanzbericht1023002169004.pdf?__blob=publicationFile (Seite 36)

Presseartikel aus der Lüneburger Zeitung (Juni 2018): www.dropbox.com/s/t82nhcn9u7covnw/Info%20Theaterf%C3%B6rderung%20L%C3%BCneburg%203446_001.pdf?dl=0

Es muss etwas passieren - Niedersachsen braucht ALLE seine Theater und Orchester!

Thank you for your support, Aktionsbündnis #rettedeintheater from Göttingen
Question to the initiator

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News

  • Liebe Unterzeichner*innen der Petition,
    wir brauchen erneut und noch dringender als zuvor Eure/Ihre Unterstützung. Und noch einmal Eure/Ihre Unterschrift.

    Denn unsere zweite Petition – #rettedeintheater reloaded – ist ab sofort bis zum 20. Mai auf der Seite des Niedersächsischen Landtags online und kann dort unterzeichnet werden: www.navo.niedersachsen.de/navo2/portal/nipetition/0/publicviewpetition?id=16

    3 VON 9 MILLIONEN FÜR DIE KOMMUNALEN THEATER UND MEHR GELD FÜR DIE FREIEN THEATER IN NIEDERSACHSEN. IHR/SIE ERINNERT EUCH? ALSO ALLES GUT? LEIDER NICHT.

    Obwohl – dank unser aller Engagement, der ersten Petition, die ihr/Sie mitgezeichnet habt, einer Kundgebung der vereinigten niedersächsischen Theaterschaffenden vor dem Landtag, großer medialer Präsenz usw. – den kommunalen Theatern für das nächste Haushaltsjahr zusätzliche 3 Mio. Euro von der Landespolitik zugesprochen wurden, sollen diese jetzt doch nicht zusätzlich sein, sondern werden u.a. mit Tarifsteigerungen verrechnet. Den Theatern steht damit kaum mehr Geld zur Verfügung als zuvor. Außerdem stehen diese Gelder noch immer nicht regulär im Haushalt, sondern müssen für die nächsten Jahre erneut verhandelt werden. Das gilt auch für die dauerhafte Übernahme der Tarifsteigerungen in vollem Umfang.
    Auch für die Freien Theater, denen über die politische Liste für das Jahr 2019 250.000 Euro mehr für die so genannte Konzeptionsförderung zugesprochen wurde, bleibt die Situation unkalkulierbar und verunsichernd: Denn die Konzeptionsförderung wird über einen Dreijahreszeitraum vergeben. Sollte die Verdopplung (von 255.000 auf 500.000 Euro) nicht verstetigt werden steht den geförderten Theatern im zweiten und dritten Jahr nur noch die Hälfte der vom Theaterbeirat des MWK befürworteten Summe zur Verfügung.

    FÜNF MINUTEN-TERRINE STATT GULASCH

    Was also bislang seitens Presse, Politik, Unterstützer*innen und Aktionsteam als Teilerfolg gewertet wurde, droht zum Misserfolg zu werden. Doch die Bürokratie hat auch ihr Gutes und so hat – just rechtzeitig zu Beginn der neuen Verhandlungsrunde – der Petitionsausschuss des Niedersächsischen Landtags unsere zweite Petition für öffentlich relevant befunden und zur Veröffentlichung und Mitzeichnung auf der Seite des Niedersächsischen Landtags freigegeben: www.navo.niedersachsen.de/navo2/portal/nipetition/0/publicviewpetition?id=16

    Bitte unterzeichnet noch einmal, teilt diesen Aufruf in Euren/Ihren Netzwerken, auf Homepages, mit Freunden und Verwandten. Wenn die Landespolitik jetzt nicht umlenkt, könnte der Zug in Niedersachsen für längere Zeit abgefahren sein.

    Es grüßen euch/Sie herzlichst
    Das Aktionsteam #rettedeintheater und das Aktionsbündnis der Niedersächsischen Theaterschaffenden

    PS1: Wer sich nun fragt, wieso denn überhaupt eine zweite Petition beim Landtag vorliegt, wo doch die erste Petition mit über 19.000 Unterzeichner*innen so erfolgreich war, dem sei gesagt, dass eine Petition auf der Plattform Open Petition für den Niedersächsischen Landtag nicht relevant ist bzw. mindestens nicht zu einer Anhörung im Fachausschuss berechtigt, mögen auch noch so viele Menschen unterzeichnen. Allerdings wird es wohl auch kaum eine Petition ohne vorherige Aufmerksamkeit auf die Landtagsseite schaffen. Es beißt sich also gewissermaßen die Katze selbst in den Schwanz.

    PS2: Und hier endlich auch die Long-Version der Videoaktion „WIR INVESTIEREN. AUS LEIDENSCHAFT.“: vimeo.com/327754263

  • Von 0 auf 3 Mio. € für die kommunalen Theater und das GSO, von Kürzungen auf 250.000 € für den LaFT und die freien Theater, eine Gesamterhöhung von insgesamt ca. 8,2 Mio. € zusätzlich für Theater und Kultur gegenüber dem Entwurf des Kultur- und Wissenschaftsministeriums im gestern verabschiedeten Haushalt SIND GRUND GENUG, die Aktion #rettedeintheater – Keine Kulturwüste in Niedersachsen! erst einmal kurz zu feiern.

    Die Erhöhungen sind das Ergebnis der Haushaltsverhandlungen im Niedersächsischen Landtag, die gestern abgeschlossen wurden. Nach einer dreimonatigen Reise in die Welt der Politik ist dem Bündnis damit ein Teilerfolg gelungen.

    Ihre Unterstützung unseres Anliegens, die Petition mit mehr als 19.000 Unterschriften, die Kundgebung vor dem Niedersächsischen Landtag, die solidarische Einheit der Theaterschaffenden Niedersachsen, zahlreiche Gespräche mit Politiker*innen aller Fraktionen, die solidarische Videoaktion „Wir investieren. Aus Leidenschaft.“ und der Schulterschluss unzähliger Abgeordneter beinahe aller Parteien aus Kommunal-, Landes- und Bundespolitik trägt also erste finanzielle Früchte.

    Doch wer glaubt, das Aktionsbündnis der Niedersächsischen Theaterschaffenden zöge sich nun wieder zurück in seine sogenannten „Elfenbeintürme“, liegt falsch. Letztlich geht es nicht nur darum, wie viele Millionen wo verteilt werden, sondern um die Anerkennung und den Wert:
    Kunst und Kultur sind keine freiwillige Leistung, sie gehören nicht auf die unsichere politische Liste sondern verstetigt in den Haushalt – ob auf Landes- oder kommunaler Ebene. Theater und Orchester verdienen Planungssicherheit um sich dem zu widmen, was ihr Auftrag ist: das Denken um die Ecke, das Schaffen von demokratischen Begegnungsräumen, die ästhetische Bildung.

    In diesem Sinne wünschen wir Euch und Ihnen entspannte und erholsame Weihnachten, einen guten Rutsch ins neue Jahr und freuen uns auf Eure/Ihre Unterstützung auch im Jahr 2019, wenn es darum geht, die einmalig gesprochenen Gelder dauerhaft im Kulturhaushalt des Landes zu verankern.

pro

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contra

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