Wirtschaftsfaktor, Teil des Lehrplans in den Schulen, sozialer Treffpunkt und Wettkampf- sowie Trainingsraum – das haben Deutschlands Bäder alle gemeinsam. Öffentliche Bäder sind Orte für das hoheitliche Schulschwimmen und ermöglichen der nachwachsenden Generation eine der zentralen menschlichen Kulturfähigkeiten, das Schwimmen, zu erlernen.

Seit Jahren sehen wir mit großer Sorge den unheilvollen Trend zu Bäderschließungen in Deutschland. Zu Lasten der Wassersicherheit der Bevölkerung und bezahlbarer sozialer Angebote versuchen die unter Finanzdruck geratenen Kommunen, durch unsystematische Schließungen von Bädern, ihre Haushalte zu bereinigen.

Öffentliche Bäder werden aufgrund ihrer Daseinsvorsorgefunktion regelmäßig von Kommunen bezuschusst. Im Vergleich zu anderen bezuschussten Einrichtungen fallen die Zuschüsse pro Besuch mit durchschnittlich 5-10 Euro (Quelle: Überörtlicher Betriebsvergleich Bäderbetriebe – ÜÖBV, Deutsche Gesellschaft für das Badewesen e.V.) allerdings bescheiden aus.

Der anhaltende Trend, ersatzweise Freibäder zu bauen oder auf so genannte Badeteiche auszuweichen, bietet witterungsbedingt weder die Verlässlichkeit des Angebots noch taugt die bauliche Struktur für Ausbildung und Sport. Hinzu kommt, dass die häufig von privaten Investoren erbauten Spaßbäder nicht den notwendigen Ausbildungsgesichtspunkten entsprechen. Allein im vergangenen Jahr wurden 4.500 Schwimmprüfungen weniger abgenommen als im Vorjahr.

Viele öffentliche Bäder stehen vor bisher ungelösten Problemen. Etwa die Hälfte der Anlagen weisen einen erheblichen Sanierungsstau auf; insbesondere Schwimmvereine und Wasserrettungsorganisationen berichten von einer zunehmenden Bedarfsunterdeckung, was sich zum Beispiel in zu langen Wartezeiten für Schwimmkurse auswirkt. Die aufgrund der sozialen und gesellschaftlichen Leistungen der Bäder erforderlichen Zuschüsse können wegen häufiger Finanzknappheit und struktureller Unterfinanzierung von den Trägern, hauptsächlich Kommunen, immer weniger geleistet werden. Die durch verschleppte Investitionen verursachte rückläufige Attraktivität der betroffenen Anlagen führt zu erheblichen Besucherverlusten und letztlich zur Schließung.

Um die Missstände wirksam zu bekämpfen, sind unter anderem folgende Maßnahmen zu ergreifen: So sollte eine angemessene und nachhaltige Bäderversorgung durch systematische Bedarfsplanung und Bedarfsdeckung im Rahmen eines bundesweiten Masterplans sichergestellt werden. Der Raum für Schwimmen kann nur weiterentwickelt werden, wenn auf allen räumlichen Ebenen der jeweilige Bedarf der Öffentlichkeit, der Schulen und der Sportvereine auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt und darauf aufbauend Raumprogramme (Wasserflächen, sonstige Flächen, Funktionsbereiche) aufgestellt und umgesetzt werden. Wir fordern einen goldenen Plan ähnlich dem der 1960er Jahre. Wir fordern die Politik auf, eine Gesellschaft ähnlich der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) zu gründen, die ausschließlich die Aufgabe hat, die Bädersanierung in Deutschland zu koordinieren; mit einem Zeitrahmen von zehn Jahren. Der Finanzbedarf beträgt etwa 14 Milliarden Euro, der je zur Hälfte vom Bund und Ländern/Kommunen getragen wird. Alle müssen wieder an einem Strang ziehen. Rettet die Bäder!

Die Finanzierung der öffentlichen Bäder muss nachhaltig gesichert werden. Der hohe Sanierungsstau zeigt deutlich, dass unter der Prämisse der grundsätzlichen kommunalen Zuständigkeit für die Finanzierung von Bädern eine nachhaltige, bundesweit einheitliche Bäderentwicklung nicht stattfinden kann oder zumindest nicht stattfinden konnte. Etwa drei Viertel der Lebenszykluskosten eines Bades entstehen während der Betriebsphase, weswegen auch die langfristige Finanzierung dieser operativen Kosten sichergestellt sein muss.

Reason

Schwimmen ist eine der gefragtesten Freizeitaktivitäten der Deutschen. Öffentliche Bäder tragen zur Wohn- und Freizeitqualität einer Kommune bei, machen das Sport- und Freizeitangebot attraktiver. In unseren Schwimmbädern findet die Schwimmausbildung statt. Ohne sie kann keine adäquate Ausbildung erfolgen, immer mehr Menschen bleiben Nichtschwimmer. Doch das hindert diese Menschen nicht daran, Schwimmbäder und Badestrände aufzusuchen. Das mögliche Ergebnis spüren wir schon jetzt: allein in den ersten acht Monaten des Jahres 2018 ertranken mindestens 445 Menschen in Deutschland. Bereits heute ist eine Verschlechterung der Schwimmfähigkeit in der Bevölkerung nachweisbar.

Fast 60% der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer mehr – so eine von der DLRG in Auftrag gegebene repräsentative forsa-Umfrage aus dem Jahr 2017; Ausbildungsangebote der schwimmausbildenden Organisationen gehen drastisch zurück, Wartelisten werden länger und Schulschwimmen als Schulsport findet vielfach nicht mehr statt. 25 Prozent der Grundschulen in Deutschland haben keinen Zugang mehr zu einem Bad – Schwimmausbildung wird so unmöglich.

Eine anhaltende Bäderschließung führt neben dem Rückgang der Schwimmfähigkeit in der Bevölkerung weiterhin zu einer Rückentwicklung der Schwimm- und Badekultur und in der Folge zu einem immer weiter reduzierten Beitrag öffentlicher Bäder zur Gesundheitsbildung, zur Standortqualität, zu gesellschaftlicher Wohlfahrt und zu gesellschaftlichem Zusammenhalt. Darüber hinaus sind vor allem Freibäder Orte, an denen alle Gesellschaftsschichten zusammentreffen, sei es auf der Rutsche oder am Kiosk: Ein Freibad ist nicht nur Freizeitstätte, sondern auch Teil des kommunalen Gesundheitsangebots und vor allem Sozial-, Bildungs- und Kulturstätte. Nicht jede Familie kann es sich leisten, jährlich oder überhaupt in Urlaub zu fahren. Durch die anhaltende Schließung von Bädern verringert sich das Freizeitangebot in Kommunen drastisch. Ferner begünstigt die oftmals rein an wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgerichtete Politik eine Sozialauswahl der Nutzer, führt zu Ausgrenzungen, beschleunigt vor allem den Prozess sozialer Ausgrenzung.

Thank you for your support, DLRG from Bad Nenndorf
Question to the initiator

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News

  • Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat ihre Petition „Rettet die Bäder!“, die sich gegen das fortwährende Schließen von Schwimmbädern richtet, bis Ende August verlängert. „Wir wollen mit unserer Kampagne das Problem des schleichenden Bädersterbens einer noch breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen und gezielt dort ansetzen, wo das Schwimmenkönnen so wichtig ist“, erklärt Achim Haag, Präsident der Lebensretter. Gemeint sind die über 2.000 Badestellen in Deutschland, an denen die DLRG während der Sommermonate präsent ist.

    Gerade in dieser Zeit erhofft sich die DLRG, in den Freibädern, an den Seen oder an den Stränden von Nord- und Ostsee zahlreiche weitere Unterschriften sammeln und der Petition damit noch mehr Nachdruck verleihen zu können. Denn insbesondere im Sommer – das beweist die DLRG-Statistik seit Jahren – sind die meisten Ertrinkungsfälle zu verzeichnen.

    Im Oktober vergangenen Jahres startete die DLRG ihre Kampagne „Rettet die Bäder!“. Seither haben weit über 80.000 Unterstützende die zugehörige Petition unterzeichnet – ein Beleg dafür, dass innerhalb der Bevölkerung eine große Betroffenheit beim Thema Bädererhalt besteht. „Dieser Umstand erscheint einfach zu wichtig, um die Petition jetzt schon auslaufen zu lassen und deswegen wird die Petition verlängert“, so Haag. Weitere betroffene Verbände haben mittlerweile ebenfalls Unterstützung signalisiert und sollen auch noch die Chance bekommen, ihre Mitglieder zu informieren.

    Für die Petition wurde das angestrebte Quorum von insgesamt 50.000 Unterschriften bereits im Februar erreicht. Damit könnte sie direkt dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages überreicht werden. Ferner hat man mit der Verlängerung einen passenden Zeitpunkt der Übergabe im Blick: So plant die DLRG die Übergabe der Unterschriften für Anfang September, um einerseits die parlamentarische Sommerpause zu überbrücken und andererseits die Petition idealerweise in den dann anstehenden Haushaltsdebatten unterbringen zu können.

    Petition für Bädererhalt
    Seit Jahren kritisiert die DLRG vehement die sich verschlechternden Rahmenbedingungen für die Schwimmausbildung. Immer mehr Schwimmbäder schließen oder werden in Spaßbäder umfunktioniert, in denen an Schwimmausbildung nicht zu denken ist. In der Folge werden Wartezeiten für Schwimmkurse immer länger. „Wir müssen Bäder erhalten oder bauen und nicht wegrationalisieren. Schließungen gehen zu Lasten der Wassersicherheit der Bevölkerung und bezahlbarer sozialer Angebote“, mahnt Haag.

    Die möglichen Folgen sind schon jetzt spürbar: Rund 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Bereits 25 Prozent der Grundschulen haben keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad – oder müssen zum Teil lange Wege auf sich nehmen. Vor diesem Hintergrund will die DLRG mit der Petition „Rettet die Bäder“ bundesweit auf das Thema aufmerksam machen und dem anhaltenden Negativtrend entgegenwirken.

    Alle weiteren Informationen dazu unter www.rettet-die-baeder.de.

pro

Auch ich unterstütze die Petition, befürchte aber, dass der hohe wissenschaftliche Ansatz letztlich dazu führt, dass viel Geld ausgegeben wird, aber nur wenig für den eigentlichen Zweck nämlich den Schwimmbädern. Ein bundesweites Förderprogramm ist sinnvoll, denn viele Grund- und Mittelzentren können sich ein eigenes Schwimmbad nicht mehr leisten. Sie stellen damit aber auch Infrastruktur für die umliegenden Gemeinden zur Verfügung die sich an den Kosten nicht beteiligen. Dies "Zentralitätsaufgabe", die über die eigne Bevölkerung hinaus geht muss gefördert werden.

contra

Ich habe die Petition unterschrieben, bin aber der Meinung, dass der starke Fokus (letzter Satz im Film) auf Todeszahlen un deren Anstieg mehr Angst verbreitet wird, als nötig. Todesfälle durch Ertrinken sind seit Jahren rückläufig (Quelle). 2018 war ein warmer Sommer, sodass insgesamt mehr Badeunfälle aufgetreten sind als in kürzerer Vergangenheit. Der langfristige Trend (der auch der DLRG zu verdanken ist) ist aber deutlich erkennbar. Angst über Medien zu verbreiten um sein Argument zu stärken, wird immer häufiger genutzt. Die DLRG als seriöser Verein sollte sich dem nicht anschließen.

Why people sign

  • 2 h. ago

    Weil Schwimmen wichtig ist.

  • 8 h. ago

    Ehemalige Leistungsschwimmerin, jetzt 2 Kinder und Schwimmbäder gehören einfach dazu!!!

  • 8 h. ago

    Mühsam aufgebaut für Freizeit und Leistung, Ausgleichsport etc., sozialen Kontakt wird innerhalb kürzester Zeit als unwirtschaftlich zerstört. Wiso sollen diese Einrichtungen nur wirtschftl. Gewinn abwerfen, was zählt der Mensch ???

  • 8 h. ago

    Als jahrzehntelangem Mitglied der DLRG und ehem. Ausbilder im Schwimmunterricht ist mir die Bedeutung eines möglichst frühzeitigen Schwimmenlernens sehr bewusst und bekannt. Hierfür fehlen aber ausreichende Schwimmzeiten und Ausbildungsflächen, sowohl im Schüler- als auch im Vereinsunterricht! Dies hat zur Folge, dass Kinder, die Schwimmen lernen wollen, oftmals Monate oder gar Jahre auf einen entsprechenden Platz warten müssen!

  • Ilona Mader Wiggensbach

    8 h. ago

    Schwimmen ist gesund

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