Petition richtet sich an:
Stadtverordnetenversammlung und Bürgermeister der Stadt Rüdesheim am Rhein
„Rettet Rüdesheim: Nachhaltige Verkehrsplanung und Lebensqualität für Anwohner statt punktueller Restriktionen!“
Unsere konkreten Gegenforderungen an eine gerechte Kommunalpolitik:
Wir fordern eine politische Wende, die die Interessen der Einwohner wieder gleichberechtigt neben die tourismuswirtschaftlichen Ziele stellt:
1. Reine Anwohner- und Anliegerbereiche: Der historische Kern und die betroffenen Bereiche der Altstadt müssen konsequent für den touristischen Such- und Durchgangsverkehr gesperrt werden.
2. Intelligente Kombiparkplatz-Regelung zur Verkehrsreduktion: Bis 18:00 Uhr dürfen die Kombiparkplätze öffentlich genutzt werden, jedoch strikt begrenzt auf eine maximale Parkdauer von 2 Stunden für Kunden und kurze Erledigungen. Anwohner dürfen dort jederzeit unbeschränkt parken. Nach 18:00 Uhr werden diese Flächen zu reinen Anwohnerparkplätzen. Das reduziert den Suchverkehr in der Altstadt erheblich!
3. Echte Bürgerbeteiligung beim Seilbahnparkplatz: Bei der anstehenden Rückgabe des Seilbahnparkplatzes und der angrenzenden Flächen fordern wir eine aktive und direkte Einbindung der Einwohner und des lokalen Gewerbes von Anfang an.
4. Ausweitung peripherer Parkkonzepte: Der touristische Verkehr muss über großzügige Parkplätze außerhalb des Zentrums abgefangen und gelenkt werden, anstatt die Belastung immer weiter in die Wohnbereiche hineinzuziehen.
5. Anerkennung wissenschaftlicher Fakten und Stopp des Overtourismus: Wir fordern die konsequente Umsetzung der Studie der TU Darmstadt. Der ungesteuerte Massentourismus darf nicht länger verharmlost werden. Die Stadtentwicklung muss sich an den realen Belastungsgrenzen orientieren, um die Substanz Rüdesheims zu schützen.
6. Faire Wertschöpfung statt "Hotelschiff-Blase": Wir fordern ein intelligentes Lenkungskonzept für die Passagiermassen der Hotelschiffe. Der Tourismus muss so gelenkt werden, dass er dem lokalen Gewerbe, dem Handwerk und der Gastronomie nützt, anstatt sie zu verdrängen.
7. Richtige Prioritäten bei den Stadtfinanzen (Kitas vor Prestigeprojekten): Wir fordern eine Kehrtwende bei der Prioritätensetzung. Die soziale Infrastruktur für unsere Familien und Einwohner muss an oberster Stelle stehen und Vorrang vor touristischen Experimenten haben.
8. Konsequente Müll- und Dreckbekämpfung der Massen: Wir fordern, dass die Stadtverwaltung die massiven Müllberge bekämpft, die durch den ungesteuerten Tagestourismus entstehen. Die Verursacher müssen stärker in die Pflicht genommen werden; Reinigungskosten dürfen nicht einseitig auf die Bürger abgewälzt werden.
9. Entlastung für alle Stadtteile und Nachbarorte: Wir fordern ein Gesamtverkehrskonzept, das über die Altstadt hinausgeht. Verkehrslenkung muss regional gedacht werden, anstatt das Problem durch starre Sperrungen nur in die engen, historischen Nachbarstraßen zu verlagern.
Begründung
Wir, die Bürger und Gewerbetreibenden der Stadt Rüdesheim am Rhein, fordern den Bürgermeister Dirk Stuckert und die Stadtverordnetenversammlung dazu auf, eine fundamentale Kehrtwende in der städtischen Planung einzuleiten. Wir kritisieren den aktuellen Kurs der Kommunalpolitik, der sich unserer Meinung nach zu weit von den Bedürfnissen der Einwohner entfernt. Ein konkretes Beispiel hierfür ist der vorliegende Dringlichkeitsantrag der Fraktion WIR, dessen Maßnahmen wir entschieden ablehnen, da wir erhebliche negative Auswirkungen auf unsere Lebensqualität und die lokale Wirtschaft befürchten.
1. Belastung durch ungesteuerten Tagestourismus
Seit Jahren beobachten wir eine Politik, die sich stark an reinen Tourismus-Statistiken orientiert. Die täglichen Passagiermassen der Hotelschiffe führen regelmäßig zu einer Überlastung der Altstadt. Nach unserer Wahrnehmung steht dieser hohen touristischen Frequenz eine nur geringe Wertschöpfung für den stationären Einzelhandel gegenüber. Wir fordern, dass wissenschaftliche Erkenntnisse zur touristischen Belastung in Kleinstädten bei zukünftigen Planungen endlich ernst genommen werden. Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass die fundierten Warnungen und Empfehlungen der TU Darmstadt im Ortsbeirat lediglich heruntergespielt wurden. Auch das Rheingau Echo thematisierte bereits die wachsende Kluft zwischen Tourismusinteressen und der Lebensqualität der Einheimischen unter dem Titel „Tourismus first, Einheimische second“.
(Quellen: TU Darmstadt, Rheingau Echo)
2. Fehlende Peripherie-Lösungen und Verkehrsleitung
Statt punktueller Verbote innerhalb der Altstadt fordern wir ein ganzheitliches Verkehrskonzept. Es mangelt eklatant an funktionierenden peripheren Parkmöglichkeiten (Park-and-Ride-Systemen) und einer proaktiven Verkehrsleitung, die den Tourismusverkehr bereits außerhalb der Kernstadt abfängt. Nur so kann der Parkdruck gelöst werden, ohne Anwohner und lokales Gewerbe durch immer neue Restriktionen und Barrieren in ihrer Mobilität einzuschränken.
3. Gefährdung inhabergeführter Betriebe
Die im Dringlichkeitsantrag der Fraktion WIR vorgeschlagenen Maßnahmen gefährden aus unserer Sicht die wirtschaftliche Substanz der Altstadt:
- Parkraum-Privatisierung (Punkte 5 & 6): Die feste Vermietung von Marktplatz-Stellflächen verknappt den öffentlichen Raum künstlich und erschwert Anwohnern sowie Kunden den Zugang zu lokalen Betrieben.
- Absperr-Korsett (Punkte 3 & 11): Die starre Sperrung des oberen Marktplatzes ab 12:00 Uhr durch physische Barrieren stellt für Lieferanten, ältere Mitbürger und Kunden eine logistische Hürde dar, die den Geschäftsbetrieb erheblich behindert.
4. Verkehrsplanung und Anwohnerinteressen
Die geplante Einbahnstraßenregelung in der Kellergasse (Punkt 8) betrachten wir kritisch. Wir befürchten, dass diese Maßnahme die Verkehrsprobleme nicht löst, sondern lediglich in die ohnehin engen, historischen Nachbarstraßen verlagert, was zu einer weiteren Belastung der Anwohner führt.
5. Finanzielle Prioritäten kritisch hinterfragen
Wir sind besorgt über die aktuelle finanzielle Priorisierung im Stadtparlament. Während Mittel für praxisferne Verkehrs-Experimente bereitgestellt werden, fehlt es an der notwendigen Sicherheit für unsere soziale Infrastruktur, wie etwa bei der Kita-Betreuung. Auch der Wiesbadener Kurier hinterfragte bereits öffentlich, ob sich die aktuelle Tourismusentwicklung für Rüdesheim in dieser Form überhaupt lohnt. Wir fordern eine transparente Darlegung der städtischen Prioritäten.
(Quelle: Wiesbadener Kurier)
6. Umgang mit städtischer Sauberkeit
Statt lediglich die Einwohner durch Sanktionen zu gängeln, fordern wir eine konsequente Strategie gegen die Müllberge, die durch die ungesteuerten Touristenströme entstehen. Die Verursacher müssen stärker in die Pflicht genommen werden.
Fazit:
Rüdesheim leidet unter einem tiefen Widerspruch: Während die Infrastruktur unter dem Menschenkollaps leidet, bleiben viele lokale Geschäfte von der „Konsum-Blase“ der Hotelschiffe ausgeschlossen. Wir sind keine bloße Kulisse, sondern ein lebendiger Wohnort. Wir fordern den Bürgermeister und die Stadtverordneten auf, mit uns in einen echten Dialog zu treten. Wir brauchen eine Kehrtwende, die den Schutz unserer sozialen Einrichtungen und die Lebensqualität der Bürger in den Mittelpunkt stellt!
Jäger