69 Unterschriften
Petition richtet sich an: Landtag Brandenburg, Stadtverwaltung Potsdam
Rettung und Erhalt des denkmalgeschützten ehemaligen Ballsaals des Viktoriagarten-Restaurants/Kino Charlott in Potsdam
Mit dieser Petition fordern wir den Landtag Brandenburg auf, sich gemeinsam mit der Landesregierung, der Landeshauptstadt Potsdam und den zuständigen Denkmalschutzbehörden für den Erhalt, die denkmalgerechte Sanierung und eine öffentliche kulturelle Nutzung des ehemaligen Ballsaals des Viktoriagarten-Restaurants und späteren Kinos Charlott in Potsdam einzusetzen.
Der ehemalige Ballsaal des Viktoriagarten-Restaurants und spätere Kino Charlott ist ein bedeutendes Zeugnis der brandenburgischen Kultur-, Sozial- und Architekturgeschichte. Herausragend ist seine Bedeutung für die Geschichte der Arbeiterbewegung, die heute kaum jemand mit der Brandenburger Vorstadt in Verbindung bringt: Der Viktoriagarten war bis etwa 1914 die größte Versammlungsstätte der Sozialdemokratie. August Bebel trat hier auf, ebenso wie Karl Liebknecht. Dieser sprach am 15. Januar 1901 erstmals in Potsdam, seinem späteren Wahlkreis. 400 Bürger und Bürgerinnen kamen zu seinem Vortrag über „Die Sozialdemokratie und die bürgerlichen Parteien“. Zum Gedenken daran wurde am 22. Februar 1965 neben dem Eingang des nun als Kino genutzten Hauses eine Tafel angebracht, welche 2009 spurlos verschwand. Die Inschrift der Tafel lautete: „In diesem Gebäude sprachen Karl Liebknecht, August Bebel und Paul Singer zu den Werktätigen Potsdams und riefen sie zum Kampf gegen Imperialismus, Militarismus und Krieg auf.“
Der ehemalige Ballsaal des Restaurants wurde 1934 zum Kino umgebaut und war bis 1998 ein wichtiger kultureller Treffpunkt. Das Gebäude wurde 2004 von der Bundesvermögensverwaltung an den Bauunternehmer Klaus Hentges versteigert – ohne Sanierungsverpflichtung und Rückkaufrecht. Der Eigentümer lässt das denkmalgeschützte Gebäude seitdem Leerstehen und gibt es dem fortschreitenden Verfall preis. Mittlerweile ist das Haus akut einsturzgefährdet. Aufgrund dieser akuten Gefährdung wurde das Kino Charlott jetzt in das aktuelle Schwarzbuch der Denkmalpflege der Deutschen Stiftung Denkmalschutz aufgenommen. https://www.denkmalschutz.de/fileadmin/media/2024/PDF/Broschueren/Schwarzbuch/Schwarzbuch_2024-25_Web.pdf
Jeder Versuch der Potsdamer Denkmalpflege, das Gebäude vom Eigentümer sichern zu lassen, ist ergebnislos geblieben. Der Eigentümer hat alles gerichtlich abgewehrt. Die Hoffnung, dass mit der Erteilung der Baugenehmigung im Juni 2023 die Sanierung des Baudenkmals erfolgt, hat sich nicht erfüllt. Inzwischen hat der Eigentümer das Gebäude erfolglos zum Verkauf ausgeschrieben. Da er sich in keiner Weise um den Schutz des Gebäudes gekümmert hat, liegt die Befürchtung nahe, dass er eher an einem Abriss des wertvollen Baudenkmals und Neubau auf dem Gelände interessiert sein könnte.
Jeder weitere Verlust historischer Bausubstanz ist unwiederbringlich und widerspricht dem öffentlichen Interesse am Erhalt des kulturellen Erbes Brandenburgs.
Wir fordern den Landtag Brandenburg daher auf, sich gemeinsam mit der Landesregierung, der Landeshauptstadt Potsdam und den zuständigen Denkmalschutzbehörden für folgende Maßnahmen einzusetzen:
* die unverzügliche Sicherung des Gebäudes gegen weiteren Verfall,
* die Entwicklung eines tragfähigen Rettungs- und Nutzungskonzepts,
* die Prüfung einer finanziellen Förderung durch Programme des Landes,
* die Unterstützung einer kulturellen oder gemeinwohlorientierten Nutzung,
* die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger sowie zivilgesellschaftlicher Initiativen in den weiteren Planungsprozess.
Das Interesse der Stadtgesellschaft an dem Erhalt des ehemaligen Ballsaals des Viktoriagarten-Restaurants und späteren Kinos Charlott ist ungebrochen.
Historische und kulturelle Orte prägen das Gedächtnis und die Kultur unseres Landes und müssen auch für kommende Generationen erhalten bleiben.
Der ehemalige Ballsaal des Viktoriagarten-Restaurants ist der letzte große, freistehende Tanz- und Vergnügungssaal der Stadt. Andere Säle, wie etwa der Saal des „Alhambra“ in der Französischen Straße sind entweder 1945 zerstört oder danach abgerissen worden, wie das Konzerthaus und spätere Haus der Offiziere in der Hegelallee im Jahr 2013. Mit der Zerstörung des ehemaligen Viktoriagartens wäre dieser freistehende Bautypus aus der Zeit vor 1918 in Potsdam nicht mehr vorhanden.
In einer Stadt mit einem so reichen Filmkulturerbe wie Potsdam, die zudem seit 2019 den Titel „UNESCO Creative City of Film“ trägt, sollte auch an die einst existenten Kinos, wie das ehemalige Filmtheater Charlott, erinnert werden. Sie waren Jahrzehnte die Voraussetzung, Filme überhaupt sichtbar zu machen. In Potsdam erinnert derzeit, bis auf das Thalia und das Kino im Filmmuseum Potsdam, nichts mehr an die frühere Kinolandschaft.
Begründung
Der Erhalt des ehemaligen Ballsaals des Viktoriagarten-Restaurants und späteren Kinos Charlott ist eine Investition in die kulturelle Identität Brandenburgs. Mit dem Erhalt des ehemaligen Ballsaals des Viktoriagarten-Restaurants und späteren Kinos Charlott bewahrt Brandenburg nicht nur ein einzigartiges Baudenkmal, sondern schafft zugleich einen kulturellen Ort für kommende Generationen und stärkt den Anspruch Potsdams als UNESCO Creative City of Film.
Angaben zur Petition
Petition gestartet:
19.08.2026
Sammlung endet:
18.02.2027
Region:
Potsdam
Kategorie:
Kultur
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Das Gebäude ist ein wichtiges Zeugnis der Geschichte der Brandenburger Vorstadt!