Petition richtet sich an:
Deutscher Bundestag
Wir fordern eine fundamentale Reform des Jagdrechts für das Europäische Wildkaninchen: Einen flächendeckenden, ganzjährigen Jagdstopp in der freien Natur und eine Beschränkung der Bejagung ausschließlich auf begründete Ausnahmefälle zum Schutz kritischer Infrastrukturen (wie Dämme, Deiche oder Friedhöfe).
Begründung
Das Europäische Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) steht auf der Roten Liste der IUCN bereits auf der Vorwarnstufe bzw. gilt in vielen Teilen Mitteleuropas als gefährdet. Dennoch werden in Deutschland Jahr für Jahr zehntausende Tiere im Rahmen der Hobbyjagd erlegt. Dies ist angesichts des drastischen Bestandsrückgangs durch Lebensraumverlust und schwere Viruserkrankungen (wie Myxomatose und RHD) weder zeitgemäß noch ökologisch tragbar.
Zwei entscheidende ökologische Argumente machen den Schutz des Wildkaninchens dringender denn je:
1. Natürlicher Brandschutz im Klimawandel
Angesichts zunehmender Dürreperioden steigt die Gefahr von Wald- und Vegetationsbränden in Deutschland massiv an. Neben Ziegen und Schafen sind Wildkaninchen hocheffiziente, bodennahe Pflanzenfresser. Durch ihr kontinuierliches Abweiden halten sie Gräser, Kräuter und trockenes Unterholz extrem kurz. Sie reduzieren damit systematisch die sogenannte „Brandlast“ am Boden – also das leicht entzündliche, trockene Material, das Waldbrände wie ein Beschleuniger anheizt. Kaninchenkolonien schaffen durch ihre Lebensweise biologische Brandschneisen und verlangsamen so die Ausbreitung von Feuern im offenen Gelände und an Waldrändern. Sie zu jagen bedeutet, dem Wald ein natürliches Schutzschild gegen Flammen zu nehmen.
„Wie auch aktuelle Berichte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zur Waldbrandprävention zeigen, wird die Bedeutung von Pflanzenfressern bei der Reduzierung der Brandlast im Klimawandel massiv unterschätzt.“
2. Lebenswichtige Schlüsselart („Beutegreifer-Basis“) für das Ökosystem
Wildkaninchen sind eine klassische Schlüsselart. Sie bilden das fundamentale Glied in der Nahrungskette unserer heimischen Natur. Für eine Vielzahl bedrohter und geschützter Beutegreifer – darunter Greifvögel (wie der Rotmilan und Uhu), Füchse, Marder und seltene Raubtiere wie die Wildkatze oder den Luchs – sind sie das wichtigste und energiereichste Beutetier. Fehlen Kaninchen in der Landschaft, geraten diese Beutegreifer unter massiven Nahrungsdruck, was Dominoeffekte auf andere, ebenfalls bedrohte Tierarten (wie bodenbrütende Vögel) nach sich zieht.
3. Verhältnismäßigkeit: Schutz von Infrastruktur statt Pauschaljagd
Niemand verkennt, dass die Wühltätigkeit von Kaninchen an sensiblen Orten Probleme verursachen kann. Wenn Deiche, Dämme, Bahndämme oder historische Friedhöfe durch Unterhöhlung gefährdet sind, muss ein gezieltes und lokales Management (Vergrämung oder Entnahme) auch weiterhin rechtlich möglich sein. Eine pauschale Bejagung im Wald, auf Feldern oder in natürlichen Offenlandschaften ist dadurch jedoch nicht zu rechtfertigen.
📢 Fazit und Forderungen
Die Jagd auf das Wildkaninchen muss sich an ökologischer Vernunft orientieren, nicht an Traditionen. Wir fordern die zuständigen Ministerien der Länder und des Bundes auf:
- Das Wildkaninchen weitestgehend aus den Jagdkatalogen zu streichen bzw. mit einer ganzjährigen Schonzeit zu belegen.
- Die Bejagung strikt auf behördlich geprüfte Sondergenehmigungen zum Schutz kritischer Infrastruktur (Hochwasserschutz, Verkehrwegebau) zu beschränken.
- Den positiven Einfluss von Wildkaninchen auf die biologische Vielfalt und die Waldbrandprävention aktiv fördern.
Bildquelle des Titelbildes: Francesco Ungaro / Unsplash (lizenzfrei)