Petition richtet sich an:
Bundesverteidigungsminister, Bundesregierung, Bundestag, Bundesrat, Petitionsausschuss des Bundestags, Landesregierung NRW
Ein geplanter Kasernenausbau auf rund 28 Hektar innerstädtischem Landschaftsschutzgebiet - die Beverau in Aachen - ginge mit erheblichen Folgen für das Stadtklima und den Hochwasserschutz einher. Bei der Beverau handelt es sich um ein bedeutsames Kaltluftentstehungsgebiet, eine zentrale Belüftungsbahn für die Innenstadt und um wichtige Hochwasserrückhalteflächen. Die Aachener Stadtverwaltung hat das Bauvorhaben daher nach umfassender fachlicher Prüfung aus sehr erheblichen Bedenken abgelehnt. Auch der Rat der Stadt Aachen hat sich fraktionsübergreifend dagegen ausgesprochen. Die Bundeswehr hat eine Bebauung der Beverau bisher allerdings nicht ausgeschlossen.
- Wir fordern das Bundesministerium der Verteidigung, im Besonderen Herrn Boris Pistorius, sowie die beteiligten Bundesministerien auf, die geplante Erweiterung der Dr.-Leo-Löwenstein-Kaserne auf der Beverau sofort zu stoppen.
- Die Landesregierung NRW soll ihrerseits sämtliche Einwände der Stadt Aachen in ihre Stellungnahme nach § 1 Abs. 2 Landbeschaffungsgesetz aufnehmen und die Inanspruchnahme der Flächen durch die Bundeswehr klar ablehnen.
- An Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat appellieren wir zudem, beim geplanten Bundeswehr-Infrastrukturbeschleunigungsgesetz (BwIBG) keinen pauschalen Vorrang militärischer Bauvorhaben vor Umwelt- und Planungsbelangen festzuschreiben und unabhängige Fachprüfungen, wirksame Beteiligung, Umweltstandards sowie den gerichtlichen Schutz vor irreversiblen Maßnahmen zu bewahren.
Stadtklima und innerstädtische Temperaturen
Aachen liegt in einem Talkessel und ist auf umliegende Frischluftentstehungsgebiete angewiesen. Die Beverau ist ein unersetzliches Kaltluftentstehungsgebiet und eine Frischluftschneise für die Aachener Innenstadt, weshalb sie 2020 im Flächennutzungsplan als „Kaltlufteinzugsgebiet mit besonderer stadtklimatischer Relevanz“ eingestuft wurde. Die Bundeswehr war am entsprechenden Planverfahren beteiligt und erhob keine Einwände. Mit der geplanten Versiegelung der Beverau wird die Lebensversicherung für das städtische Klima gekappt. Angesichts von rund 16.000 Hitzetoten im Sommer 2026 in Deutschland und weiter steigenden Temperaturen schlägt das Robert Koch-Institut (RKI) Alarm: Eine kommunale Hitzeanpassung zum Schutz von Menschenleben ist dringend notwendig. Diese würde durch den Ausbau zunichte gemacht.
Hochwasserrisiko
Neben der städtischen Überhitzung droht durch die geplante Bebauung und mögliche Flächenversiegelung auf bis zu 277.000 m² eine akute Verschärfung der Hochwassergefahr bei Starkregen. Die Beverau fungiert als natürlicher Schwamm und zentraler Hochwasserschutz für Teile der Innenstadt. Schon heute beschreibt die Untere Wasserbehörde die Hochwassersituation im darin fließenden Bachsystem (Beverbach) als kritisch. Eine Bebauung konterkariert alle politischen Forderungen nach resilientem innerstädtischen Hochwasserschutz und nimmt katastrophale Überschwemmungsfolgen für die Bevölkerung billigend in Kauf.
Militärische Großanlagen in bewohnten Gebieten
Die geplante Großkaserne wäre auf mehreren Seiten unmittelbar von bestehenden Wohngebieten umgeben. In Friedenszeiten bedeutet dies unter anderem erhebliche Verkehrs- und Lärmbelastungen bei gleichzeitigem Verlust des Eselswegs als bedeutender Zugang zur Naherholung. Im Kriegsfall können Kasernen nach dem humanitären Völkerrecht rechtmäßige Angriffsziele sein. In Artikel 58 des Zusatzprotokolls von 1977 zu den Genfer Abkommen wird entsprechend gefordert, militärische Anlagen nicht in oder nahe dicht besiedelter Gebiete anzulegen. Der Bau und die Erweiterung bestehender militärischer Anlagen dürfen daher nicht zu einer erhöhten Gefährdung der Zivilbevölkerung führen.
Demokratie und kommunale Selbstverwaltung
Die Stadt Aachen hat nach umfassender fachlicher Prüfung sehr erhebliche Konflikte mit ihrer Stadtentwicklung und dem Umwelt- und Hochwasserschutz festgestellt. Diese fundierten Einwände und der Wille der Bürgerinnen und Bürger vor Ort dürfen nicht übergangen werden. In den Änderungen der Landesbauordnung NRW sowie insbesondere den geplanten Sonderregelungen im Bundeswehr-Infrastrukturbeschleunigungsgesetz (BwIBG) sehen wir mit Sorge, dass „die Bundeswehr künftig selbst über Ausnahmen von Naturschutz-, Forst- oder Wasserrecht entscheiden“ (Bundesrechtsanwaltskammer) kann. Zudem würden die immensen Folgekosten der Kasernenerweiterung für die Infrastruktur und den Klima- und Hochwasserschutz bei der ohnehin finanziell stark belasteten Stadt Aachen hängen bleiben.
Wenn demokratische Entscheidungen, kommunale Selbstverwaltung und bestehende Schutzrechte übergangen werden können, ist weit mehr als nur die Beverau in Gefahr!
Informationen zu unserer Bürgerinitiative: https://www.eselsweg-retten.de/hintergrund
Quellen
Stadt Aachen (2026). Gesamtstellungnahme zur Landbeschaffung für die Erweiterung der Dr.-Leo-Löwenstein-Kaserne vom 30.09.2026, S. 3. https://ratsinfo.aachen.de/public/vo020?0--anlagenHeaderPanel-attachmentsList-0-attachment-link&VOL…
Stadt Aachen (2022). Flächennutzungsplan AACHEN2030*. Rechtswirksam seit dem 27. Januar 2022. https://www.aachen.de/in-aachen-leben/planen-bauen/bauleitplanung-und-landschaftsplanung/flaechennu…
Zusatzprotokoll I zu den Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte vom 8. Juni 1977 (Art. 52, Art. 58). https://ihl-databases.icrc.org/en/ihl-treaties/api-1977
an der Heiden, M., Zacher, B., RKI-Geschäftsstelle für Klimawandel & Gesundheit, Diercke, M., & Bremer, V. (2026, 24. September). Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität KW 37 (Stand: Kalenderwoche 37/2026). Robert Koch-Institut. https://doi.org/10.25646/14459
Bundesrechtsanwaltskammer (2026). Bundeswehr-Infrastruktur: BRAK warnt vor massivem Abbau des Rechtsschutzes. https://www.brak.de/newsroom/newsletter/nachrichten-aus-berlin/2026/ausgabe-15-2026-v-2272026/bunde…
BUND, DUH, DNR, GLI, Greenpeace, & NABU. (2026, 17. Juni). Gemeinsame Stellungnahme zum Referentenentwurf des Bundesministeriums für Verteidigung für ein Bundeswehr-Infrastrukturbeschleunigungsgesetz (Bw-IBG). https://greenlegal.eu/wp-content/uploads/GLI_Stellungnahme_Verbaende_BwIBG.pdf
Pressespiegel: https://eselsweg-retten.de/presse
Weil wir Natur und Klimaschutz brauchen und keine Kriegsmaschinerie